CD-Review: Enepsigos - Wrath Of Wraths

Besetzung

V.I.T.H.R. – Gesang
Rituul – Gitarre, Bass
Thorns – Schlagzeug

Tracklist

01. Shields Of Faith
02. Confess
03. Seventh Seal
04. The Whore Is The Temple
05. Cups Of Anger
06. Water And Flesh


Was die Namensgebung ihrer Veröffentlichungen angeht, sind ENEPSIGOS nicht gerade die einfallsreichste Band unter der Sonne. Drei Jahre nach seinem Debüt „Plague Of Plagues“ bringt das norwegische Black-Metal-Trio, dessen Mitglieder unter anderem auch bei angesehenen Gruppen wie Blut Aus Nord, Darvaza und Nordjevel spielen, mit „Wrath Of Wraths“ sein zweites Album heraus. Doch wenn man schon ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen soll, dann gewiss auch ein Album nicht nach seinem Titel. In Bezug auf ihr Songwriting sind ENEPSIGOS, wie sich anhand ihrer zweiten Platte zeigt, keineswegs ideenlos – was allerdings nicht bedeutet, dass auf „Wrath Of Wraths“ alles glatt läuft.

Glatt klingt auf „Wrath Of Wraths“ jedenfalls überhaupt nichts – nicht die sich regelrecht durch die Gehörgänge beißenden Screams, nicht die diabolischen, dissonant kreischenden Gitarrenriffs, die zum Teil den abgründigen Wahnsinn von Nightbringer nachbilden („Cups Of Anger“), und auch nicht das brachiale Schlagzeugspiel. Mit altmodischem Lo-Fi-Rauschen haben ENEPSIGOS zwar nichts am Hut, von der Hochglanzproduktion moderner Mainstream-Black-Metal-Platten ist die rund eine Dreiviertelstunde lang laufende LP mit ihrem krachenden Sound allerdings ebenso meilenweit entfernt. Im Kontext der von einem Hass biblischen Ausmaßes geradezu zerfressenen Musik ist ein entsprechend unsanfter Klang natürlich gewollt.

Auch unter diesen Umständen kommt es den Songs von ENEPSIGOS jedoch ganz und gar nicht zugute, dass die vielfach eher schwerfälligen Rhythmusgitarren maßlos in den Vordergrund gemischt wurden. Einem ziellos durch den Raum schwirrenden Insekt gleich ziehen die eigentlich als Begleitung gedachten, dröhnenden Riffs pausenlos die Aufmerksamkeit auf sich und lenken damit leider viel zu sehr davon ab, dass „Wrath Of Wraths“ an sich durchaus Spannendes zu bieten hat.

So warten ENEPSIGOS etwa auf „The Whore Is The Temple“ mit beeindruckend verhängnisvollen Tremolo-Melodien auf und stellen ihrer ansonsten weitgehend stilgetreuen Black-Metal-Instrumentierung auf „Cups Of Anger“ für die Dauer eines kurzen Breaks sakrale Chöre und tragischen, opernhaften Gesang gegenüber. Die Momente, in denen ENEPSIGOS die produktionstechnischen Schwächen des Albums durch die bloße Stärke ihres Songmaterials überwinden können, sind allerdings enttäuschend rar gesät, weshalb von einigen Passagen und sogar ganzen Tracks nichts als hässliches Getöse hängen bleibt.

Obgleich ENEPSIGOS den extremsten Black-Metal-Bands wie etwa Nightbringer, Svartidauði und Deathspell Omega hiermit keine Konkurrenz machen, so wird ihr zweites Album doch zumindest seinem eigenen Titel gerecht. „Wrath Of Wraths“ trieft geradezu vor kochend heißer Wut und übertrifft mit seiner schieren Wucht immerhin doch den einen oder anderen artverwandten Release aus dem Underground. Hätten ENEPSIGOS ihren unheiligen Zorn gezielter kanalisiert, wäre dabei gewiss ein bemerkenswertes Exemplar finsterer Tonkunst herausgekommen. So wie es ist, wird „Wrath Of Wraths“ letzten Endes jedoch wohl nur wegen seines nervtötend surrenden Gitarrensounds in Erinnerung bleiben.

Bewertung: 5 / 10

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