CD-Review: Enslaved - Axioma Ethica Odini

September 2010

Besetzung

Grutle Kjellson - Gesang, Bass
Herbrand Larsen - Gesang, Keyboard
Ivar Björnson - Gitarre
Arve Isdal - Gitarre
Cato Bekkevold - Schlagzeug

Tracklist

01. Ethica Odini
02. Raidho
03. Waruun
04. The Beacon
05. Axioma
06. Giants
07. Singular
08. Night Sight
09. Lightening


Es gibt wohl keine Band, die den im Black Metal mittlerweile typischen Karriereverlauf bilderbuchhafter Station für Station vorgelebt hat als ENSLAVED: Von der grimmig/truen (Wikinger-)Band hin zum immer progressiveren Black Metal, um schließlich auch dem „Black“ leis Lebwohl zu sagen, um sich ganz dem „Progressiv“ zuzuwenden. Das galt zumindest bis „Vertebrae“: Mit ihrem neuen Album „Axioma Ethica Odini“ setzen ENSLAVED diese Entwicklung nicht mehr ganz so konsequent fort – aber nicht auf Kosten der Qualität.

Stutzig macht zunächst, dass das Album nicht (wie seine drei Vorgänger) gleich beim ersten Durchlauf zündet. Dem Anschein nach wenig spektakulär zieht das Album vorüber, ohne groß Eindruck zu schinden. Der Grund dafür ist nach einigen weiteren Durchläufen schnell ausgemacht: Während „Vertebrae“ sich das Wort „progressiv“ von der ersten Minute an auf alle zur Verfügung stehenden Fahnen geschrieben hatte, agieren ENSLEVED auf „Axioma Ethica Odini“ dahingehend subtiler: Zwar lassen die Norweger auch hier immer wieder progressive Elemente durchscheinen, begeistern mit einer perfekt eingebetteten und doch unerwarteten Cleangesangs-Passage oder verzaubern mit einer Ohrwurmmelodie; die Gesamtatmosphäre ist aber wieder deutlich harscher.

Von der leicht poppigen Attitüde von „Vertebrae“ ist kaum noch etwas zu spüren – und wenn, dann stets eingerahmt in relativ klassischem ENSLAVED-Black-Metal-Riffing: In diesen Passagen klingen ENSLAVED nicht immer spektakulär, sondern vor allem nach ENSLAVED. Das ist gleichermaßen Ansatzpunkt für Lob wie auch Kritik: Einerseits muss man vor jeder Band, die es schafft, ihren eigenen Stil so zu etablieren, dass man sie an jedem Riff erkennt, den Hut ziehen – andererseits birgt dies die Gefahr, sich zu wiederholen. Auch ENSLAVED umschiffen diese Klippe nicht, ohne zumindest eine kleine Schramme abzubekommen: Alles in allem hat man schon packendere ENSLAVED-Riffs gehört als auf „Axioma Ethica Odini“.

So isoliert darf man diesen Aspekt aber nicht betrachten, ist es doch immer das große Ganze, das zählt – zumal bei ENSLAVED davon auszugehen ist, dass dahinter eine Intention steht: Gerade weil viele Passagen nicht sonderlich spektakulär sind und über weite Strecken weniger passiert, als man das vom vollgepackten „Vertebrae“ gewohnt war, kommen die progressiveren Parts diesmal mehr zur Geltung. So entwickelt „Axioma Ethica Odini“ mit der Zeit einen eigenen Charme, der nicht zu unterschätzen ist: ENSLAVED klingen hier abgeklärter und „erwachsener“ denn je, ganz im Sinne des Sprichworts „Stille Wasser sind tief“.

Die Annahme, dass ENSLAVED ihre Entwicklung konsequent mit einem noch „softeren“ Album fortführen würden, erweist sich als falsch – stattdessen berechen die Norweger auf ihrem neuen Album auch für die härtere Gangart wieder die eine oder andere Lanze: „Axioma Ethica Odini“ ist zwar insgesamt nicht so düster wie „Isa“, nicht so groovig wie „Ruun“ und auch nicht so eingängig wie „Vertebrae“ – ist die raue Schale jedoch erst „durchgehört“, offenbart auch dieses Album einen nicht nur weichen, sondern auch sehr genießbaren Kern. Eun fader Beigeschmack bleibt trotzdem, hat man bei so manchem Riff doch das Gefühl, ENSLAVED stellen ihr Licht etwas zu sehr unter den Scheffel. Denn das sie auch anders können, haben die Norweger mittlerweile ja oft genug bewiesen.

Bewertung: 8.5 / 10

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