CD-Review: Helheim - Av Norrøn Ætt

Besetzung

Hrimgrimnir - Gesang, Gitarre
Vanargandr - Gesang, Bass
Hrymr - Piano, Schlagzeug

Gastmusiker:

Haldis - Violine
Belinda - Gesang, Trompete

Tracklist

01. En Forgangen Tid
02. Vinterdøden
03. Fra Ginnunga-Gap Til Evig Tid
04. Mørk, Evig Vinter
05. Åpenbaringens Natt
06. De Eteriske Åndevesenes Skumringsdans
07. Av Norrøn Ætt


Es ist mal wieder soweit, die Metal1.info-Klassikerabteilung öffnet die Pforten. Heute stellen sich, mehr oder weniger freiwillig, die norwegischen Viking-Metaller HELHEIM. 1997 brachten die Herren Hrimgrimnir, Vanargandr und Hrymr das in den legendären Grieghallen produzierte “Av Norrøn Ætt” heraus, ein Album, welches sich in der Szene in Rekordzeit Kultpotential erwirkte.

Wenn man ganz allgemein und ohne Lupe an die CD herangeht, kann man das zunächst mal nicht unbedingt verstehen. Scheinbar bekommt man sechs Songs plus Intro mit relativ wüstem Geknüppel vorgesetzt. Tatsächlich bietet das angesprochene Intro “En Forgangen Tid” ein wenig avantgardistisches Klavierspiel und etwas beschwörende Stimmen, die dem auch ins Englische übersetzten Text nach – wer hätte es gedacht – von einer vergangenen Zeit erzählt. Das ist dann aber auch schnell vorbei, genauso mit der scheinbaren Ruhe, die es wohl nur vor dem Sturm war, denn “Vinterdøden” eröffnet mit einem einerseits unfassbar simplen, aber dafür auch eingängigen und sägendem Riff. Dass man es in Sachen Songaufbau nicht eilig hat, zeigt die vielfache Wiederholung fast aller Riffs auf dem Album und so kommt es auch, dass die Songs teilweise die Zehnminutengrenze locker überspringen. So wartet man dann eben einige Sekunden, bis das Schlagzeug übernimmt und ab dann geht es auch einigermaßen zur Sache.

Klar, der erste richtige Song dient schon in gewisser Weise als Blaupause für den Rest des Albums. Ketzerisch könnte man sagen, dass HELHEIM entweder einen coolen Song am Start hatten und sich selber kopiert haben oder dass sie mehr nicht draufhaben, als sich zu wiederholen. Kann natürlich sein, aber selbst wenn dies der Fall ist, unter dem Strich kam eben der angesprochene Kult bei herum. Ein wenig Abwechslung gibt es, wenn hier und da das Klavier aufspielt oder im Titeltrack die Trompeten, die für das gewisse Quentchen Epik sorgen. Die vereinzelt eingestreuten weiblichen Vocals hätte es meiner Meinung nach nicht unbedingt gebraucht, aber vermutlich war der Stellenwert des Engelchens unter den Teufeln vor über zehn Jahren wohl noch ein anderer. Die männlichen Stimmen klingen dafür ganz so, wie man es erwarten würde: clean Vocals mit völlig übertriebenem Pathos, die harten Vocals ein fieses Kreischen. Passt aber schon ganz gut zum Rest der Musik, auch wenn es heute vielleicht nicht mehr zeitgemäß erscheint.

Pathos ist noch einmal ein Stichwort, wenn man sich das Artwork anschaut: das Wikingergelage der drei Protagonisten als Frontcover bietet schon mal einen Vorgeschmack, innen posiert man erfolgreich in Wikingertracht und das Inlay ist sicher eines der kitschigsten, die jemals kreiert wurden, vor dem Sonnenauf- oder untergang weht in der kühlen Brise die norwegisches Fahne. In anderen Fällen würde so was natürlich zu derbem Punktabzug führen, HELHEIM sind aber so norwegisch, da kann man das mal durchgehen lassen.

Kult ist Kult und bleibt es, daran ändert selbstverständlich die Meinung eines Onlineredakteurs nicht allzu viel. Offen und ehrlich sage ich es, hier und da kann man sich “Av Norrøn Ætt” schon mal geben, mit der Zeit ist das Dauergepolter aber doch zu anstrengend und vor allem eintönig. Einen gewissen Charme hat es aber doch und so kann man postmodernen Wikinger die CD nur schwer ans Herz legen, aber auch Metalheads ohne den Hang, ihr Leben auf Burgen, bekleidet mit Waffenrock und Schwert, jederzeit bereit, in See zu stechen, können in die alten Kamellen mal reinhören.

Bewertung: 7 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: