J.B.O. sind, das lässt sich nicht bestreiten, aus der deutschen Musiklandschaft nicht wegzudenken. Das liegt zum einen daran, dass die Franken seit drei Jahrzehnten konstant präsent sind, zum anderen daran, dass sie das in einer rosafarbenen Penetranz tun, die wegdenken, also ignorieren oder gar vergessen, schier unmöglich macht. Und dann sind da natürlich auch noch die Hits, die man den „Verteidigern des Blödsinns“ ja gar nicht abstreiten möchte: Wenn im Oberstübchen die Kombination aus Mittagshitze und Frühstücks-Faxe zündet, kann man ja kaum anders, als „Ein Fest“ zu trällern, um später bei „Ein guter Tag zum Sterben“ mit einzustimmen. Oder eben doch „Geh mer halt zu Slayer“ zu plärren, wennschon uns diese Option seit deren Live-Reunion zumindest in Europa bislang verwehrt geblieben ist. Und so bleibt man eben bei J.B.O.
Denn die sind, so wird das neue Album beworben, eine der „Konstanten“ in einer Welt, „die zunehmend aus den Fugen gerät“. Ein Satz, der Mut machen könnte – aber eigentlich nur mit Blick auf den Zeitstrahl stimmt. Denn ja, seit 1995 liefern J.B.O. spätestens alle drei Jahre ein Album ab, mit „House Of The Rising Fun“ demnach Nummer 15. Das Wort „Konstante“ allerdings ist irreführend – wenngleich ja auch steter Qualitätsabfall eine Form von Konstante sein kann. Dass J.B.O. nämlich in Zeiten, in denen der Chart-Einstieg immer leichter wird, dreimal in Folge niedriger eingestiegen sind (3, 9, 12) und den Platz zudem kürzer halten konnten (6 Wochen, 4 Wochen, 2 Wochen), sagt alles in einer Welt, in der die Menschen für jede Aufheiterung und Ablenkung dankbar sind.
Nun könnte man sagen: Aber J.B.O. machen doch alles wie immer – aber vielleicht ist genau das das Problem. Vielleicht haben neue Generationen ihre eigenen Blödelbands hervorgebracht (man denke an NANOWAR OF STEEL, FEUERSCHWANZ etc. pp.) – vielleicht ist die Blödelei von früher heute aber auch einfach nicht mehr lustig. Ein perfektes Beispiel ist da direkt der Opener „Ma Ma Ma Metal“ (?!), in dem J.B.O. den Boomer-Cringe gleich auf 11 drehen: „Egal, was für Musik sie hör’n, ich versteh’ doch, dass die Welt sich dreht […] Das einzige Problem dabei, auch objektiv gesehen: Was die Kids so hör’n, das kann doch wirklich nicht angeh’n!“ OK, Hannes. Vielleicht ist ihnen, vom Einstiegs-Diss mal abgesehen, die stumpfe Rock-Nummer, die J.B.O. hier abziehen, auch einfach zu dumm? Dass die Erlanger das „House Of The Rising Sun“ nicht komplett abreißen, liegt wirklich einzig und allein am stabilen Fundament des amerikanischen Folk-Hits.
Ähnlich verhält es sich mit „I Kissed A Girl“, bei dessen Neuinterpretation J.B.O. wie jede beliebige Volksfestkapelle klingen. Dass ihre Version dem Hit von KATY PERRY natürlich nicht ansatzweise gerecht wird, ist das eine. Viel frappierender ist die Wahl des Songs an sich – verliert der Text, von einem Mann gesungen, doch nicht nur jedwede Sinnhaftigkeit, sondern wird von einer Hymne auf die Bisexualität zur ekligen Altherren-Phantasie. Womit man, da die weiteren Songs allesamt im breiten Spektrum völliger Belanglosigkeit zwischen punkigem („Stinkefinger“) bis melodischem („Power Sucht Wolf“) Rock herumlungern, direkt zu „Bussi“ skippen könnte. Was man allerdings tunlichst vermeiden sollte.
