CD-Review: Ghost - Meliora

  • Veröffentlichung: 2015
  • Label: Spinefarm
  • Spielart: Rock

August 2015

Besetzung

Papa Emeritus III – Gesang
Nameless Ghoul – Gitarre
Nameless Ghoul – Gitarre
Nameless Ghoul – Bass
Nameless Ghoul – Schlagzeug
Nameless Ghoul – Keyboard

Tracklist

01. Spirit
02. From The Pinnacle To The Pit
03. Cirice
04. Spöksonat
05. He Is
06. Mummy Dust
07. Majesty
08. Devil Church
09. Absolution
10. Deus In Absentia


GHOST sind einfach ein Phänomen. Mit ihrem Debüt „Opus Eponymus“ gelang ihnen ein großartiges Album, das die Band an die Speerspitze des okkulten Retro Rock katapultierte. Hilfreich war dabei sicher auch der Umstand, dass die Truppe stets maskiert auftritt und die beteiligten Musiker ihre Identitäten nach wie vor geheim halten konnten. Um das Zweitwerk „Infesstissumam“ gab es dann einen solchen Medienzirkus, dass sich so manche fragte, ob es eigentlich noch um die Musik ging, auch wenn diese erneut grandios war. Nun steht unter dem Titel „Meliora“ das dritte GHOST-Album in den Startlöchern um weiter Jünger für den Gehörnten zu gewinnen.

„Spirit“ eröffnet die Scheibe mit einem spacig-mystischem Intro, das auch in alten Horrorfilmen seinen Platz gefunden hätte. Anschließen rocken GHOST lässig und geradlinig, ohne die bandtypischen Chöre und starken Melodien im Chorus vermissen zu lassen. Auffällig ist jedoch, dass die Band ihre poppige Seite stärker unterdrückt, und vermehrt mit mächtigen Riffs und etwas komplexeren Songstrukturen arbeitet. Dabei bleiben die maskierten Herren sich aber trotzdem treu – „Meliora“ ist bei Leibe keine Prog-Platte. Vielmehr haben GHOST ihre Inspiration diesmal statt bei Blue Öyster Cult oder Alice Cooper bei Led Zeppelin und Deep Purple gefunden.
Bestes Beispiel für diesen leichten stilistischen Wandel ist „Majesty“, das mit einem rockigen Riff beginnt, welches in bester Deep-Purple-Manier vom Keyboard kontrapunktiert wird. Interessanterweise verzichtete man in diesem Song zudem fast komplett auf den großen Refrain mit mächtigen Melodiebögen und Chören, sondern hält sich zurück und den Song einfach.
„Einfach“ könnte man auch „Fom The Pinnacle To The Pit“ nennen. Einfach genial. Mit dem lässigsten Bassintro diesseits von Motörhead beginnend, ist der Track in den Strophen recht düster gehalten, nur um im Refrain wunderschön zu erblühen und sich als eines der Highlights auf „Meliora“ zu erweisen. Dabei stellt sich die Dynamik des Schlagzeugs, speziell im Einsatz der Becken, als Schlüssel zum Erfolg heraus. Denn wo es in den Strophen noch mächtig Metall-Einsatz gibt, kommen diese Elemente im Refrain nur noch akzentuierend zum Einsatz, was diesen Parts ein sehr erhabenes Feeling verschafft.

„Circe“ dürfte wohl einer der meistgehörten Songs der Platte sein, wurde er doch als erster ausgekoppelt und bot somit einen ersten Vorgeschmack auf den veränderten GHOST –Stil. Geradlinig rockend, klingt der Song wie ein Versprechen an all die verwirrten jungen Seelen, die nach Orientierung in ihrem Leben suchen und diese von GHOST, stellvertretend für den Teufel persönlich, erhalten. Sinnvoll war es in diesem Zusammenhang, das als Intro konzipierte „Devil Church“ als Instrumental loszulösen und vor das stake „Absolution“ zu setzen. Denn dieser Song vermittelt dem Hörer genau das: Die Vergebung. Bei GHOST ist man angekommen, der Welt entflohen und endlich nur man selbst, befreit von den Zwängen der Gesellschaft und den Normen des Mainstream. Auch wenn die Truppe ausgiebig mit diesem flirtet.
Apropos Flirt mit dem Mainstream: „He Is“, zu dessen Tönen Sänger Papa Emeritus III vorgestellt wurde, ist der archetypische GHOST-Song der Platte. Zuckersüß und Shakespeare zitierend ist der Track die wohl schönste Ode, die Satan je geschrieben wurde. Mit seinen himmelstrebenden Pianoläufen und der passenden Gesangslinie könnte man sich den Song wunderbar in jeder Kirche vorstellen, vorgetragen von kleinen Kindern, während die Eltern voller Stolz auf den Nachwusch blicken. Nur wird hier eben wieder dem Biest mit den vielen Namen gehuldigt. Aber gerade dies Umkehrung der Vorzeichen macht diesen Song und „Meliora“ insgesamt so spannend und mitreißend.

Was bleibt zurück, nach gut 40 Minuten? Zum einen das Gefühl, gerade etwas Wunderbares miterlebt zu haben, das Gefühl geborgen zu sein. Zum anderen die Erkenntnis, dass die leichte Veränderung des Bandsounds „Meliora“ zu einer Platte macht, die nicht so direkt zündet, wie ihre beiden Vorgänger, den Hörer aber trotzdem nicht mehr loslässt und sich bei mehrfachem hören schließlich in all ihrer Pracht entfaltet. GHOST haben erneut ein großartiges Album vorgelegt, das sicher auch in vielen Listen am Ende des Jahres sehr weit oben wieder auftauchen wird.

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Bewertung: 9.5 / 10

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