Es gibt Bands, bei denen es im Grunde unmöglich ist, sie einer klaren Genre-Schublade zuzuordnen. Nicht etwa, weil ihre DNA keine deutlichen Spuren diverser Einflüsse trüge, sondern weil gerade deren Verwebung und das daraus entstehende Ganze in seiner Eigenheit absolut konsequent wirken. Eine solche Band sind IATT aus Philadelphia. Für einen groben Umriss: Wie würde wohl „Progressive Blackened Dream Metal“ klingen? Ihre Mischung aus Progressive, Black und Death Metal reichert die Formation mit allerlei Synth-Spielereien an und ergänzt sie um sanfte Flöten-Arrangements.
Was das Ganze aber wirklich besonders macht, ist, dass jeder Song ihres neuen Albums „Etheric Realms Of The Night“ ein eigenes Video und damit Teil eines zusammenhängenden Films ist. IATT erzählen also auf zwei Ebenen eine Geschichte über die Untiefen des Unbewussten, Realitätsflucht und Endlichkeit. Den Fall in das Dunkel des Schlafes eröffnet „Drift Away“. Nach einem sanften, verspielten Einstieg aus Akustikgitarren und Flöten entfesseln IATT erstmals ihren fließend arrangierten Mix aus Death und Black Metal. Doch auch lockere Momente und technische Verspieltheit finden hier ihren Platz.
„Somniphobia“ hingegen thematisiert nicht den Zustand des Schlafes, sondern vielmehr die Angst davor. Umgesetzt wird das durch dissonante und zugleich wendige Arrangements, technische Leadgitarren von Joe Cantamessa und Alec Pezzano sowie das komplexe Drumming von Paul Cole. Der Song glänzt zwar nicht mit extremer Eingängigkeit, weiß aber durch seine wechselnden Stimmungen für sich einzunehmen. Zu Beginn von „Quietus“ mag man bei den Keyboards fast ein wenig an DIMMU BORGIR denken. Der Track gibt sich zunächst treibend und direkt. Die vorpreschenden Gitarren harmonieren mit Jay Briscoes abwechslungsreichem Gesang, während ruhige Passagen mit Flöten und atmosphärischen Keyboardflächen für gelungene Kontraste sorgen.
Zwischen all der Progressivität lassen IATT jedoch auch genug Raum für satte Grooves. Ein gutes Beispiel dafür ist „Walk Amongst“, das den Übertritt in das Traumreich thematisiert. Die drängende Komposition wird hier zusätzlich durch ein perfekt eingewobenes Saxophon aufgewertet. Doch auch an dieser Stelle gilt: Der Traumeskapismus von IATT braucht Zeit und lädt durch seine Komplexität nicht immer unmittelbar zum Träumen ein.
Der Rausschmeißer „Hypnos“ wirkt schließlich wie das verdiente Ausatmen nach einem erzählerisch wie musikalisch vielseitigen Trip. Sanfte, tragische Keyboardlinien türmen sich zu einer großen Bühne auf, auf der der Gott des Schlafes ein letztes Mal erscheint.
Wenn man IATT eines nicht unterstellen kann, dann Mutlosigkeit. Ganz im Gegenteil: Die Band hat hier ein musikalisch extrem abwechslungsreiches Album vorgelegt und es zusätzlich in ein visuell stimmiges, philosophisches Gewand gekleidet. Rein auf das Hörbare bezogen ist „Etheric Realms Of The Night“ ein ebenso einnehmendes wie forderndes Werk. Das bedeutet einerseits ein exploratives Hörerlebnis mit Wachstumspotenzial bei jedem Durchlauf. Andererseits fällt dieser reizvollen Komplexität auch ein gutes Maß an Zugänglichkeit zum Opfer. Im Spannungsfeld zwischen hoher Kunst und Langatmigkeit liegt für IATT jedoch kein Abgrund, sondern ihr größtes Potenzial.
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Wertung: 7 / 10



Dieses Albun ist für mich eine echte Offenbarung! Selten hat mich ein aufregender Genre-Mix so begeistert hinterlassen wie hier. Für mich jetzt schon ein Album des Jahres!