Die atmosphärische Auslegung des Black Metal hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Bands wie BATUSHKA, SHAMMASH oder UADA haben maßgeblich dazu beigetragen – und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Das liegt auch daran, dass die Szene äußerst produktiv ist. Gerade einmal ein Jahr nach ihrer Split mit VETTER legen die deutschen FYRNASK bereits ihr viertes Album vor.
Was man „Íosir“ sofort anmerkt, ist seine im Vergleich zu „VII – Kenoma“ von deutlich direktere Ausrichtung. Ein Dröhnen und Rauschen eröffnet den Opener „Hliðvera“, bevor FYRNASK unvermittelt losprügeln und dabei stellenweise sogar ein wenig an PANZERFAUST erinnern. Besonders deutlich wird das etwa auf „Loginn Ómyndaði“. Die Atmosphäre bleibt dabei selbstverständlich erhalten, entsteht sie doch vor allem durch das dichte Riffing von Fyrd und Exord. Was FYRNASK nach wie vor auszeichnet, ist jedoch die tiefgreifende Düsternis, die auf abwechslungsreiches Songwriting trifft.
Das wendige Drumming von Alghol geht mit Gitarren, Bass und dem gut artikulierten Gesang eine drängende Symbiose ein. Düstere Ambientflächen geben einem Song wie „Í Munnlausri Dýrð“ genug Raum für einen intensiven Einstieg, bevor FYRNASK in tiefschwarze Raserei ausbrechen, ohne dabei an Kontinuität oder Spannung zu verlieren. Chorale Gesänge natürlich inklusive.
Schön ist auch, dass die Band durchgehend auf eine ausgewogene Dynamik achtet. Anstatt rücksichtslos durchzuholzen, gibt das Trio seinen Songs stets genügend Zeit, sich zu entfalten. Melodien, wie sie auf „Glóð Svíður“ zu hören sind, wollen ausgespielt werden, bevor sie sich in großen Riffwänden zu maximaler Bedrohlichkeit auftürmen. Als wäre das nicht schon intensiv genug, verleihen die unangenehmen Ambientflächen dem Ganzen den letzten Schliff und sorgen für ein Maximum an Stimmung.
Auf dem finalen „Hjól Endurfæðingar“ holen FYRNASK dann noch einmal zu einem konventionellen Rundumschlag im besten Sinne aus. Dieses Stück hätte ohne Weiteres auch von BEHEMOTH stammen können. Ob rasant, schleppend oder atmosphärisch düster – dieser kurzweilige Schlusspfiff bündelt auf etwas mehr als drei Minuten noch einmal jedes Trademark, das FYRNASK etabliert haben, und beendet „Íosir“ zwar relativ abrupt, aber absolut passend.
„Íosir“ ist eine Platte, die innerhalb ihres Genres hervorragend funktioniert. Der einerseits raue, andererseits sehr flächige Sound und die größtenteils spannenden Kompositionen halten den FYRNASK’schen Standard nicht nur konsequent hoch, sondern bringen Atmosphäre und Aggression stimmig zusammen. Die Band schlägt 2026 die Brücke zwischen dem ätherischen „VII – Kenoma“ und der Düsternis, die bereits 2025 auf der „Nattverk“-Split mit VETTER im Fokus stand. Dass die neuen Stücke insgesamt kompakter ausgefallen sind, erweist sich dabei als zusätzlicher Vorteil. Zeit sollte man für „Íosir“ dennoch mitbringen. Wer dazu bereit ist, darf sich auf eine intensive Reise in schwarzmetallische Abgründe freuen.
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Wertung: 8 / 10


