Das Cover von "Karakuchi" von Kaleidobolt

Review Kaleidobolt – Karakuchi

2014 in Helsinki gegründet, sind die finnischen Rocker KALEIDOBOLT mittlerweile keine Newcomer mehr – vor allem hierzulande dürfte die Truppe aber immer noch eher unbekannt sein, obwohl sie bereits vier Alben und eine Live-CD im Rückspiegel hat. Seit einiger Zeit ist das Power-Trio bei dem Label Svart Records unter Vertrag, das nun auch deren fünfte volle Platte „Karakuchi“ auf den Markt bringt. Es bleibt zu hoffen, dass die den Finnen ein breiteres Publikum eröffnet, denn wie sich zeigen soll, hätten sie das verdient.

KALEIDOBOLT machen es einem auf ihrem fünften Album gar nicht so einfach, sie einzuordnen. Vorrangig spielt das Trio energetischen Garage-Rock wie im Opener „Tinkerbell“, „Lights On, Nobody Home“ oder „Turn Of Luck“. Das erinnert viel an skandinavische Street-Rocker wie THE HELLACOPTERS, wenn man sie mit einer ordentlichen Schippe Dreck bewirft, denn die Finnen sind eine ganze Ecke rotziger als ihre schwedischen Kollegen unterwegs. Dabei ist es kaum verwunderlich, dass sie „Tinkerbell“ als erste Single ausgewählt haben, denn der Titel ist auch das mit Abstand zugänglichste Stück auf „Karakuchi“.

Die Burschen aus dem Land der tausend Seen mischen ihren rotzigen Rock nämlich mit allerhand weiteren Einflüssen zu ihrem ganz eigenen Stil-Cocktail. In Nummern wie „Coping“ und „A Chance Of A Lifetime“ trifft finnische Kauzigkeit auf die Attitüde britischer Beatniks aus den 60ern, verpackt in Psychedelic, und im zähen „Duuude“ wird es plötzlich sogar richtig düster und heavy. Der Sound von KALEIDOBOLT ist also reichlich abwechslungsreich und mehr als nur ein bisschen progressiv, wobei die rotzige Angriffslust des Dreigespanns immer wieder von mitreißenden Refrains und unerwartet anschmiegsamen Melodien kontrastiert wird – bestes Beispiel: „Astro Boy/Ochanomizu“.

Nach eigener Aussage haben KALEIDOBOLT ihr neues Album anders als seine Vorgänger live im Studio eingespielt. Das erklärt, warum allen Songs ein charmanter Jam-Charakter innewohnt, der „Karakuchi“ angenehm spontan erscheinen lässt. Das passt hervorragend zur verspielten, oftmals von ausgedehnten Instrumentalparts geprägten Musik. Zusammen mit der druckvollen und doch erdigen, analogen Lo-Fi-Produktion ergibt das ein in jeder Hinsicht authentisches Bild. Die Songs der Finnen mögen nicht übermäßig technisch sein und es sticht kein einzelnes Element besonders hervor, aber der Gesamtsound ist in seiner Eigenständigkeit spektakulär.

KALEIDOBOLT passen nicht leicht beziehungsweise gar nicht in irgendwelche Schubladen. Zumindest mit einem Bein im skandinavischen Rotzrock beheimatet, drückt die Truppe aus Helsinki diesem Sound dank nicht vorhandener musikalischer Scheuklappen ihren ganz eigenen Stempel auf und ist so nur schwer mit anderen Bands vergleichbar. Wer Musik für nebenbei sucht, muss das vielleicht an anderer Stelle tun – andererseits präsentieren sich KALEIDOBOLT auf „Karakuchi“ aber auch so zugänglich, dass es nicht allzu schwerfällt, sich auf sie einzulassen. Und es lohnt sich in jedem Fall!

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Wertung: 8.5 / 10

Thomas Meyns

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