CD-Review: Ice Ages - Buried Silence

Besetzung

Richard Lederer - Alles

Tracklist

01. Intro
02. Buried Silence
03. Regret
04. From Grey To...
05. Icarus
06. Through The Mirror
07. Essential Loss
08. Enemy Inside
09. Tormented Grace
10. Curse


Wer Summoning kennt, kennt Richard Lederer. Wer Die Verbannten Kinder Evas kennt, kennt Richard Lederer auch. Sogar, wenn man nur Michael Gregor bzw. Kreuzweg Ost kennt, ist es von diesem nicht mehr weit zurück zu Summoning und damit wiederum zu Herrn Lederer. Man sieht, viele Wege führen zu dem Mann, der mit „Buried Silence“ nach sieben Jahren Funkstille das dritte Album seines Darkwave-Projekts ICE AGES auf den Markt wirft. Sonderlich bekannt ist ebendieses in Metalkreisen trotzdem nicht, und das, obwohl es mit Napalm Records sogar von einem einschlägig bekannten Label unterstützt wird.

Aber klar, das lässt sich schnell durch die eingeschlagene Stilrichtung erklären, die bei den meisten Traditionalisten schnell Brechreiz hervorrufen dürfte. Hier gibt es keine Fantasie-Welt, die es zu erkunden gilt und in der Abenteuer zu bestehen sind, dementsprechend braucht es auch keine ausufernden, epischen Arrangements. Nicht einmal Gitarren. Dafür aber sture, elektronische Schlagzeug-Beats, wabernde Synthesizer-Flächen und ebenfalls elektronisch erzeugte Melodien, die eine derart verzweifelte, finstere Atmosphäre erzeugen, dass man sich teils schon wundern muss, dass ein gewisses anderes Betätigungsfeld Lederers zum Teil immer noch als Black Metal bezeichnet wird. Leicht verdaulich ist der Spaß allerdings nicht, und bei den ersten Hördurchgängen wird jemandem wie mir, der diesen Sound schließlich nicht gewohnt und ein Neuling auf dem Gebiet ist, gehörig die Suppe versalzen. Sowohl die verzerrten Drums, die rhythmisch oft nicht ganz so simpel programmiert sind, wie man das aus dem Sektor vielleicht erwarten würde, als auch die ebenfalls mit Effekten belegten Vocals wollen erst einmal verarbeitet werden, zumal das Tempo quasi auf der ganzen Platte immer absolut gemächlich bleibt und sich die Songs äußerlich erstmal nicht markant voneinander abgrenzen.
Aber es heißt ja auch nicht umsonst „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, denn nach fünf oder sechs Hördurchgängen wird man schließlich für seine Geduld belohnt: Mit einem Gespür für die Song-Strukturen kommt auch der Hörgenuss, ob polternde, stampfende Rhythmen und Dramatik in „Icarus“, schöne, dynamische Melodien in „Buried Silence“ oder wummernder Bass in „Through the Mirror“, man merkt plötzlich: Hier wird auch nur mit Wasser gekocht, auch im Melodic Darkwave, wo ICE AGES eingeordnet wird, arbeitet man mit ganz normalen Songstrukturen und die Elemente, mit der eine übrigens überdurchschnittlich tiefgehende Atmosphäre erzeugt wird, heben sich auch nicht sonderlich von gängigen Methoden ab. Im Gegenteil werden sogar noch coole Zusätze wie gelungene Rechts-Links-Dynamik des Schlagzeugs verwendet.
Besonders gefällt der Rausschmeißer „Curse“, der eine sehr endgültige, melancholische Stimmung aufweist und mit seinen wunderschönen Melodien tatsächlich wie ein abschließender Rückblick auf das vergangene Album wirkt. Durch den zum Großteil schweigenden Drumcomputer erinnert man hier auch ein wenig an den großartigen Titelsong des Vorgänger-Albums „This Killing Emptiness“.

An „Buried Silence“ kann ich inzwischen kaum noch etwas aussetzen. Es ist auf der einen Seite gefühlvoll und lädt den Hörer in eine fremde, stimmungsvolle Welt ein, auf der anderen Seite ist es aber auch erstaunlich roh, maschinell und kalt. Was will man mehr? Die lange Einhörzeit hätte es vielleicht nicht gebraucht. Egal, ist ja schon überwunden. Überraschend ist für mich, dass Darkwave doch „normaler“ ist als man das im Normalfall wahrscheinlich erwartet. Ehrlich gesagt, wäre das Album unter dem Banner einer anderen Richtung erschienen, hätte ich wohl deutlich weniger Probleme damit gehabt. Empfehlungen werden hier wohl nichts helfen, da wohl allein aufgrund des Genres kaum jemand reinhören wird, was wiedermal unterstreicht, dass Schubladen absolut für den Popo sind. Die CD überzeugt mich trotzdem vollends und ist außerdem sehr erfrischend bei dem vielen allzu konventionellen Metal, was ich mit angemessener Punktzahl honorieren will.

Bewertung: 8.5 / 10

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