JUNIUS sind eine dieser Bands, die nur schwer einer Sparte zuzuordnen sind. Post Punk? Etwas Gothic? (Post) Metal, Wave oder Ambient? Die Truppe aus Boston schert sich wohl am allerwenigsten darüber, wo sie hingehören möchte. Nach eben dieser Philosophie präsentiert der Vierer jetzt sein mittlerweile viertes Album „Sotera“. Im Vergleich zu ihren konventionellen Anfängen im Post Metal orientiert sich die Formation dieser Tage an der Schwere ihres Debüts „The Martyrdom Of A Catastrophist“ und der Dynamik von „Eternal Rituals For The Accretion Of Light“.
Der Opener „Disciple“ eröffnet „Sotera“ mit beschwörenden Chören und geht unvermittelt in schwere Riffs über, getragen von schleppendem Drumming und dichter Atmosphäre. Was direkt auffällt, ist die leicht entrückte Stimmung bei gleichzeitig massivem Drive und einer Geradlinigkeit, die bis dato eher untypisch für JUNIUS gewesen ist. Es entsteht unmittelbar ein Sog – vorausgesetzt natürlich, man möchte sich darauf einlassen.
Dass es JUNIUS offenkundig Spaß macht, derweil etwas brachialer zu Werke zu gehen, zeigen auch die folgenden schweren Riffwände von Eoghan McCarthy, Matthew Vincenty und Joseph E. Martinez. Der ebenfalls als Sänger tätige Gitarrist erinnert auf „The Oracle“ nicht selten an Robert Smith. Zwar sind die Arrangements spürbar weniger ausufernd und insgesamt simpler gehalten, ein Nachteil ist das für „Sotera“ allerdings nicht. Die Stücke bekommen dadurch Raum zum Atmen, ohne dass übermäßige Längen entstehen. So kann sich ein Stück wie „Summon Her“ voll und ganz in seinen charmanten MANES-Reminiszenzen ergehen, ohne auch nur ein Stück an Zugkraft durch die starken Gitarren- und Schlagzeugarrangements zu verlieren.
Der kautzige Sound von Saiten und Keyboards funktioniert auch im Folgenden sehr gut. Zwar schafft es dahingehend zum Beispiel das kurze „Initiatrix“ nicht dergestalt mit Tiefe zu überzeugen wie seine Vorgänger, aber spätestens mit dem zu seiner Stimmung passenden „Darkwater“ sind JUNIUS zurück auf der Spur. Dieser Titel zeigt die Band reduzierter und dunkler als zuvor. Drummer Dana Filloon gibt ein zuerst schleichendes Fundament für eine einzelne Leadgitarre, die so vergessen wie dünkelnd neben dem Rhythmussegment herläuft, ehe nicht nur groovige Härte, sondern auch viel Raum – hier durch hintergründige Chöre umgesetzt – zurück in den Song findet.
Große Klangflächen wie auf „Serpent“ bauen sich auf, um just im Moment ihrer Entfaltung wieder zerschlagen zu werden und anschließend neu zu erstehen. Eine Wellenbewegung, in die man sich spätestens ab der Mitte des Albums gut hineingefunden hat. So ist man fast etwas traurig, wenn sich „Sotera“ mit „Scythian“ in seinen letzten Akt begibt. Dessen majestätische Chöre wirken hier fast zyklisch gesetzt. Wie es begann, muss es enden. Schnell mischen sich schneidende Gitarren unter und Synthesizerflächen führen den Song in seine vollständige Größe.
Nach den letzten Tönen von „Sotera“ fällt es schwer, das Gehörte sofort einzukasten. Sicher ist die Platte nicht für nebenbei. Klar ist auch, dass man raue, ungeschönte Brachialität mit teils harten Einbrüchen und viel Oldschool-Keyboard-Epik mögen muss, und genauso wenig ist von der Hand zu weisen, dass nicht jeder Song durchweg Spannung erzeugen kann, sofern man nicht bereit ist, Geduld zu investieren. Trotzdem oder gerade deswegen ist „Sotera“ zu einer sehr genussvollen Nischen-Veröffentlichung geworden, mit der sich besonders Fans von THE CURE, MANES, 1476 und MY DYING BRIDE wohlfühlen dürften.
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Wertung: 7.5 / 10


