CD-Review: Hellvetic Frost - Cold, Grim, Evil (Demo)

  • Veröffentlichung: 2007
  • Label: Seelenkrieg
Besetzung

Grim – Gesang, Gitarre
Paganwarrior – Gesang, Gitarre, Schlagzeug

Tracklist

01. Intro
02. Through The Dark, Through The Black, Through The Heart
03. From Weapons, Horses And The Moon
04. Malicious I Relieve My Soul
05. Circulus Vitiosus
06. Eine Vision der Erloesung


Gut gut, HELLVETIC FROST wirkten auf mich immer leicht seltsam und die eigenen Kräfte überschätzend, denn wer – wie auch hier der Fall – „Elite Black Metal“ auf seine Fahnen schreibt, der sollte dann auch ansprechende Kompositionen vorzuweisen haben. Da man ja aber immer unbefangen an Veröffentlichungen herangehen sollte, legen wir den Punkt mal beiseite. Als erstes fallen die Liedtitel auf, die eigentlich nach einer Band klingen, die hochwertige Musik macht oder wenigstens diesen Anspruch an sich selbst hat. Steht natürlich im krassen Gegensatz zu „Cold, Grim, Evil“, dem eher simplen Demotitel.

Das Intro ist dann auch nicht sehr viel versprechend. Eine Stimme, die so klingt, als wären beim alten Walkman die Batterien langsam aufgebraucht und die Musik fließt dadurch zäh wie Teer, spricht einige Worte. Doch dieser Trugschluss sollte sich nicht bewahrheiten. „Cold, Grim, Evil“ ist im Vergleich zur ersten Demo „Nihilistic Thoughts Embraced By Pure Misanthropy And Immortal Hate“ eine absolute Verbesserung, das Schweizer Duo hat sich enorm gesteigert. Schnell und atmosphärisch poltert es bei „Through The Dark, Through The Black, Through My Heart“ aus den Boxen, der Gesang klingt sardonisch erfüllt und besitzt Charakter. Gen Ende verharrt man dann kurz und glänzt hinterher mit einem schleppenden und sehr melodischen Ausklang. „From Horses, Weapons And The Moon“ gibt sich danach die Ehre, hierbei handelt es sich um ein rein akustisches Stück. Wenn solche Lieder nicht untergehen, sondern dem Hörer im Gedächtnis bleiben, dann heißt das meiner Meinung nach schon etwas und genau das ist hier der Fall. Das Riffing ist von der ersten Sekunde an fesselnd, die Drums werden dazu rhythmisch geklopft, so dass dem Hörer fast nichts anderes übrig bleibt, als angetan zu sein. „Malicious I Relieve My Soul“ kommt dann – oh Wunder – arglistig daher, man kann sich das düstre Funkeln in den Augen des Sängers quasi vorstellen. Das Lied ist insgesamt wirklich auch sehr gut, bringt alles mit, was ein Lied haben muss, um zu gefallen. Dennoch glaube ich, dass eine Spielzeit von über sieben Minuten im Falle von HELLVETIC FROST (noch) zuviel des Guten ist, da man die Ideen hinter „Malicious I Relieve My Soul“ auch kürzer und damit wohl auch prägnanter hätte umsetzen können. Sei es drum, das Stück ist ja durchaus ansprechend.

„Circulus Vitiosus“ folgt und damit auch ein sehr langsamer, bedächtiger Track. Dumpf erklingt das Schlagzeug, als würde es einen tauben, verschwommenen Schmerz darstellen wollen, dazu gesellt sich die gefällige, wohlklingende Gitarre, die schon die ganze Zeit über auf „Cold, Grim, Evil“ mit ihren Riffings erfreut, auch wenn jene keine absolute Neuheit sind. Hinzu kommt der Gesang, der kalt knurrt und öfters eine Pause einlegt, als würde er noch einmal über das sinnen, worüber er krächzt. Man hat hier wohl das ergreifendste und atmosphärischste Stück der Demo vor sich, es gefällt und bannt auf ganzer Linie. Auch hier geht es über sieben Minuten und so muss ich an dieser Stelle schon gleich meine vorherige These um einen Punkt ergänzen: HELLVETIC FROST haben auch jetzt schon das Talent, lange und ansprechende Lieder zu komponieren, jedoch nur, wenn diese eher schleppend konstruiert worden sind. Beim letzten Song singt übrigens Paganwarrior anstatt von Grim, was zur Folge hat, dass hetzender, erfüllter und leicht überdrehter gekreischt wird. Klingt nicht schlecht, ich bevorzuge da aber Grim am Mikrofon. Ansonsten klingen die Schweizer hier sehr sinister und ordentlich.

Fassen wir die Chose kurz: HELLVETIC FROST haben sich einfach enorm gesteigert, das hätte ich nicht gedacht. Zahlreiche Schwächen wurden ausgemerzt, zudem weiß man langsam aber sicher, wo die eigenen Stärken liegen und weiß auch, diese gekonnt einzusetzen. Klar, hier und da wirken die Schweizer einfach ein wenig…ja…leicht lächerlich, denn Sätze wie „Vertont am Tage der Kreuzigung des Heuchlers“ oder „Elite Black Metal“, sowas muss nicht sein. Wenn man es drauf hat, dann sollte man auch soviel Stil besitzen, sich dessen bewusst zu sein und stillschweigend zu genießen.

Keine Wertung

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