CD-Review: Earth And Pillars - Earth II

Besetzung

Z – Gesang, Gitarre, Keyboard
I – Bass
F – Drumcomputer
Bestia – Schlagzeug

Tracklist

01. Becoming
02. Falling
03. Ascending
04. Howling


Im Jahr 2014 legten die italienischen Atmospheric-Black-Metaller EARTH AND PILLARS mit „Earth I“ ihr erstes Album vor. Dem kurzen, aber prägnanten Titel konnte man bereits entnehmen, dass die Band darauf eine naturbezogene Thematik verfolgte und darüber hinaus schon damals plante, früher oder später an das Konzept der Platte anzuschließen. Fünf Jahre und zwei Alben danach steht mit „Earth II“ nunmehr tatsächlich die Fortsetzung ins Haus, welche abermals vier Tracks zu einer Gesamtlaufzeit von etwa einer Stunde beinhaltet und in lyrischer Hinsicht der Naturmystik frönt. Im Gegensatz zu dem ersten Teil setzen EARTH AND PILLARS hier jedoch anstelle eines Drumcomputers ein richtiges Schlagzeug ein und konzentrieren sich vermehrt auf Akustikgitarre und Keyboard.

Dass EARTH AND PILLARS hier nicht einfach bloß ein kompositorisches Remake des Debüts als konzeptionellen Nachfolger desselben verkaufen, ist durchaus löblich. Tatsächlich kann man sich beim Hören der vier Stücke, die jeweils zwischen zwölf und achtzehneinhalb Minuten lang sind, gut vorstellen, dass sie allesamt um auf der Akustikgitarre gespielte Arpeggios herum aufgebaut wurden. Ebenjene schweben das Album hindurch beständig über den ansonsten doch recht wuchtigen Tracks und geben ihnen auf diese Weise einen geheimnisvollen, fast schon unantastbaren Charakter. Auch die bereits erwähnten Keyboards sind auf „Earth II“ praktisch omnipräsent und tragen durchaus zur entrückten Grundstimmung der Musik bei. Siewerden jedoch derart monoton in Szene gesetzt, dass sich ihre Wirkung recht bald abnutzt – womit man bereits bei dem großen Versäumnis angekommen ist, das sich EARTH AND PILLARS auf ihrer vierten Platte zu Schulden kommen lassen.

Ausgedehnte Arrangements auf ein einziges musikalisches Motiv zu stützen, mag ein dem Atmospheric Black Metal immanentes Stilmittel sein, im konkreten Fall überschätzen die Italiener dessen Möglichkeiten jedoch maßlos. So hört man von den an sich nicht zu sparsam eingebundenen Distortion-Gitarren kaum mehr als ein konstantes, stumpfes Dröhnen und den oftmals minutenlang pausenlos im Blast-Beat-Modus bearbeiteten Drums fehlt es auf derart eklatante Weise an aufhorchen lassenden Umbrüchen, dass die Umstellung vom Drumcomputer auf ein echtes Schlagzeug de facto obsolet erscheint.

Um die unscharf abgemischten Screams ist es nicht besser bestellt, einprägsame Variationen des Gesangs gibt es schlichtweg nicht. Lediglich im abschließenden „Howling“ gehen EARTH AND PILLARS sowohl gesanglich als auch bezüglich des Gitarrenspiels zum Teil ein wenig griffiger zu Werke. Bis zu diesem schwachen Lichtblick hat man das Interesse an den eintönigen, beliebig in die Länge gezogenen und rudimentär produzierten Songs jedoch schon längst verloren.

Grundsätzlich hätten EARTH AND PILLARS aus ihrer Idee, die Akustikgitarre ins Zentrum des konzeptionellen Nachfolgers von „Earth I“ zu stellen, einiges herausholen können. Für ein paar Minuten geben die sanft über die rohe Black-Metal-Klangmauer gelegten Zupftöne genug her, um über den im Songwriting vorherrschenden Mangel an Substanz hinwegsehen zu lassen, und es gibt im Atmospheric Black Metal durchaus noch schlechter klingende Alben. Um die Musik eine volle Stunde lang tragen zu können, sind die Akustikgitarren allerdings bei weitem zu repetitiv. Folglich haben EARTH AND PILLARS mit „Earth II“ kaum mehr als einen groben Entwurf einer potentiell spannenden, künstlerischen Eingebung kreiert, der vor seiner Veröffentlichung noch einiges an Überarbeitung bedurft hätte.

Bewertung: 4 / 10

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