Review Faun – Live und Acoustic in Berlin

Hinweis: Die CD “Live und Acoustic in Berlin” wird nur in Kombination mit dem Studioalbum “Luna” verkauft. Eine ausführliche Kritik zu „Luna“ findet ihr hier.

FAUN machten auf ihrer „Luna“-Tour wirklich alles richtig: Mit unbändiger Spiellust zeigte die Band, dass man sie nicht auf ihre aktuelle Universal-Pop-Welle reduzieren sollte. So fanden sich auf der Setlist viele Stücke aus den älteren Veröffentlichungen, die auch teils zehnminütig ausphrasiert und ausgespielt wurden, und daneben nur wenige der poppigen Singles, die sich durch eingebaute Instrumentalpassagen auch viel besser in den Kontext der alten Stücke einfügen konnten. Kein Wunder also, dass eine CD mit einigen dieser Live-Versionen auch für FAUN selbst ein Anliegen war.

Ein Blick auf die Tracklist ernüchtert leider ein wenig: Nur zehn Songs mit knapp 40 Minuten Spielzeit haben es auf den Tonträger geschafft. Sieben davon stammen aus einer Live-Aufnahme des Konzerts in Berlin, zwei weitere Stücke sind die lediglich auf ESC-Spielzeitnorm getrimmten Beiträge zum Vorentscheid des Eurovision Song Contests. Das letzte Stück fällt ein wenig aus der Reihe: Ein Remix der Single „Walpurgisnacht“ hat sich auf das als „Live und Acoustic“ betitelte Album geschlichen.
Doch von vorn. Während mit „Hymne der Nacht“ ein Song das Album eröffnet, der zwar zu den Highlights auf „Luna“ zählt, aber sich live und akustisch kaum von der Studio-Version unterscheidet, bannen die FAUNe mit „Halling“ ein optimistisch-melancholisches Instrumentalstück auf die CD, das bisher so auf keinem der vorhergegangenen Alben zu finden war. Die Akustik-Version von „Hekate“ dreht das Stück zwar nicht komplett in eine neue Richtung, verwandelt es aber in eine eher sanft-verträumte Ballade. Und das auf „Luna“ nur in der Special Edition erhältliche „Era Escuro“ beweist in der instrumental entschlackten Akustik-Version nicht nur eindrucksvoll, wie die Essenz eines Stückes durch eine solche Reduzierung viel deutlicher zum Vorschein kommen kann, sondern auch, dass Katja live eine viel schönere Stimme hat, als die Abmischung eines Studios es vorgaukelt. Definitiv einer der Höhepunkte des Albums! Mit „Des Wassermanns Weib“, „Polska von Larsson“ und „König von Thule“ haben es aber auch ein paar Klassiker auf die Tracklist geschafft. Keines der drei unterscheidet sich (abgesehen von der reduzierten Instrumentation) groß von ihren abgemischten Studio-Versionen, sorgen aber für die nötige Abwechslung auf der CD – und seien wir ehrlich: Es ist einfach schön, diese Stücke mal wieder zu hören.
Dass „Hörst du die Trommeln“ und „Abschied“ in ihren gekürzten Versionen ebenfalls auf dem Album gelandet sind, ergibt aufgrund der ESC-Vorentscheid-Teilnahme absolut Sinn, fiel die TV-Ausstrahlung doch nur knapp hinter den Veröffentlichungstermin der „Live und Acoustic in Berlin“. „Hörst du die Trommeln“ wurde für den Eurovision Song Contest ein wenig ätherischer und die namensgebenden Trommeln etwas leiser abgemischt: eine gute Entscheidung! „Abschied“ dagegen (wer auch immer auf die Idee kam, dass das der Hit sein könnte, der Europa begeistert) wurde kaum verändert und schlicht gekürzt.
Die eigentliche Überraschung des Albums versteckt sich ganz am Ende: Völlig ohne Ankündigung findet sich hier ein „Walpurgisnacht“-Remix, der einen schlicht vom Hocker haut. Die mystische Alternativ-Version verweist die viel zu poppige Original (böse Zungen mögen behaupten „Universal“)-Version schon nach wenigen Sekunden in ihre Schranken und es beschleicht einen das Gefühl, dass man hier die „Walpurgisnacht“-Version hören kann, die FAUN eigentlich von Anfang an geplant hatten. Die elektronischen Klänge stören überhaupt nicht, sondern harmonieren wunderbar mit den folklorischen Instrumenten. Zusammen erschaffen sie die dem Original so fehlende Atmosphäre einer Nacht voller fantastischer Wesen. Wer noch einen Grund braucht, der für diese Version von „Luna“ spricht statt für die Special Edition mit den drei zusätzlichen Bonus-Tracks, hat ihn mit „Walpurgisnacht“ definitiv gefunden.

Alles in allem ist „Live und Acoustic in Berlin“ kein FAUN Must-Have, aber auch keine CD, die man als FAUN-Fan übergehen sollte. Ein paar mehr der auf der Tour gespielten Stücke wären schön gewesen, dafür ist das präsentierte Material toll aufgenommen und von hoher Qualität. Wem der Sound der FAUNe auf den letzten Alben sowieso zu vollmundig war, wird hier eher fündig, und kann seine Musiksammlung um einige schöne Variationen der FAUN-Stücke erweitern. Wer vor dem Kauf zwischen den verschiedenen „Luna“-Versionen schwankt, sollte definitiv zu dieser Neuveröffentlichung greifen. Wer „Luna“ schon besitzt, sollte zumindest in die alternativen Versionen von „Era Escuro“ und „Walpurgisnacht“ reinhören. Die lohnen vielleicht nicht den Doppel-Kauf, aber sicherlich den einen oder anderen Euro für den Kauf der MP3.

Keine Wertung

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