ELEINE melden sich nach ihrem 2023 erschienenen Album „We Shall Remain“ zurück. Das schwedische Symphonic-Metal-Trio rund um Frontfrau Madeleine Liljestam präsentiert der Musikwelt nun ihre neue EP „We Stand United“.
Sofort anzumerken ist die Tracklist, denn nur zwei Stücke der fünf Titel umfassenden EP sind neu. Eins davon, „Towards The Fields“, ist zudem das Intro, auf dessen einminütige Einführung der titelgebende Song „We Stand United“ folgt. Die restlichen drei Titel sind zum einen die Liveversionen von „Never Forget“ und „We Are Legion“, wovon erstere bereits im Juni dieses Jahres herauskam, und zum anderen die Symphonic-Version von „Promise Of Apocalypse“, auch bereits erschienen. Im Hinblick auf die eher maue Ausbeute an neuem Material lohnt es sich, einen etwas genaueren Blick auf die beiden neuen Tracks zu werfen.
Schweres Dröhnen, leicht anschwellender Singsang und hallende Trommeln in der Ferne: Das einminütige Intro schafft zunächst eine düstere und dystopische Stimmung. Jedoch arbeiten ELEINE es nicht ausreichend aus, versuchen etwas zu erzählen und brechen nach nur einer Minute ohne adäquates Fadeout ab. Sie geben dem Intro nicht die Zeit, die es angesichts seiner eigenen Aufmachung bräuchte.
Der titelgebende Track „We Stand United“ beginnt jedoch wenig dystopisch mit schwerer Rhythmusgitarre, zu der sich Chor und Streicher gesellen dürfen. Ganz nach ELEIN‘schem Rezept werden sie für den Einsatz Liljestams wieder heruntergefahren. ELEINE mäandrieren zwischen Gitarre und marschierenden Drums, bis Orchestereinlage, Gitarre und Schlagzeug untereinander ihren Platz im Pre-Chorus ausdiskutieren dürfen, um in den Refrain überzuleiten. Dieser bietet einen sehr starken Ohrwurmcharakter und ist von dieser Warte aus gelungen, aber ansonsten passiert nichts Erwähnenswertes in „We Stand United“. Das ist schade, denn mit vergangenen Titeln wie „Where Your Rotting Corpse Lie (W.Y.R.C.L.)“ haben die Schweden bereits bewiesen, dass sie songwritingtechnisch etwas auf dem Kasten haben. Dieses Können kam aber angesichts einer Songstruktur, die stur und fast schon lustlos einem Schema-F von A-B-A-B-C-B hinterherläuft, nicht hervor.
Zudem wirkt der Mix sehr dumpf. Dieser Umstand wirkt sich nicht zum Vorteil ihrer Sängerin aus. Liljestam scheint ihren stimmlich komfortablen Ambitus kaum zu verlassen, bleibt meist im Bereich ihrer Bruststimme und es scheint, als wage sie kaum den Schritt in ihr Mischregister. Gerade ihre eigentlich schöne Stimmfarbe bräuchte weitaus mehr Kraft, um vernünftig mit den anderen Instrumenten zusammenarbeiten zu können – ein bekanntes Problem der Band. Dadurch fehlt es der Stimmfront leider vor allem an Dynamik, an Kraft und auch an Bedeutung. Diesem ausdruckslosen Schwebezustand beugen sich auch alle anderen Instrumente. Die Gitarre will beißen, kommt aber nicht über ein Bellen hinaus und alles an epischen Orchestereinlagen versinkt in der fast schon einfallslosen Aufmachung des Songs. ELEINE gewähren ihnen nicht die Zeit, sich vernünftig zu entfalten. Wäre hier ordentlich abgemischt worden, hätte man bestimmt noch etwas mehr Textur aus dem Song herausholen können, aber so geht der Titel in sich selbst unter. Alles an „We Stand United“ wirkt daher unfertig, gehetzt und fast schon ambitionslos. Schade.
Die restlichen drei Titel der EP sind für echte Fans vielleicht ein nettes Schmankerl, zumal „We Are Legion“ in seiner Liveversion bislang noch nicht erschienen ist, aber ELEINE hätten auch einfach eine Single um „We Stand United“ herausbringen und sich dadurch eine EP sparen können, die effektiv – ohne das Intro – nur einen neuen Song bietet.
Mit „We Stand United“ liegt eine Platte vor, die eher nach Veröffentlichungsdruck als nach künstlerischer Passion klingt. Sowohl das Intro als auch „We Stand United“ kamen mit viel Potenzial daher, doch der anwendbare musikalische Spielraum, den sie zur Genüge selbst angerissen haben, wurde nicht ausreichend genutzt. Ein bisschen Gitarre und ein bisschen Orchester machen eben noch keinen guten Symphonic Metal. Schade. Das können ELEINE besser.
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