Kurz die Faktenlage: In der Single-Auskopplung von einem grauenhaften KI-Video begleitet, hauen J.B.O. hier nonchalant eine Coverversion von RAMMSTEINs „Pussy“ raus, die nur eine Frage aufwirft: Was ist schlimmer – der Umstand, dass hier Franken versuchen, auf Bairisch zu singen oder eben doch, dass offensichtlich niemand bei J.B.O. ein Problem damit hatte, im Jahr 2025 RAMMSTEIN zu covern? Diese Frage ist insofern schwer zu beantworten, als die Neuvertonung tatsächlich noch mehr nach ekliger Altherren-Phantasie klingt als zuvor schon „I Kissed A Girl“, zumindest aber auch nicht weniger als der Originaltext des designierten Altherren-Phantasten Lindemann persönlich. Aber auch unabhängig vom Inhalt treibt er jeder mit etwas Sprachgefühl für das Bairische gesegneten Person die Speibe hoch: Aus „zwoa“ wird „zwaa“ und der Dieb wird zum „Diab“ verhunzt. Wer sich ernstlich davon unterhalten fühlt, dass ein Mittfünfziger ihm zu trashigem Volks-Rock „Schmusi Gspusi, scheenes Kind, auf der Alm, da gibt’s koa Sünd“ oder auch „Kumm scho, stell di ned so o – schaun mer mal, dann sehn mer scho“ ins Ohr eumelt, sollte das zum Anlass nehmen, seine Lebensentscheidungen ganz grundsätzlich zu hinterfragen. „Aber wie immer bei J.B.O. geht es nicht nur um Musik. Es geht um eine Haltung“, weiß der Pressetext dazu im Übrigen kundzutun. Das mag schon sein, das „Wofür“ oder „Wogegen“ bleibt jedoch offen. Immerhin: Hinter dem wenig versprechenden Titel „Woke On The Smater“ steckt tatsächlich nur ein Buchstabendreher-Text. Da wäre in diesem Kontext Schlimmeres zu befürchten gewesen.
Tragisch ist schlussendlich nicht einmal, wie schwach „House Of The Rising Fun“ im Vergleich zu früheren Werken der Band ist, sondern wie lieblos – und das in wirklich jedem Aspekt: Schon beim Cover drängt sich die Frage auf, ob hier KI im Spiel war, und wenn nein, warum nicht. Bei der Musik ist es nicht anders: Vom Arrangement der Songs, über die Texte bis zum Sound ist das Gesamtpaket in einem Maße seelenlos, das selbst einem Computerchip peinlich gewesen wäre. Wer sich von „Mein Arsch“ unterhalten fühlt, kann eigentlich direkt mit KI-Schlager-Star Katja Klöten und ihrem Mega-Hit „Auch mal in Arsch muss sein“ weitermachen. Restlos KI-generiert dürfte im Übrigen auch der Pressetext selbst sein – kein fühlendes Wesen könnte über dieses Machwerk ohne Magenkrämpfe schreiben: „Es ist ein Album, das nicht nur zum Lachen anregt, sondern auch zum Nachdenken.“ Wobei es ja tatsächlich die eine oder andere Frage aufwirft: „Warum?“, „Warum ich?“, und „Wer gibt mir diese 2.634 Sekunden wieder?“ wären die drängendsten.
Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 2.5 / 10



Ich schätze die Meinung des Rezensenten generell und mag auch den herausfordernden, aneckenden, zur Auseinandersetzung führenden Stil… nämliches hat mich dann zu folgendem Kommentar gebracht.
Ich bin kein Fan von J.B.O., war ich nie, deren Witz war nie meine Baustelle. Aber, hier finde ich ein paar Aspekte too much. Zum Beispiel beim Kate Perry Cover: Die Qualität des Textes sei jetzt mal generell dahingestellt, alleine schmuddelig oder dergleichen ist der Text mMn an keiner Stelle, total jugendfrei würd ich meinen. Den kann man dann doch auch als Mann mitgehen, etwa als Fan singen, ohne schmuddelig, gar eklig zu gelten, oder?. Den schnellen Schluss auf eine eklige Altherrenphantasie zu ziehen, hmmm? J.B.O. sind noch keine 60… auch ältere Menschen haben Sexualität… ein genauso schützenswertes Gut, wie die der Jugend. Dass Vito C. das singt, könnte ja mit der Textstelle “I kissed a girl just to try it, I hope my boyfriend don’t mind it“ auf die Öffnung eines Homosexuellen hin zu einer Bisexualität weisen, ein genauso wertvolles Entdecken wie jedes andere auch.
