CD-Review: Evilfeast - Mysteries Of The Nocturnal Forest (Re-Release)

Besetzung

Grim Spirit – Gesang, Instrumente

Tracklist

01. Ode To A Rising Fullmoon (Intro)
02. Immerse Into Cold Mist
03. Thy Woods Are Sacred
04. Towards The Funeral Winternight Landscape
05. Solitude Apotheosis
06. Descending Winds Of Holocaust
07. The Black Heavens Open
08. Morbid Rejoice
09. Desolate Fields Left (Outro)


Darf man die Kunst und den Menschen, der sie erschafft, voneinander getrennt beurteilen oder ist es unabdingbar, beides stets im gemeinsamen Kontext zu betrachten? In kaum einem Genre ist diese Frage derart heiß diskutiert wie im Black Metal, stößt man hier doch bedauerlicherweise immer wieder auf Bands, die ihr mitunter erschütternd rechtsgerichtetes Gedankengut offen zur Schau stellen. Wie aber hat man sich in Bezug auf Künstler zu verhalten, die ihre fragwürdigen politischen Ansichten dezidiert aus ihrer Musik heraushalten? Auch Grim Spirit, der Mann hinter dem polnischen Black-Metal-Soloprojekt EVILFEAST, gehört – wie unserem letzten Interview entnommen werden kann – zu jenen Interpreten, deren Wirken man vor dem Hintergrund dieser Überlegungen kritisch begutachten sollte.

Jene Black-Metal-Fans, die sich damit arrangieren können, die Musik wertzuschätzen, ohne die Gesinnung ihres Schöpfers zu teilen, bekamen mit „Elegies Of The Stellar Wind“ zuletzt ein atemberaubendes Stück schwarzer Tonkunst geboten. Ein derart gelungenes Album ist freilich oftmals das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung, nur äußerst wenigen Bands gelingt ein solcher Coup bereits auf ihren Erstwerken. Dennoch veröffentlicht EVILFEAST sein Debüt „Mysteries Of The Nocturnal Forest“ vierzehn Jahre nach dem Original-Release ein weiteres Mal und gibt den Hörern damit die perfekte Gelegenheit für einen Direktvergleich.

Dieser fällt gar nicht mal übel aus: Der charakteristische, Keyboard-lastige Sound, den EVILFEAST in der Zwischenzeit zur Vollendung gebracht hat, existierte in seinen Grundzügen offensichtlich schon im Jahr 2004. Die ausgedehnten, bewusst kratzbürstig produzierten Black-Metal-Nummern sind praktisch durchgehend von mystischen, glasklaren Keyboard-Teppichen bedeckt, die rein klanglich bisweilen an Lustre denken lassen. Insbesondere die flinken Tastenklänge auf „The Black Heavens Open“ bestechen mit ihrer fantastischen Kombination aus Atmosphäre und Dynamik.

Ominöse Orgelarrangements finden sich hier genau so wie ätherische Sound-Sphären („Solitude Apotheosis“) und immer wieder baut EVILFEAST geheimnisvoll wispernde Effekte ein, welche die Stimmung einer nächtlichen Wanderung durch einen mondbeschienenen Wald aufkommen lassen – ganz wie vom Albumtitel in Aussicht gestellt. Dass EVILFEAST die besagten Soundeffekte an das Ende jedes einzelnen Tracks setzt, wirkt allerdings ein wenig gekünstelt und kompositorisch unbeholfen. Auch hinsichtlich der Tonqualität erreicht „Mysteries Of The Nocturnal Forest“ noch nicht ganz das Niveau der späteren Werke.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass EVILFEAST nicht zu den wenigen Projekten gehört, die ihren Zenit bereits mit ihrer ersten Veröffentlichung erreichen und danach nur noch schlechter werden. Auf „Mysteries Of The Nocturnal Forest“ fehlen zum Beispiel noch der erhabene Klargesang, die markanten Leadgitarren und die trotz aller Rohheit perfekt abgestimmte Produktion, die „Elegies Of The Stellar Wind“ zu einem Meisterwerk werden ließ. Streckenweise erscheinen die Songs des Debüts sogar noch ein wenig beliebig. Nichtsdestotrotz ist das künstlerische Potential von EVILFEAST bereits hier nicht mehr zu überhören, sodass die Platte für sich betrachtet einen durchaus starken Auftakt darstellt.

Bewertung: 7 / 10

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