Review Ferris MC – Wahrscheinlich nie wieder vielleicht

  • Label: Arising Empire
  • Veröffentlicht: 2019
  • Spielart: Rock

Ende der 90er Jahre machte sich Sascha Reimann alias FERRIS MC als Teil der Hamburger Mongo Clikke einen Namen in der deutschen Rap-Szene, ehe er 2008 als Ferris Hilton Teil von Deichkind wurde. Bereits 2015 wandelte er wieder auf Solopfaden, bevor er der Gruppe 2018 vollständig den Rücken kehrte. Herausgekommen ist nun sein erstes Rock- und siebtes Solo-Album „Wahrscheinlich nie wieder vielleicht“, welches er gemeinsam mit Madsen einspielte. Midlife Crisis oder gelungener Schachzug? Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen.

Rau und kantig war Reimanns Stimme schon immer, überraschend ist jedoch wie erdig und zum Rocksound passend er seine Stimme bereits beim Opener „Allianz der Außenseiter“ präsentiert. Von seinem Outlaw-Image hat er sich aber scheinbar nicht komplett gelöst, wie die Lyrics beweisen. Seine musikalischen Mitstreiter Madsen bilden ihm ein druckvolles und klares Konstrukt, dass etwas härter als ihre üblichen Outputs ausfällt. Neben dem standardisierten Deutschrock weist „Wahrscheinlich nie wieder vielleicht“ aber auch Einflüsse aus anderen Genres auf, was sich ebenfalls inhaltlich niederschlägt.

Es gibt Punk in einer Light-Version („Für Deutschland reicht’s“), Thrash-Metal-Elemente und kurzweilige Screams („Shitstorm“) oder balladeskes Liedgut mit Blues-Rock-Solo („Der Teufel tanzt weiter“). Der einzige Titel mit Rap-Elementen ist „Niemandsland“, der an Such A Surges „Chaos“ erinnert, bei dem FERRIS MC im Jahr 2000 bereits mitwirkte. Und das abschließende „Fake News“ lässt mit seinen Hardcore-artigen Riffs Erinnerungen an Body Count wach werden. An Ohrwurm-Potential mangelt es den meisten der neuen Songs nicht, was der Live-Umsetzung sicherlich zuträglich sein wird.

Besonders tiefgründig ist „Wahrscheinlich nie wieder vielleicht“ nicht, dafür aber mit greifbaren Alltagsthemen bestückt und vor allem ein resümierendes und persönliches Album eines Mittvierzigers geworden. Als besonderer Glücksgriff zeigt sich die Zusammenarbeit mit Madsen, die mit ihrer Erfahrung aus einem guten Rockalbum ein spannendes Werk mit diversen Einflüssen machen. Überraschend ist die stimmliche Leistung von FERRIS MC in dieser Variabilität allemal und erinnert am ehesten an das andere rockige Nordlicht Erik Cohen. Anhand der 14 Songs wäre es wünschenswert, dass sich Reimann weiterhin im Deutschrock-Sektor bewegen wird.

Wertung: 7 / 10

Publiziert am von Christian Denner

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