Und dann gleich nochmal die eklige Altherrenfantasie bei Bussi. Mich stört da einfach, dass eine Altherrenfantasie generell mit eklig als abwertender Begriff gefasst wird, obwohl ich jetz 20 Jahre jünger als J.B.O bin und mich natürlich nicht alt empfinde. Einfach mal eine 18-jährige zur Fantasie eines 30-jährigen befragen; „Altherren“ könnte schon fallen. Es ließe sich ja auch so sehen, wie das Wildwuchs-Magazin argumentiert: „Tatsächlich geht es jetzt etwas gesellschaftskritisch weiter. „Bussi“ handelt vom Oktoberfest. Und wenn man sich das Musikvideo zum Song anschaut, weswegen ich dieses auch über diesem Absatz eingefügt hab, stellt man fest, dass man hier wohl mit der Dekadenz und der Doppelmoral, die auf Events wie z.B. dem Oktoberfest vorherrscht, abrechnen möchte. „Auf der Wiesn gibts ka Sünd“ bekommt gleich eine andere Bedeutung, wenn man dazu die Karikaturen von geifernden Männern mit Frauen in den Armen, die zwar gezwungen lächeln, dabei aber die Panik in den Augen stehen haben usw.“ (wildwolf-magazin) Ich finde schon, dass sich aus dem Text, der auf die Heile-Welt-Münchner-Bussi-Gesellschaft abzielt, und diesem vordergründigen Arsch-Titten-Raus-Video eine Doppelmoral ergibt; kann Wildwuchs da schon nachvollziehen…
Musikalisch finde ich Platte beim kurz Reinhören – mehr pack ich nicht – nicht platter als den üblichen Schmäh der Truppe. Am Schluss haben wir dann zur Musik die gleiche Meinung…
Hi Fenrir, versteh mich bitte nicht falsch – so, wie bei „Alter, weißer Mann“ ein Muster gemeint ist, und nicht jede Einzelperson, steht natürlich auch die „Altherrenphantasie“ für ein Muster. Darunter fällt für mich etwa, wenn (seit langem) erwachsene Männer über Frauen als „schönes Kind“ sprechen – das ist einfach, ich kann es nicht anders sagen, widerwärtig. Insbesondere, wenn der Text andeutet, dass überredet/genötigt wird. Natürlich KANN man das jetzt als sozialkritisch schönreden (wie auch die „Kritik“ an der Wiesn). Allein, mir fehlt der Glaube, und wenn man sich die Kommentare auf der Boomer-Plattform Facebook anschaut, sieht man, dass diese „Kritik“, so sie denn als solche gemeint war, spätestens bei den Fans nicht mehr als solche wahrgenommen wird. Selbiges gilt für den Perry-Song: Du glaubst doch nicht wirklich, dass JBO das so gemeint haben oder die Fans das so wahrnehmen? Und um das vorwegzunehmen: Ja, doch, ich finde, dass der Künstler in einem solchen Fall auch die Rezeption seiner Kunst durch die Zielgruppe mitdenken muss.
Humor lebt von Timing und das haben JBO nach Meister der Musik verloren. Mit Blick auf die Jahreszahl, als das Album erschien (1998), weiß man dann auch wie lang das MHD von JBO schon abgelaufen ist.
Nanowar of Steel sind neben allem Nonsense musikalisch auf der Höhe (und man kann dir Musik sogar gut finden, ohne lustige Texte!), funktionieren international und haben die Internet-Meme-Kultur gecheckt. JBO wirken wie ein übriggebliebener Boomeralptraum, der sich mit „man wird ja wohl noch sagen/darüber lachen“-Themen beschäftigt und Dinge verharmlost, die alles andere als harmlos sind. Schlecht für JBO, dass sie auf Malle nicht funktionieren, denn das berauschte Klientel dort, würde sich eventuell sogar darüber amüsieren können. Letztendlich müssen sie halt so weiter machen und auch aus dem letzten schlechten Dad-Joke noch was rausquetschen. Ein bisschen wie der peinliche, dauerdichte Onkel auf Familienfeiern, der über jeden seiner eigenen, lauten Fürze lacht.
Mir ist am Ende aber wichtig als Oberfranke zu betonen, dass das Franken von JBO nichts mit unserem zu tun hat :D