Review Duir – Catarsi

Was den (Post) Black Metal betrifft, so ist alles an zusätzlichem Instrumentarium was der Tiefe und Melancholie dient, erlaubt. Im Gegensatz zu seinen konservativen Anfängen, ist dieses Genre derweil für viele Fremdeinflüsse offen. Trotzdem: Liest man von Dudelsack, Hurdy Gurdy und Flöten, entsteht zuerst der Verdacht auf … „Tanz-Black-Metal“? DUIR aus Italien zerstreuen derartige Befürchtungen aus dem Stand.

Viel eher stehen die sechs neuen Songs auf „Catarsi“ für die Verschmelzung von Aggression, Melancholie mit einer leicht archaischen Note. DUIR verlieren sich dabei aber nicht in unnötiger Plänkelei. Das eröffnende „Manifesto“ steht genau dafür. Der Track startet rasant und führt mit seinen gefälligen, jedoch stets passenden Melodien stilecht in das Album ein. Auch der Wechsel von Hochgeschwindigkeit zu treibenden Midtempo-Arrangements funktioniert erwartbar gut. Die eingewobenen Harmonien eingangs erwähnter Instrumente, mögen anfangs vor allem vor den dichten Riffs etwas gewöhnungsbedürftig wirken, passen insgesamt aber gut in das ansonsten konventionelle Klangbild von DUIR.

Dass die Sparte tragischen Black Metals schon immer von Verbundenheit getragen war, zeigt auch das Feature mit L.G. (ELLENDE) sehr klar. Denn dieser Titel ist nicht nur rauschender, er hat auch den wohl prägnantesten Einschlag so rauer wie weicher Töne. Hier allerdings, wenn die Drums von P. sich mit den Gitarren von MK und den schreien gleich zweier Sänger zu absoluten Höhen empor strecken, wird auch erstmals deutlicher spürbar dass sich die Bläser nicht immer gegen das metallische Fundament durchsetzen können. Zumal speziell dieses Stück als „reiner“ Post-Black-Metal-Song tragfähig genug wäre.

Dass DUIR nämlich besonders dann am stärksten sind, wenn es um das drängende Wesen ihrer Musik geht, zeigt ein Track wie „Del Giorno“. Auch wenn sich hier erneut zeigt, dass besonders die Flöten eher um ihr Gehör kämpfen müssen, so zeigt sich andererseits dass die Italiener absolut verstehen was atmosphärischen Black Metal besonders macht. Ungeachtet dessen nämlich, dass Musik wie die von DUIR zuhauf von anderen Bands ähnlich ins Werk gesetzt wird, ist „Del Giorno“ rasant, tiefschürfend, melodiös und der wohl emotionalste Song. Wenn dann ganz zum Schluss auch die Bläser einmal für sich stehen ist es fast schade, dass sich die Ästhetik dieser Instrumentengruppe (beispielsweise auf dem Into von „Oltre L’Alba“ bestens dargelegt) nicht konsequent ausgewogen mit den Metal-Arrangements verträgt.

Was DUIR auf ihrem neuen Album anbieten, ist definitiv alles andere als schlecht. Viele der gebotenen Arrangements besitzen Tiefe und einen angenehmen Drive. Auch der Einsatz von Flöten, Dudelsack und Hurdy Gurdy bringt eine gewisse Eigenheit in den Sound der Band. Abseits dessen ist „Catarsi“ aber ein sehr generisches Werk. Der rasante (Post) Black Metal wirkt gerade vor dem Hintergrund der folkloristischen Kulisse oft als zu bekannt, sodass man sich trotz guter Komposition schon fragen darf ob DUIR hier wirklich die angebotene Heilung liefern, oder ob sie das tieferliegende Problem der Genre-Übersättigung einfach so lange ignorieren bis es sich gar nicht mehr so schlimm anfühlt.

Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wertung: 6.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert