CD-Review: Ignis Fatuu - Unendlich viele Wege

Besetzung

P.G. - Gesang
Peter - Gitarre
Volker - Bass
Robert - Schlagzeug
Irena - Flöte, Dudelsack, Schalmei
Alex - Drehleier, Nyckelharpa, Geige, Dudelsack

Tracklist

01. Glaube
02. Hyazinthen
03. Unendlich viele Wege
04. Mit dem Wind
05. Blut geleckt
06. Alchemie
07. Der Rabe und der Wolf
08. Wenn alle Worte schweigen
09. Signal
10. Letztes Wort
11. Die Pforte


Mit neuem Sänger begeben sich IGNIS FATUU auf „Unendlich viele Wege“. Am Mikro ersetzte Andreas Hänsel a.k.a. P.G. (Ex-Merlons Lichter) den scheidenden Alex. Dazu übernahm mit Gitarrist Peter Pathos ein alter Hase die Produktion der neuen Scheibe. Auf seinem dritten Album will das Sextett alle Weichen stellen, um an vergangene Erfolge anzuknüpfen und gleichzeitig neue Pfade zu entdecken. Ein gewagtes Unterfangen, da durch die umfangreichen Veränderungen am Bandkonstrukt von den alten Stärken wenig bis nichts geblieben ist und der folkige Sechser eher wie „eine Combo früher bekannt als IGNIS FATUU“ klingt.

Was ist passiert? In den acht Jahren zuvor machten sich die Ignisse mit ihren ersten beiden Alben „Es werde Licht“ sowie „Neue Ufer“ einen Namen in der hiesigen Folkszene. 2012 kam es schließlich zum Umbruch: Sänger Alex kündigte seinen Ausstieg zum Ende des Jahres an und mit Peter Pathos (Ex-Fiddler’s Green) schloss sich ein zusätzliches Mitglied der Combo an. Beim TANZT! 2012 zeigten sich Ignis erstmals in neuer Live-Besetzung mit P.G. am Mikro und debütierten „Der Rabe und der Wolf“ sowie „Wenn alle Worte schweigen“, welche wenig später als EP veröffentlicht wurden. Über ein Jahr nach dem gemeinsamen Live-Debüt folgt mit „Unendlich viele Wege“ die erste Studioproduktion in voller Länge. Und diese offenbart gnadenlos die Schwächen der runderneuerten Formation.

Wirkte die insgesamt sehr getragen und ruhig gehaltene EP (nebst fragwürdigem Dubstep-Remix) schon anders als das, was man von den Franken bisher kannte, so schießt „Unendlich viele Wege“ auf unendlich viele Arten am Ziel vorbei. Das rockig-orientierte und anfangs beschwörerische „Blut geleckt“ entwickelt sich beispielsweise zu einem textlichen Volldesaster, in dem der Reihe nach durchdekliniert wird, ob nun er, wir, ich oder es Blut geleckt hat. Im Endeffekt egal, denn der CD-Käufer ist es zweifelsfrei nicht. Auch „Alchemie“ und „Signal“ sind vom Songtext her – milde ausgedrückt – sehr schlicht gehalten und teils nach dem Prinzip „Reim dich oder ich fress dich“ gestaltet, unnötig gespickt mit Plattitüden wie „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ oder „Kein Jahr wie das letzte“. Teilweise überkommt den lyrisch anspruchsvollen Hörer dabei die Sehnsucht nach dem Gefressen werden, vor allem wenn die „Alchemieeeeee“ als persönliches „Genieeeeee“ verkauft wird. Amen!
Dazu klingt P.G.s Stimme oftmals unnötig verzerrt und gleichzeitig technisch minderwertig eingefangen, worunter der Gesamteindruck nochmals leidet. Allgemein tut sich die Kapelle mit der Abmischung des männlichen Gesangs  keinerlei Gefallen, wenn zum Beispiel bei „Alle Worte schweigen“ die Schmerzgrenzen für Tonhöhen mehrfach gesprengt werden. Dass der glatzköpfige Schlacks passabel singen kann (oder eher konnte?), hat er an anderer Stelle mehrfach bewiesen. Doch auch im Duett mit Irene funktioniert P.G. auf „Unendlich viele Wege“ bestenfalls unzureichend: Exemplarisch sei hier noch der Auftakt „Glaube“ genannt, der wie der Titeltrack zu einer zweitklassigen japanischen Anime-Serie daherkommt und maximal durch die Melodieführungen für kleinere Hoffnungsschimmer sorgt. Allein die instrumentalen Führungen und Verquickungen sind es, die das Gesamtwerk vor dem Totalabsturz bewahren.

Fernab davon ist es beinahe verstörend, dass die beiden schon eher schwachen EP-Tracks „Wenn alle Worte schweigen“ und „Der Rabe und der Wolf“ im Albumkontext zusammen mit dem Titeltrack noch positiv hervorstechen. In „Unendlich viele Wege“ türmen sich lediglich arg viele Instrumente und Stimmen rund um den Refrainteil. Und dies ist neben den teils unerträglichen Gesangparts nur ein Beispiel von vielen, wo sich unweigerlich die Frage stellt, wer die finale Produktion der Scheibe überhaupt abgenommen hat: So ist beinahe in jedem einzelnen Song zu spüren, dass hier keine homogene Einheit mehr am Werk war und größtenteils Stückwerk betrieben wurde. Wenig überraschend also, dass sich mit Geiger Alex und Schlagzeuger Robert inzwischen zwei der drei Gründungsmitglieder von diesem Projekt verabschiedet haben, welches mit allem, das IGNIS FATUU einst ausgezeichnet hat, nur noch marginal zu tun hat.

 

Bewertung: 2.5 / 10

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