Review Iskandr – Sacraal

  • Label: Eisenwald
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Ambient

Mit „Sacraal“ entfernt sich ISKANDR endgültig von den letzten verbliebenen Anknüpfungspunkten zum atmosphärischen Black Metal, mit dem das Projekt einst begann. Was bereits auf „Spiritus Sylvestris“ angedeutet wurde, wird hier konsequent zu Ende gedacht. Folk, Dark Ambient, sakrale Klangräume, Drone und eine beinahe liturgische Ruhe verschmelzen zu einem Album, das weniger Songs als vielmehr Rituale präsentiert. Statt Aggression dominiert Kontemplation, statt Dynamik die sorgfältige Entfaltung von Atmosphäre.

Bereits das eröffnende „Bevreemdend Klaroengeschal“ setzt den Ton. Akustische Instrumente, verhallte Stimmen und dezente Orgelklänge erzeugen eine mittelalterlich anmutende, aber niemals kitschige Stimmung. Das Zentrum des Albums bildet das knapp zwölfminütige „Zonsonderkomst“. Der Song entwickelt sich langsam, beinahe unmerklich, wobei jede Klangschicht ihren Platz erhält. Droneflächen, dezente Perkussion und melancholische Melodien verdichten sich zu einer hypnotischen Reise, die eher emotional als strukturell funktioniert. Wer eine klassische Songdramaturgie erwartet, dürfte enttäuscht werden. Wer sich auf das Album einlässt, erlebt dagegen eine intensive, fast meditative Klanglandschaft.

Auch die zweite Albumhälfte überzeugt mit ihrer Balance zwischen minimalistischen Arrangements und subtiler Spannung. Besonders „Pilaren Van De Zuivere Blik“ und das abschließende „Bewegingen In Het Afkoelende Zand“ zeigen, wie souverän ISKANDR mittlerweile mit Stille arbeiten. Nichts wirkt überladen oder effekthascherisch.

So faszinierend die Atmosphäre auch ist, „Sacraal“ fordert seiner Hörerschaft einiges ab. Das Album verzichtet nahezu vollständig auf eingängige Höhepunkte oder markante Hooks. Viele Stücke leben von minimalen Veränderungen, die sich erst nach wiederholtem Hören erschließen. Dadurch entsteht stellenweise das Gefühl, dass sich Ideen länger entfalten, als es dramaturgisch notwendig wäre.

Hinzu kommt, dass die fast vollständige Abkehr vom Metal frühere Hörer entfremden dürfte. Wer ISKANDR wegen der rauen, epischen Klanglandschaften der Anfangsjahre schätzt, wird hier kaum noch Anknüpfungspunkte finden. Stattdessen steht die Atmosphäre konsequent über der unmittelbaren Emotionalität. Das macht „Sacraal“ zwar zu einem bemerkenswert homogenen Album, gleichzeitig aber auch zu einem Werk, das stark von der jeweiligen Hörsituation abhängig ist. Nebenbei konsumieren lässt sich diese Musik kaum.

Auch als Vinyl präsentiert sich „Sacraal“ ausgesprochen hochwertig und unterstreicht den künstlerischen Anspruch der Veröffentlichung. Eisenwald spendiert der LP eine stabile Hülle aus Reverse-Board-Karton mit partieller Spot-UV-Lackierung, wodurch das zurückhaltende Artwork eine angenehme haptische Tiefe erhält. Ergänzt wird das Paket durch ein schweres Einlegeblatt auf Karton sowie eine gestaltete Download-Karte. Die Pressung erscheint auf 180-Gramm-Vinyl, wahlweise in klassischem Schwarz oder als transparente Variante. Das gesamte Packaging verzichtet auf übertriebene Effekthascherei und setzt stattdessen auf hochwertige Materialien.

„Sacraal“ ist kein Album, das beeindrucken möchte. ISKANDR erschaffen eine dichte, melancholische Welt zwischen mittelalterlicher Spiritualität, Dark Folk und Ambient, die sich konsequent jeder stilistischen Schublade entzieht. Gerade diese Konsequenz macht die Platte zu einem der eigenständigsten Werke der bisherigen Diskografie. Zwar verlangt sie Geduld und die Bereitschaft, gewohnte Hörgewohnheiten hinter sich zu lassen, doch wer diese Investition eingeht, wird mit einem atmosphärisch außergewöhnlichen Album belohnt, das lange nachhallt.

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Wertung: 7.5 / 10

Samir Kharboutli

Publiziert am von

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