Holland ist für vieles bekannt, zum Beispiel – ganz und gar nicht klischeehaft – guten Käse und Spaßbrownies. Für den Metal lassen sich in diesem Zusammenhang etwa die vielbeachteten URFAUST und die avantgardistischen Maskenmänner von LASTER nennen. Beide haben im experimentellen Black Metal tiefe Spuren hinterlassen. Doch große Namen verdrängen gern die kleinen Highlights. Und um das Fazit vorwegzunehmen: DYSTOPIA haben mit „De Verboden Diepte II: De Weg Van De Meeste Weerstand“ genau ein solches geliefert.
Der Albumtitel bedeutet auf Deutsch in etwa „Die verbotene Tiefe II: Der Weg des größten Widerstands“. Das ist insofern konsequent, als sich DYSTOPIA für eben diesen Widerstand viel Zeit nehmen. Die neue Veröffentlichung der Band enthält nur zwei Stücke, die es zusammen jedoch auf 33 Minuten Spielzeit bringen. Dass die Holländer keine Probleme haben, diese enorme Dauer zu füllen, beweist das eröffnende „Confrontatie“ ohne Umwege.
Wabernde Synthesizer formen zunächst ein diffuses Gefühl der Bedrohung, ehe DYSTOPIA ohne Vorwarnung in rasanten wie melodischen Black Metal wechseln. Saxofon und Posaune, gespielt von Gitarrist Thomas Cochrane, agieren dezent, aber enorm stimmig mit den melodischen Gitarren von Rick Jongman und dem wendigen Drumming von Cees De Wit. Ein ruhiger, fast schwebender Mittelteil stellt die Bedeutung der Bläser besonders in den Vordergrund und erzeugt eine feine Melancholie, bevor die Band wieder in atmosphärisch dichten Black Metal übergeht. Die großen Klangwände wirken dabei zu keiner Zeit überladen und werden durch ein passendes Solo zusätzlich aufgewertet – auch wenn mancher kompositorischer Übergang etwas weicher sein könnte.
Hatte sich Sänger und Gitarrist Dennis Onsia beim Opener stimmlich noch relativ stark am Hardcore und Modern Metal orientiert, so geht er auf „De Ultieme Roeping“ gemeinsam mit der Musik einen deutlich konventionelleren Weg. Die zunehmende Düsternis in den Gitarren-Arrangements fällt hier sofort positiv auf, da der Kontrast zur zuvor offeneren Atmosphäre sehr schlüssig wirkt. Düsteres Riffing, rasende Drums und keifender Gesang kollidieren stilvoll mit postigen Spitzen. Viel Epik – vor allem durch den Einsatz der Bläser und sogar Chöre – weben DYSTOPIA im Verlauf des Albumclosers in ihre Arrangements. Irgendwo zwischen Tristesse, Wut und dezenter Hoffnung erschaffen die Holländer eine mächtige Klangkulisse, die alle Trademarks des Black Metal auffährt und dabei weder an Eingängigkeit noch an technischer Raffinesse spart.
DYSTOPIA sind eine echte Überraschung. Das Quartett hat mit seinen zwei neuen Stücken ein Maximum an Abwechslung, emotionaler Offenheit und kompositorischer Komplexität vorgelegt. Dass der eine oder andere Moment auf „De Verboden Diepte II: De Weg Van De Meeste Weerstand“ stellenweise etwas willkürlich wirkt, ist gut zu verschmerzen, weil die Band mit jedem Abschnitt ihrer Songs auf große und kleine Höhepunkte hinarbeitet. Das macht die neue Platte zwar zu einer kleinen Geduldsprobe – Langeweile kommt dabei jedoch zu keiner Sekunde auf.
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Wertung: 8 / 10


