CD-Review: Jégzivatar - Misanthropia (EP)

Besetzung

Adrian Pénzes – Gesang, Instrumente

Tracklist

01. Intro: Burokba Roskadó Út
02. Majd Kõ Leszek
03. Lelkek Ösvényén
04. Természet Feltámadása
05. Misanthropia
06. Outro


Ungarns Metal-Szene hat bisher leider nur wenige Bands hervorgebracht, deren Bekanntheitsgrad über die Landesgrenzen hinausreicht. Umso erfreulicher ist es also, wenn sich eine aufstrebende junge Band zu Wort meldet und etwas veröffentlicht, das der Heimat von Ektomorf und Thy Catafalque möglicherweise etwas mehr internationale Aufmerksamkeit verschafft. Ob JÉGZIVATAR, das Atmospheric-Black-Metal-Soloprojekt von Adrián Pénzes, dieser Aufgabe gewachsen ist, ist zu bezweifeln, denn die ganze sechs Jahre nach dem Debütalbum „Az Elme Játéka“ erscheinende EP „Misanthropia“ richtet sich ganz klar an eine Underground-Hörerschaft.

Dass JÉGZIVATAR voraussichtlich nicht als die nächste Atmospheric-Black-Metal-Sensation gehandelt werden wird, liegt definitiv nicht an einem Mangel an Eigenständigkeit. Anstatt seine Songs an die Gepflogenheiten des gegenständlichen Nischengenres auszurichten und sie um einen Kern aus sphärischen Keyboardklängen zu arrangieren, konzentriert sich Pénzes beim Aufbau von Stimmung ganz auf sein Spiel mit den Saiten.

Mit melancholischen Clean-Gitarren wie auf dem Intro „Burokba Roskadó Út“ und wie durch dichte Nebelschwaden flatternden Leadmelodien („Természet Feltámadása“) erschafft JÉGZIVATAR tatsächlich einen mystischen Grundton, der den weitgehend im getragenen Midtempo gehaltenen Nummern gut zu Gesicht steht. Aus kompositorischer Sicht kommt „Misanthropia“ somit auch ohne Keyboards prima zurecht. Sound- und spieltechnisch sieht die Sache hingegen leider anders aus. Insbesondere die Screams, die derart gedämpft klingen, dass davon kaum mehr als ein leises Grummeln zu vernehmen ist, und die schrecklich ausgedünnten, kraftlosen Drums stehen durch die unscharfe, unausgeglichene Produktion nicht besonders gut da.

Ausgesprochen störend ist neben dem misslungenen Sound aber auch die eher schlampige Performance an den Instrumenten, die JÉGZIVATAR selbst unter Zuhilfenahme der rauschenden Lo-Fi-Produktion nicht zu kaschieren vermag. Gerade diese Ungenauigkeiten machen es dem Hörer schwer, in an sich durchaus atmosphärische Passagen wie den Auftakt von „Természet Feltámadása“ vollends einzutauchen.

Im Grunde genommen zeigen sich auf „Misanthropia“ einige wirklich interessante Ansätze. Dass die EP trotz ihrer kurzen Spielzeit von gut 20 Minuten wie ein in sich geschlossenes, stimmig aufgebautes Werk und nicht nur eine schlichte Sammlung einer Handvoll Songs wirkt, ist eindeutig den kreativen Gitarrenmelodien zu verdanken. Über den beinahe in allen Punkten verkorksten Klang und die nicht immer ganz einwandfreie Aufnahmequalität kann man sich damit jedoch nur schwerlich hinwegtrösten. Einen groben Grundriss seiner Vision hat JÉGZIVATAR damit zwar schon mal erfolgreich aufgezeichnet, an den Details wird der ungarische Solomusiker in Zukunft aber noch um ein Vielfaches gewissenhafter feilen müssen.

Keine Wertung

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