Eight Bells - Legacy Of Ruin Cover

Review Eight Bells – Legacy Of Ruin

  • Label: Prophecy
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Doom Metal

Mit von einem Trio kreiertem, experimentellem Doom Metal hat man im Hause Prophecy in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht. Da erscheint es naheliegend, dass das deutsche Label nach Völur mit EIGHT BELLS eine weitere Band unter Vertrag genommen hat, auf die diese Beschreibung passt. Zwei Alben hat das Dreigespann aus Portland zuvor bereits veröffentlicht, sechs Jahre nach „Landless“ (2016) folgt mit „Legacy Of Ruin“ eine Platte, die Großes verheißt: Dass EIGHT BELLS neben Gastmusiker*innen für Gesang, Keyboard und Geige Billy Anderson (Amenra, Bell Witch, Leviathan, Swans) als Tontechniker und Produzent hinzugezogen haben, schindet vorab ebenso viel Eindruck wie das malerische Artwork des Albums.

Auch mit ihren diversen künstlerischen Vorbildern, auf die EIGHT BELLS sich berufen und die von Genesis, Aman Düül II, Popol Vuh, Magma, Rush, Brian Eno und Steve Reich bis hin zu Enslaved, Ulver, Death, Yob und Emperor reichen, kann die Band sich der Vorschusslorbeeren so manchen Musikconnaisseurs sicher sein. Gute Musik zu mögen ist jedoch nicht gleichbedeutend damit, gute Musik zu machen – eine eigentlich banale Erkenntnis, die „Legacy Of Ruin“ auf enttäuschende Weise belegt.

Im Gegensatz zu ihren Inspirationsquellen scheinen EIGHT BELLS ihre Ideen nicht ganz mit ihren technischen Fähigkeiten in Einklang bringen zu können. Sowohl hinsichtlich Songwriting als auch Performance wirken die aus ausgedehnten, bedrückenden Clean-Gitarren-Passagen, trostlosen Doom-Leads und brachialen Riffs und Drums zusammengesetzten Songs oft arg grobschlächtig. Mal sind es spielerische Patzer, mal kompositorische Fehlgriffe wie die stumpf abgehackten Gitarren in „Torpid Dreamer“ und manchmal auch ziellos mäandernde Abschnitte wie die ersten paar Minuten von „The Crone“, die den Stücken zum Verhängnis werden.

Den vielleicht beträchtlichsten Anteil der Schuld an der Misere, die das Album heimsucht, tragen allerdings die Vocals. Frontfrau Melynda Jackson und Bassist Matt Solis, die im Zuge der Platte meist parallel dieselben Parts singen, werfen mit ihrer schiefen Darbietung die Vermutung auf, dass das Prädikat „experimentell“ hier mal wieder gezückt wurde, um zu kaschieren, dass jemand schlicht keinen geraden Ton von sich zu geben vermag. Einzig mit den extremen Screams und Growls, die „The Crone“ aus heiterem Himmel erschüttern, gelingt es EIGHT BELLS, ihre ansonsten schwächlich geraunte und melodisch ziellose Performance eine Weile vergessen zu machen.

„Legacy Of Ruin“ ist leider ein genau so ruinöses Werk, wie es sein Titel suggeriert. Anstatt dem Doom Metal durch Experimente neue Facetten zu entlocken, spielen EIGHT BELLS schlicht eine sehr rohe, verschrobene Form der Stilrichtung. Auch ohne revolutionäres Potential hätte die eine gute Dreiviertelstunde lange Platte mehr als nur solide werden können, hätte die Band bloß weiter an den Songs gefeilt. Der explosive Mittelteil von „The Crone“ sowie die schwebenden und doch massiven Post-Metal-Riffs im abschließenden „Premonition“ lassen erahnen, welches Potential in der ansonsten leider viel zu ungelenken und manchmal nicht so recht auf den Punkt kommenden Musik des Dreigespanns schlummert. Interessante Ideen sind letztlich eben nur die halbe Miete – sie wollen auch angemessen umgesetzt werden.

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Wertung: 4.5 / 10

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