Review Grave – Out Of Respect For The Dead

  • Label: Century Media
  • Veröffentlicht: 2015
  • Spielart: Death Metal

Manche Weisheiten hauen einen gestandenen Metaller nicht mehr aus den Socken. Zum Beispiel, dass guter Black Metal in norwegischen Studios produziert wird und dass die Schweden einen hohen Output an starken Death-Metal-Platten besitzen. Darunter gehören auch GRAVE’s letzte Platten „Endless Procession Of Souls“ (2012) sowie der Vorgänger „Burial Ground“ (2010), auf denen sich die Mannen um Gründungsmitglied Ola Lindgren in fabelhafter Manier durch die Songs prügelten. Gleiches soll dem Hörer auch mit dem neuen Album „Out Of Respect For The Dead“ geboten werden, dem elften Werk in einer bereits 27 Jahre andauernden Schaffensphase.

Obgleich GRAVE beinah schon drei Dekaden das machen, was sie eben machen, leidet das nicht an aus der Gewohnheit heraus entstandenen Tracks, sondern trifft sich auf Augenhöhe mit der Vitalität junger Bands. Auf „Out Of Respect For The Dead“ ist das per se nicht anders, jedoch lässt das Album den Hörer bereits in der ersten Hälfte der Platte etwas ratlos schauen. Entschleunigendes Mid-Tempo im Mittelteil eines Tracks ist ein bewährtes Stilmittel, und im Falle eines deftigen Songs wie „Flesh Before My Eyes“ sogar schonend für die Ohren, allerdings nutzen die Schweden das Mid-Tempo überraschend oft, sei es bei „Plain Pine Box“ oder „The Ominous They“. GRAVE verpassen bei den genannten Tracks irgendwie den Punkt, an dem es heißt „schnell weiterdreschen, ansonsten wird das Lied zu lahm“. Somit erhält ein ursprünglicher Knaller wie „Redeemed Through Hate“ einen langsam vor sich hin trappenden Part, der dem Lied temporär dessen Energie beraubt.

GRAVE spielen durchweg mit diesem Wechsel zwischen flinkem Gedresche und gezogener Langatmigkeit, selbst der Titeltrack bleibt davon nicht unberührt. Der Clou in diesem Song ist zwar, dass die beinah doomige Passage abrupt vom Up-Tempo durchbrochen wird, aber das wirkt ebenso originell wie die Bass-Linie in „Deified“, die auch nur halbherzig davon ablenken kann, dass GRAVE und das Adjektiv „schleppend“ nicht sonderlich gut harmonieren. Das finale „Grotesque Glory“ bleibt von dieser Aussage verschont, und zwar schlichtweg wegen dem kompositorischen Kniff, den sich die Schweden hier erlauben: Anstatt vorneweg die Instrumente zu malträtieren, legt das Quartett erst zum Ende hin los und zeigt damit, wie es Steigerungen in der Musik definiert.

Ein Hit wie „Grotesque Glory“ gibt ein Bild von dem, wozu GRAVE anno 2015 in der Lage wären, wenn sich die Death Metaller nicht dazu entschieden hätten, sich vermehrt in seichten Gewässern aufzuhalten und stattdessen eine Keule wie „Endless Procession Of Souls“ ausgepackt hätten. Die ersten Unkenrufe a la „die Herren werden alt“ sind aber dennoch unpassend, denn GRAVE hatten auch auf besagtem Album ihre gewissen Momente, in denen das Tempo gedrosselt wurde. Aber im Gegensatz zu ihrem 2012er Output finden die Schweden auf „Out Of Respect For The Dead“ schwerer zurück in die Ausgangskraft ihrer Songs.

Wertung: 7 / 10

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.