CD-Review: Enisum - Moth's Illusion

Besetzung

Lys – Gesang, Gitarre
Epheliin – Gesang
Leynir – Bass
Dead Soul – Schlagzeug

Tracklist

01. Cotard
02. Anesthetized Emotions
03. Where Souls Dissolve
04. Afframont
05. Moth’s Illusion
06. Last Wolf
07. Ballad Of Musinè
08. Coldness
09. Petrichor
10. A Forest’s Refuge
11. Lost Again Without Your Pain
12. Burned Valley


Fünf vollumfängliche Alben haben die italienischen Atmospheric-Black-Metaller ENISUM seit ihrer Gründung im Jahr 2006 herausgebracht – keine schlechte Bilanz, wenn man berücksichtigt, dass die Band zwischendurch eine acht Jahre umfassende Pause eingelegt hat. Mit „Moth‘s Illusion“ legt die nach einem Berg in ihrer Heimatregion benannte Truppe ihre sechste Platte vor, ein ambitioniertes, über eine Stunde langes Album, das thematisch das Mysterium des Todes aufgreift. So weit, so vielversprechend, doch eine interessante Idee ist letztlich nur so gut wie ihre Umsetzung. Dass ebendiese Erkenntnis ENISUM in den Jahren ihres Bestehens offenbar immer noch nicht ereilt hat, wird ihnen auf „Moth‘s Illusion“ bedauerlicherweise zum Verhängnis.

Zu Beginn merkt man dem Album noch überhaupt nicht an, dass ENISUM in weiterer Folge bei der Realisierung ihrer Vision derart ins Straucheln geraten würden. „Cotard“ macht sich mit seinen unheimlichen Horror-Streichern durchaus gut als Intro und auch die kräftigen Screams, die niedergeschlagenen Gitarren und das wuchtige Schlagzeugspiel im darauffolgenden „Anesthetized Emotions“ geben anfangs noch keinen Anlass zur Skepsis. Schon bald verlieren die Gitarren jedoch zunehmend an Eleganz, immer öfter nimmt das stumpfe Gehämmer Überhand und spätestens als am Ende von „Where Souls Dissolve“ zum ersten Mal klarer Gesang ins Spiel kommt, bleibt einem nichts anderes übrig, als den positiven ersten Eindruck nochmal zu überdenken.

ENISUM hätten gut daran getan, es wie mit ihren ersten beiden Alben zu halten und gänzlich auf Vocals zu verzichten oder sich zumindest auf gutturalen Gesang zu konzentrieren. Während nämlich die etwas grobschlächtigen Growls zumindest mit ihrer rohen Durchschlagskraft punkten, stellen die schiefen Clean-Vocals den Hörer vor eine so harte Geduldsprobe, dass sie nicht selten von der an sich ganz passablen Musik ablenken. „Petrichor“ wird beispielsweise von einem wirklich gefühlvollen, beschwingten Clean-Part eingeleitet, der eine sanfte Melancholie ausstrahlt, bis Frontmann Lys erneut zu singen anfängt und damit die ganze Stimmung auf einen Schlag zunichte macht.

Neben dem jammervollen Titeltrack markiert das abschließende „Burned Valley“ den absoluten Tiefpunkt auf „Moth’s Illusion“. Der pathetische, an den Noten vorbeigeträllerte Frauengesang und die mit dem billigsten Keyboardsound nachgeahmten Bläser, die hier zum Einsatz kommen, kann man gut und gerne als Tortur bezeichnen. Als wäre der amateurhafte Gesang noch nicht genug, um den musikalisch oftmals gar nicht so üblen Songs von ENISUM ihren Reiz zu rauben, kommt man außerdem nicht umhin, einige Unstimmigkeiten in der Produktion auszumachen. So geht die Bassdrum im Soundgemisch zum Teil völlig unter („Last Wolf“), wohingegen sich die Hi-Hats manchmal zu penetrant in den Vordergrund drängen („Afframont“).

„Moth’s Illusion“ ist vor allen Dingen eine ausgesprochen frustrierende Angelegenheit. Jedes Mal, wenn ENISUM eine aufregende Idee hervorbringen – ein Beispiel hierfür wäre etwa der mysteriöse Auftakt von „Lost Again Without Your Pain“ – und man sich zu der Hoffnung hinreißen lässt, die Band würde nun endlich auf Kurs kommen, folgt stets irgendein Fehltritt, der den jeweiligen Track zur Gänze verdirbt. Zwischen den wenigen Nummern, die zumindest kurzzeitig für Spannung sorgen, gibt es viel zu viel überflüssiges Füllmaterial und sogar völlig misslungene Abschnitte. Von einer Band mit langjähriger Erfahrung und einer mehrere Alben umfassenden Diskographie sollte man wirklich mehr erwarten dürfen. Die größte Enttäuschung ist jedoch, dass man ENISUM sogar ganz klar anhört, dass sie es eigentlich besser könnten.

Bewertung: 4 / 10

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