Review Glasya – Fear

Man muss es sagen, wie es ist – der Metal hat ein Übersättigungsproblem. In nahezu jedem Subgenre gibt es schlicht zu viel von allem, als dass einzelne Acts innerhalb der Masse an Stellvertreter-Bands noch ein echtes Alleinstellungsmerkmal entwickeln könnten. Eines dieser überlaufenen Felder ist der Symphonic Metal. DELAIN, ELEINE und eine Vielzahl weiterer Bands versuchen, die Flamme weiterzutragen, die NIGHTWISH – oder besser gesagt, der störrische Tuomas Holopainen – noch gar nicht aus der Hand gegeben haben. Diese Idee bildet auch das kreative Fundament für GLASYA aus Portugal. Mit „Fear“ legt die Band um Frontfrau Eduarda Soeiro nun ihr drittes Album vor.

Dass GLASYA beim titelgebenden Opener „Fear“ gleich mit einem hochkarätigen Vocal-Feature aufwarten, mag zunächst neugierig machen. Fernando Ribeiro, Sänger der Dark-Metal-Veteranen MOONSPELL, setzt tatsächlich einige notwendige Akzente. Denn abseits davon legt „Fear“ schon in den ersten Sekunden die Rezeptur aller folgenden Songs offen: Stampfendes Riffing und geradliniges Drumming treffen auf die überaus durchschnittliche Stimme von Eduarda sowie auf ein Plastikorchester, das zwar für Opulenz sorgen möchte, durch seine Beliebigkeit aber eher an den Nerven zerrt.

Was man GLASYA jedoch keinesfalls absprechen kann: In dem, was sie tun, steckt stellenweise durchaus Dynamik. So bleibt ein Refrain der Marke „Hunt For The Haunted“ gut hängen – auch wenn alles andere (nebst den obligatorischen, aber dünnen Growls) wirkt wie ein Abziehbild vom Abziehbild. Die druckvollen Riffs und das kraftvolle Schlagzeug von „Debris“ erzeugen zwar ordentlich Wucht, doch sobald die künstlich wirkende Orchestrierung und Eduardas Stimme einsetzen, möchte man am liebsten rufen: „Leute! Lasst euch doch bitte etwas einfallen!“, bevor man sich resigniert fragt, warum man noch zuhört.

Eigentlich ist das schade, denn GLASYA wissen durchaus, was sie tun. Das schmissige Gitarrensolo im Titeltrack, die überraschenden Screams in „Rising Wildfire“ oder der eingängige Refrain von „Glimpse Of Memory“ – umgesetzt mit Michele Guaitoli (VISIONS OF ATLANTIS) – zeigen, dass die Band ihr Genre verstanden hat. Leider gelingt es ihr dabei weder über den gängigen Standard hinauszuwachsen noch sich selbst weiterzuentwickeln. Im Grunde könnte man ab der Hälfte von „Fear“ einen Schlussstrich ziehen – nicht etwa, weil das Gebotene schlecht wäre, sondern weil alles, was danach folgt, schlicht überflüssig wirkt. So kommt „The Confrontation“ wahnsinnig uninspiriert daher, während die obligatorische Halbballade „In Your Heaven“ nicht herzergreifend, sondern schmerzhaft langweilig bleibt. Das Ganze zum Abschluss mit „No Teu Abrigo“ in Landessprache noch einmal zu wiederholen, verpasst dem Mangel an Kreativität endgültig den „Abgelehnt“-Stempel.

GLASYA stoßen einfach zu schnell an die Grenzen ihrer Möglichkeiten – und damit sind wir wieder am Anfang: Nicht jede Band kann NIGHTWISH sein, und nicht jedes Konzeptalbum besitzt den kompositorischen Atem, um über 13 Songs hinweg spannend zu bleiben. GLASYA müssen nach „Fear“ noch an vielen Stellschrauben drehen, wenn sie zwischen all ihren Genre-Kollegen überhaupt auffallen wollen. Ihr neues Album jedenfalls hat dafür nicht gesorgt.

Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wertung: 4.5 / 10

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert