CD-Review: In Tormentata Quiente - Finestatico

Besetzung

Irene Petitto – Gesang
Marco Vitale – Gesang
Simone Lanzoni – Gesang
Lorenzo Rinaldi – Gitarre
Maurizio D’Apote – Bass
Francesco Paparella – Schlagzeug
Antonio Ricco – Keyboards

Gastmusiker:
Irene Panfili – Klarinette

Tracklist

01. Zero
02. Sole
03. R136a1
04. Eta Carinae
05. Sirio
06. RR Lyrae
07. Demiurgo


„Empathic Metal“, so nennen IN TORMENTATA QUIENTE ihre gefühlsbetonte Version von Avantgarde Metal. Eine solche selbsterdachte Marke, ein Bandname wie dieser, Vergleiche mit Solefad, Devil Doll und Ulver sowie sieben dauerhaft beteiligte Musiker, von denen drei allein für den Gesang zuständig sind – all diese Merkmale vermitteln den Eindruck, dass „Finestatico“, das vierte Album der Italiener, nur entweder ein außergewöhnliches Meisterwerk oder ein unvergleichlicher Schuss in den Ofen sein kann. Wie so oft im Leben liegt die Wahrheit irgendwo im Mittelfeld. So ergreifend wie IN TORMENTATA QUIENTE ihre Musik verstanden wissen wollen, ist die Platte zwar nicht, aber auch nicht so peinlich kitschig, wie man glauben mag.

Von der befürchteten Gefühlsduselei findet man im Opener „Zero“ erst mal keine Spur, denn hier regieren noch intensive Tremolo-Riffs, brutale Blast-Beats und überraschend fiese, hohe Screams. Auch auf „R136a1“ lassen IN TORMENTATA QUIENTE ihrer Extreme-Metal-Seite freien Lauf: Hier sind es die gewaltigen Growls und die schleppenden, wuchtigen Gitarren sowie ein gezielt platzierter, echt fetter Breakdown, die das sphärische Artwork und den pathetischen Bandnamen Lügen strafen. Von diesen zwei Ausnahmen abgesehen entspricht jedoch ein Großteil der Dreiviertelstunde, die „Finestatico“ in Beschlag nimmt, den Erwartungen – oft zum Guten, hin und wieder auch zum Schlechten.
Wenn sich IN TORMENTATA QUIENTE nicht gerade die Seele aus dem Leib brüllen, tritt ein dramatisches Duett aus Männer- und Frauengesang in den Vordergrund, durch das man sich bisweilen in den Zuschauerraum eines prunkvollen Opernhauses versetzt fühlt. Die stimmungsvollen und oft auch düsteren Metal-Gitarren spielen nun nicht mehr die Hauptrolle, stellenweise setzen sie sogar ganz aus. Stattdessen werden die Saiteninstrumente vermehrt verträumt und clean gespielt, zudem kommen immer öfter nachdenkliche Klarinettentöne und spacige Electro- und Symphonic-Keyboards zum Einsatz. Tatsächlich haftet den Kompositionen von IN TORMENTATA QUIENTE dadurch etwas Romantisches, Episches an.
Allerdings stellt sich allzu bald das Gefühl ein, dass es dem ganzen an dem richtigen Maß an Inbrunst fehlt. So sehr sich die Italiener auch bemühen, theatralisch zu klingen, richtig packend ist ihre Musik nur selten, während sie es an manchen Stellen sogar mit der Dramatik übertreiben, was dann wiederum ins Lächerliche umschlägt (so zum Beispiel der zum Teil sehr hysterische Gesang auf „Sirio“). Nur hin und wieder blitzen Momente wahrhaft eleganter Tragik und Erhabenheit auf, die erkennen lassen, welches Potential in IN TORMENTATA QUIENTE schlummert.

Dass „Finestatico“ mit einem derben Hassbrocken wie „Zero“ anfängt und mit einer sphärischen Ambient-Nummer wie „Demiurgo“ endet, zeigt deutlich, dass die Songs, die IN TORMENTATA QUIENTE kreieren, alles andere als musikalische Stangenware sind. Dennoch wird die Platte nicht als Meilenstein in die Metal-Geschichte eingehen, denn die Kompositionen sind teils zu flatterhaft und schlichtweg nicht so fesselnd, wie sie sein sollten. Nichtsdestotrotz ist der vierte Langspieler der Avantgarde-Metaller durchaus ein interessantes Werk, an der Produktion gibt es nichts auszusetzen und ein paar Passagen sind es auf jeden Fall wert, gehört zu werden.

Bewertung: 6.5 / 10

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