CD-Review: Feuerschwanz - 10 Jahre Feuerschwanz (DVD)

Besetzung

Hauptmann Feuerschwanz – Laute, Gesang
Prinz Richard Hodenherz - Flöten, Schalmeien, Dudelsack, Gesang
Johanna von der Vögelweide - Geige
Sir Lanzeflott – Percussion, Gesang
Felix Taugenix – Bass, Gesang
Hans der Aufrechte – E-Gitarre

Tracklist

01. Mach Dich Frei
02. Wir lieben Dudelsack
03. Johanna
04. Der Geizhals
05. Ich will tanzen
06. Hurra, Hurra, die Pest ist da
07. Die Spielmannsträne
08. Das Mittelalter
09. Meister der Folter
10. Zuckerbrot und Peitsche
11. Herren der Winde
12. Wunsch ist Wunsch
13. Feuerkantate
14. Met & Miezen
15. Das niemals endende Gelage
16. Am Feuer
17. Metvernichter
18. Latte
19. Auf’s Leben
20. Metnotstand im Märchenland
21. Habe Mut


Wer vor zehn Jahren behauptet hätte, dass FEUERSCHWANZ auch 2015 noch ihr Unwesen in mittelalterlich-folkigen Gefilden treiben, der wäre wohl ebenso belächelt worden wie die Anfänge des Projekts selbst. Nach einigen Personalwechseln zu Beginn hat sich besonders in den letzten Jahren ein fixer Haufen herauskristallisiert, der regelmäßig die großen Festivals und mittelgroßen Hallen unsicher macht. Zum Zehnjährigen gönnen sich Hauptmann, Prinz und Co. nun ihre erste Live-DVD. Diese Kombination aus Musik und den dazugehörigen Bildern zeigt, wieso die Band trotz aller Unkenrufe so lange durchgehalten hat – und vermutlich noch sehr viel länger präsent bleiben wird.

Zur Feier des Tages ist das E-Werk in Erlangen ausverkauft und FEUERSCHWANZ fahren nebst einigen Gästen und Einlagen alles auf, was sie neben der eigentlichen Musik noch zu bieten haben, unter anderem alle drei Miezen und Gevatter Tod. Bereits der zweite Song „Wir lieben Dudelsack“ beweist offenkundig, dass es nicht immer die anspruchsvollen Nummern sind, die maßgeblich zum Erfolg der Combo beitragen. Einige werden nun sagen: Scheißegal, die Menge feiert! Und das tut sie, später unter anderem mit dem Geizhals, der an diesem Abend erst großzügig seine Goldtaler in der Menge verteilt und dabei beinahe aus dem Schlauchboot kippt. Zu allem Überfluss wird ihm im Eifer des Gefechts sogar das Mikro verwehrt, nachdem er Prinz Hodenherz auf der Bühne einen Plüschdrachen überreicht. Genau wie die überkostümierte Fee zu „Wunsch ist Wunsch“ sind diese spontanen (und auch die geplanten) Ereignisse – mit den passenden Bildern untermalt – einerseits sympathisch und andererseits zumindest beim ersten Mal unterhaltsam.

An der musikalischen Front liefert Vito C. von J.B.O. als Gastsänger an der Seite von Prinz Hodi bei „Die Spielmannsträne“ wohl mit den wertvollsten Beitrag, während Schandmaul-Sänger Thomas nach einer Dekade (und einer kurzen Rache) zum ersten Mal mit Feuerschwanz als Unterstützung das originale „Herren der Winde“ anstimmt. Im Rahmen der „Feuerkantate“ wagt Fiddler’s Green-Geiger Tobi wiederum ein Revival seiner musikalischen Vergangenheit, als er unter dem Pseudonym Walther von der Vögelweide bei FEUERSCHWANZ diesen Song einspielte. Dass jene „Met & Miezen“-Zeit noch längst nicht passé ist, beweist die gleichnamige Nummer mit klarem Fokus auf eben jene beiden Aspekte, die den ganzen Abend über nie zu kurz kommen. „Das niemals endende Gelage“ bringt die Quintessenz auf den Punkt. Dass die Süddeutschen auch anders können und nicht zwangsläufig die Partytauglichkeit der Dreh- und Angelpunkt ihrer Musik sein muss, zeigt neben dem bereits erwähnten „Geizhals“ wiederum „Am Feuer“ oder manch Ausflug in die frühen Bandjahre.

Auf die technische Essenz reduziert liefern FEUERSCHWANZ mit ihrer ersten DVD überwiegend gehobenen Durchschnitt. Wirklich wichtig scheint dies nicht zu sein – Gott bewahre nur vor dem buchstäblichen „Metnotstand im Märchenland“. Nüchtern betrachtet ist der Fokus auf Party, Alkohol und hemmungslose Exzesse besonders für bestimmte Publikumskreise nicht ganz risikolos. Im folkigen Feierbereich gibt es derzeit allerdings kaum bessere Alternativen. Das beweist diese Veröffentlichung mehr als alle ihre Vorgänger, da besonders diese Form der mittelalterlich-inspirierten Partymusik vom Live-Erlebnis und der dazugehörigen Show lebt, das einen manch fadenscheinigen Text und falschen Ton verzeihen lässt.

 

 

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