Review Florian Grey – Beautiful Nightmares

FLORIAN GREY legen mit ihrem vierten Studioalbum „Beautiful Nightmares“ eine düstere Hommage an die Nacht vor, inspiriert von Gruselgeschichten aus Literatur und Leben. Ob die neu formierte Band damit in dunklen Höhen schwebt oder doch eher in belanglosem Nebel versinkt, zeigt sich beim genaueren Hinhören recht schnell.

Schon beim ersten Durchlauf fällt auf: „Beautiful Nightmares“ klingt angenehm vertraut – und gleichzeitig aus der Zeit gefallen. Die Gothic-Rock-Wurzeln sind unverkennbar, doch vieles erinnert stark an die Hochphase des Genres in den frühen 2000ern. Wer damals mit HIM, THE 69 EYES oder ähnlichen Bands sozialisiert wurde, kann hier einige Déjà-vus erleben. Songs wie „Love & Sulphur“, „Dead By Dawn“ oder „Forever“ lassen den Geist von HIMs „Razorblade Romance“ aufblitzen, doch FLORIAN GREY bleiben dabei meist zu harmlos, um dem Vergleich mit den Finnen wirklich standzuhalten. Auch „If Love Could Kill“ weckt Erinnerungen an HIMs düster-romantische Melodien, ohne deren Ab- oder auch Tiefgründigkeit zu erreichen.

Mehr noch: Das gesamte Album reiht sich nahtlos in den aktuellen Gothic-Pop-Dunstkreis ein, der sich auch durch die Studioarbeit von Chris Harms (LORD OF THE LOST) speist, selbst wenn dieser hier offiziell nicht beteiligt gewesen ist. Dennoch bleibt nicht nur der Sound, sondern auch das Songwriting oft zu beliebig. Ob FLORIAN GREY, VLAD IN TEARS oder SCARLET DORN – all das klingt einfach viel zu ähnlich und auch belanglos, um sich nachhaltig abzusetzen. Zu den besseren Momenten auf „Beautiful Nightmares“ gehört die Power-Ballade „In My Blood“, die mit nur knapp drei Minuten erstaunlich kompakt bleibt und musikalisch an „My Sacrifice“ von CREED erinnert.

Der Titelsong „A Beautiful Nightmare“ hingegen enttäuscht textlich mit platten Reimen, auch wenn der Refrain eingängig ist. Etwas mehr Profil zeigt „Ghost Serenade“, das mit tanzbarem Beat als Kontrast zum monotonen Gesang zumindest kurzfristig die Aufmerksamkeit fesselt. Dass das Album schließlich mit einem Cover von PUDDLE OF MUDDs „Blurry“ endet, dürfte die Meinungen endgültig spalten: Entweder man feiert die melancholische Neuinterpretation oder schüttelt irritiert den Kopf. Klar ist nur: Der Song stammt hörbar nicht aus der eigenen Feder.

„Beautiful Nightmares“ ist solide produziert und angenehm hörbar, bleibt aber weitgehend oberflächlich. Trotz einiger gelungener Ansätze fehlt es FLORIAN GREY auf ihrem aktuellen Album an Ecken und Kanten, an echter Tiefe und Wiedererkennungswert. Wer nostalgisch in den melodischen Gothic-Rock der frühen 2000er eintauchen möchte, wird hier sicher einige nette Momente finden. Für den großen Wurf reicht es aber nicht. Alles wirkt zu glatt, zu austauschbar – und geht letztlich spurlos vorbei.

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Wertung: 4.5 / 10

Sigi Maier

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