CD-Review: Herman Frank - Loyal To None

Besetzung

Jiotis Parachidis – Gesang
Herman Frank - Gitarre
Peter Pichl - Bass
Stefan Schwarzmann - Schlagzeug

Tracklist

01. Moon II
02. 7 Stars
03. Father Buries Son
04. Heal Me
05. Hero
06. Kill The King
07. Down To The Valley
08. Lord Tonight
09. Bastard Legions
10. Welcome To Hell


HERMAN FRANK! Ein Name, der mir sofort bekannt vorkam. Und richtig! Er war Gitarrist bei Accept zu deren Glanzzeiten (Alben „Restless And Wild“ und „Balls To The Wall“), später dann bei Sinner, Victory und Moon Doc´. Nun wandelt er auf Solo-Pfaden und veröffentlicht über Metal Heaven sein Debut „Loyal To None“. Er hat es auch selbst produziert und in seinem eigenen Sudio Arena 20 abgemischt. Unterstützt wird er bei seinem Projekt von weiteren namhaften Musikern. Sänger Jiotis Parachidis ist durch seine Zeit bei Victory und Human Fortress bekannt, Stefan Schwarzmann schwang die Drumsticks bereits bei Krokus und Helloween und Peter Pichl spielt den Viersaiter aktuell auch bei Running Wild. Apropos Running Wild: das Cover-Artwork von „Loyal To None“ mutet ein bisschen wie das bekannte Adrian-Maskottchen der Hamburger Genre-Kollegen an. Wenn es die Musik von HERMAN FRANK widerspiegeln soll, darf man kräftiges Futter erwarten.

Und das trifft großteils auch zu. Gleich der Opener „Moon II“ offenbart einen ordentlichen Happen Aggressivität. Der Rhythmus poltert sehr straight und auch die Lead-Gitarre lässt keine Fragen bezüglich der Dynamik aufkommen. Parachidis Stimme passt sich dem instrumentellen Druck an und tönt kraftvoll aus den Boxen. Ein gelungener Auftakt, der auch die Marschrichtung vorgibt. Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. „7 Stars“ hat zwar etwas melodischere Leads, geht ansonsten aber ebenso kompromisslos nach Vorne. Bei „Father Buries Son“ wird durch den hymnischen Chorus erstmals auch eine epische Note ins Spiel gebracht, der Instrumentalpower tut das jedoch keinen Abbruch.
Wenn in „Heal Me“ dann melodischere Töne angeschlagen werden, darf man trotzdem keinen Schmusesong erwarten, sondern eine emotionalere Mid-Tempo-Nummer mit dennoch kräftigem Groove. Abwechslung wird bei HERMAN FRANK großgeschrieben, denn mit „Hero“ folgt ein Krokus-verdächtiger Hardrocker mit einfachem Aufbau, simplem Riffing und typischem Mitgröhlrefrain. Obgleich Frank niemals Power und Groove außer Acht lässt, birgt „Loyal To None“ dennoch genügend Vielfalt, um das Ohr des Hörers nachhaltig zu fesseln.
Erwähnenswert finde ich noch den in der Tat an Running-Wild-Kompositionen erinnernden hymnischen Reißer „Down To The Valley“ und die schön old-schoolig hämmernden „Lord Tonight“ und „Bastard Legion“.

Ich bin schon etwas beeindruckt, was HERMAN FRANK hier vom Stapel lässt. Astreiner, knackiger Heavy Metal, der zwar hin und wieder seine Anleihen beim Power Metal holt, aber die Wurzeln des klassischen Metal nie richtig verlässt. Vergleiche lassen sich unheimlich schlecht heranziehen. Ein Erbe von Accept habe ich beispielsweise gar nicht entdeckt. Hier mal ein bisschen Primal Fear, da ein Hauch Rage und der eine an Running Wild angelehnte Song – aber letztendlich sagt sich HERMAN FRANK ganz gut von irgendwelchen eingefahrenen Einflüssen los.
Das Songwriting ist gut durchdacht und abwechslungsreich. Es gibt keinen einzigen schwachen Track. Was mir vielleicht noch fehlt, sind ein, zwei richtige Hammer-Songs, die man so schnell nicht wieder aus dem Kopf kriegt. Das würde dem gelungenen Werk noch die Krone aufsetzen.
Von der technischen Seite präsentieren sich die Musiker als die Profis, die sie ja schließlich auch sind. Herman verzichtet darauf, sich durch sein Gitarrenspiel zu profilieren, und beweist beim Riffing und den Soli trotzdem permanent, dass er es noch absolut draufhat. Stark finde ich auch die Gesangsleistung von Jiotis Parachidis, dessen kräftiges, leicht rauhes Organ in mittlerer Lage hervorragend zu den vorgegebenen Kompositionen passt.

„Loyal To None“ ist ein mehr als bodenständiges und äußerst kraftvolles Album, das traditionellen Metal in moderner Machart präsentiert. HERMAN FRANK gelingt es, einen Hauch Old-School-Feeling einzufangen und in die Gegenwart zu transferieren, ohne neuzeitliche Dynamik missen zu lassen. Deswegen denke ich, dass sowohl Freunde des klassischen Metal der 80er wie auch Anhänger des modernen Heavy Metal sich für dieses Werk gleichermaßen begeistern können. Ich empfehle, unbedingt reinzuhören.

Bewertung: 8.5 / 10

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