Review Heidevolk – Vuur Van Verzet

Seit ihren Anfangszeiten ist das markanteste Merkmal der niederländischen Pagan-Metaller HEIDEVOLK der zweistimmige, klare Männergesang, der die Texte in der Heimatsprache darbietet. Bereits auf dem 2015er-Album „Velua“ trat jedoch Lars Vogel an die Stelle des seit dem Debüt in der Band tätigen Sängers Joris van Gelre und teilte sich den Gesang mit Mark Bockting, seines Zeichens immerhin seit dem Zweitwerk „Walhalla Wacht“ mit an Bord. Dieser verließ die Band jedoch noch im Erscheinungsjahr, den vakanten Posten füllte Jacco de Wijs. In dieser veränderten Konstellation an den Vocals entfachten HEIDEVOLK im letzten Jahr auf ihrem sechsten Album „Vuur Van Verzet“ ganz wörtlich das Feuer des Widerstands. Gemeint ist jener gegen die römische Invasion Mitteleuropas in der Antike.

So viel also zur angesichts der für uns wohl nicht allzu eingängigen niederländischen Namen etwas konfusen Lage der Besetzung und zum Kontext der Lyrics. Wie sieht es nun mit der Musik aus? Zuvorderst ist das, was dem Hörer auf „Vuur Van Verzet“ geboten wird, HEIDEVOLK pur. Daran ändert auch der Einsatz eines relativ und eines ganz neuen Sängers nichts, die ihren Job beide ohne Abstriche mit Bravour erfüllen. Eine kleine Neuerung auf der sechsten Platte, die auf das musikalische Gerüst jedoch keine Auswirkungen hat und sich von daher auch nicht fehl am Platz anfühlt, ist die erstmalige Verwendung englischer Lyrics. Doch keine Sorge, dies bleibt auf zwei Nummern beschränkt, gesungen wird nach wie vor in erster Linie auf Niederländisch.

All zu einfach machen es viele Songs dem Hörer auf Anhieb nicht, sie ins Herz zu schließen, weil teilweise, jedenfalls bei einmaligem Hören, ein gewisser und für die Band typischer Ohrwurmcharakter fehlt. Mit dem komplett englischsprachigen „A Wolf In My Heart“ und „Britannia“ finden sich zwar zwei Instant-Ohrwürmer erster Güte auf der Platte, deren Refrains sofort mitgebrüllt werden wollen, und das am besten in vorderster Front vor der Bühne. Mit den restlichen Songs muss man sich durchaus länger auseinandersetzen, bis sie sich wirklich öffnen. Die teils eher verhaltene Kritik, die „Vuur Van Verzet“ in der Fachpresse einfahren konnte, mag aus genau diesem Umstand resultieren. Wer zu früh aufgibt, an dem zieht ein großer Teil der Platte vorbei, manches wirkt zunächst eventuell gar belanglos. Die genauere Auseinandersetzung mit den Songs wird aber belohnt, nach und nach finden sich Elemente, die sie aufwerten und hörenswert machen. Ob es sich hierbei um gelungene Riffs, eingängige Gesangslinien oder Melodien aus der abermals eher bedächtig als inflationär genutzten Folk-Trickkiste handelt: Jeder Song bietet letztlich das eine oder andere kleine Highlight, man muss ihnen nur die Zeit lassen, diese auch präsentieren zu können. So wird dann etwa eine zunächst wenig markant erscheinende Nummer wie „The Alliance“ bei genauem Hinhören zu einem vollauf gelungenen HEIDEVOLK-Song mit energetischen Gitarren, angenehmen Akustik-Elementen und atmosphärischem Choreinsatz. Zusätzlich veredelt Primordial-Frontmann Alan Averill die Nummer mit einigen angenehm rauen Gesangseinlagen.

Mag es sich bei „Vuur Van Verzet“ auch nicht um das stärkste HEIDEVOLK-Album handeln, kann die Platte auf jeden Fall eine ganze Menge. Sie benötigt etwas mehr Aufmerksamkeit als andere Werke der Band, verdient hat sie diese aber vollauf.

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Wertung: 8 / 10

Publiziert am von Pascal Weber

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