Manche Bands verfeinern ihren Stil von Album zu Album, andere suchen den radikalen Bruch. Hinter dem Atmospheric-Black-Metal-Projekt INHERITS THE VOID scheint Mastermind Antoine Scholtès einen Mittelweg gefunden zu haben. „The Silent Abscission“ bleibt den melodischen Wurzeln der Vorgänger treu, erweitert den Sound aber hörbar um neue Facetten.
Bereits der Opener „The Sepulcher Of Time“ macht unmissverständlich klar, wohin die Reise geht. Rasende Tremolo-Gitarren treffen auf eisige Keyboardflächen, während Blastbeats und harsche Vocals einen dichten Klangstrudel erzeugen. Trotz der enormen Geschwindigkeit verlieren die Stücke nie ihre melodische Ausrichtung. Vielmehr entstehen immer wieder hymnische Passagen.
Der größte Fortschritt liegt jedoch im Songwriting. Wo frühere Veröffentlichungen gelegentlich dazu neigten, gute Ideen etwas zu häufig zu wiederholen, wirken die acht Kompositionen diesmal deutlich dynamischer. Immer wieder öffnen sich atmosphärische Passagen, die den aggressiven Ausbrüchen Luft zum Atmen geben. Besonders der Titeltrack sowie „In The Shadow Of The Falling Star“ profitieren von diesem Spannungsaufbau und entwickeln eine Sogwirkung, die weit über klassisches Melodic-Black-Metal-Handwerk hinausgeht und stark an frühe DIMMU BORGIR erinnert.
Auch die erstmals umfangreichere Zusammenarbeit mit Gastmusikern zahlt sich aus. Die markanten Vocals wirken präsenter und abwechslungsreicher, während das organisch klingende Schlagzeug dem Material zusätzliche Wucht verleiht. Überraschend, aber keineswegs aufgesetzt, fügen sich die vereinzelten Saxofon-Passagen in „Wrath Of The Endless Sea“ und dem abschließenden „Inherits The Void“ ein. Statt bloßer Effekthascherei unterstreichen sie die melancholische Grundstimmung des Albums und verleihen dem Finale einen beinahe cineastischen Charakter.
Ganz ohne Kritik bleibt „The Silent Abscission“ dennoch nicht. Die makellose Produktion arbeitet sämtliche Details sauber heraus, nimmt der Musik stellenweise aber etwas von jener rauen Kälte, die atmosphärischem Black Metal oft zusätzliche Intensität verleiht. Zudem fordert das hohe Tempo über die gesamte Spielzeit von knapp 47 Minuten seinen Tribut. Einige Songs ähneln sich im Aufbau, sodass gegen Ende leichte Ermüdungserscheinungen auftreten können.
Dennoch überwiegt der positive Eindruck deutlich. INHERITS THE VOID gelingt es, technische Präzision, eingängige Melodien und eine kosmisch anmutende Atmosphäre zu einer stimmigen Einheit zu verschmelzen. „The Silent Abscission“ ist kein Album, das den Black Metal neu definiert, aber eines, das eindrucksvoll zeigt, wie spannend melodischer Atmospheric Black Metal klingen kann.
Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 8 / 10


