Review Kaputth – I

  • Label: Eigenproduktion
  • Veröffentlicht: 2024
  • Spielart: Doom Metal

‚Kapuuuut!‘, ruft der Kampfroboter, ‚Kapuuuut!‘ “ Genauer gesagt, der lädierte, aber immer noch imposante 128 Kilogramm schwere und 2,56 Meter große Kampfroboter Mickey in Marc-Uwe Klings Roman „Qualityland“. Das hat natürlich rein gar nichts mit der Nürnberger Doom-Band KAPUTTH zu tun, passt aber irgendwie trotzdem: Wegen der Assoziation, die die Schreibweise des Bandnamens weckt. Weil KAPUTTH live in grauen Overalls auftreten, die auch als Arbeitskleidung des Betreibers einer Schrottpresse für dysfunktionale Roboter durchgehen würde. Und weil auch KAPUTTH für das, was sie sein wollen, eigentlich viel zu lieb sind.

Tonnenschwerer, harter Stahl – zu Doom Metal passen diese Begriffe. Und damit auch irgendwie zu den erst 2021 gegründeten KAPUTTH und deren Ende 2024 erschienenem Debüt „I“: Nach einem recht überflüssigen Intro geht es mit „Ich sehe keine Tannen mehr“ stimmungsvoll über verhallte Cleangitarren in ein Riff, für das selbst routinierte Funeral-Doom-Fans viel Geduld mitbringen müssen, ehe KAPUTTH das Tempo nach fünf Minuten zumindest etwas anziehen. Mit der Rückkehr zur Cleangitarre und einem majestätischen Slow-Motion-Solo verklingt der Song, der mit seinen 11:32 Minuten übrigens zugleich der größte Brocken auf „I“ ist. Eigentlich den gleichen Effekt bei quasi gleichem Aufbau erzielt allerdings „N(osferatu) 3“ in etwa der halben Zeit (6:30 Minuten).

Auffällig ist dabei zum einen der sehr klare Gitarrensound, der anders als im traditionell halligen Doom Metal sehr trocken und wenig düster produziert ist, zum anderen der über weite Strecken sehr klar artikulierte Gesang. Letzterer ist Geschmackssache, nicht zuletzt, da die auf Deutsch verfassten Texte nicht restlos zu begeistern wissen. Der Sound jedoch passt zumindest zu dem, was nun folgt: Denn gerade als man meint, KAPUTTH begriffen zu haben, wechseln diese recht resolut das Genre: „Scheise was is pasirt“ (sic) klingt auf einmal über weite Strecken eher nach Stoner-Rock, während „Erst die Schlacht, dann das Sterben“ mit einem flotten Riff im galoppierenden Rhythmus fast thrashig anmutet – ehe KAPUTTH etwa zur Songmitte auf Ambient-Sounds und sphärische Gitarren switchen. Das ist zwar alles in allem bemüht vielseitig – allerdings weder sonderlich schlüssig komponiert noch im Resultat überzeugend.

Das ist schade, denn mit dem wieder deutlich traditioneller doomigen „Kaventsmann“ (Bass-Intro, schleppendes Riff, verträumte Leads, später sehr gelungener Klargesang und zum Abschluss forschere Gitarren und kraftvoll herausgeschriener Gesang) haben KAPUTTH noch ein echtes Ass im Ärmel. Auch „Auf dem Gipfel ein Sturm“ und „Bergschwer“ – warum denn dann nicht gleich ein konsequent alpines Album-Konzept à la OMEGA MASSIF? – liefern KAPUTTH nochmal soliden Doom Metal, an dem (je nach Geschmack) höchstens die bisweilen etwas platten Texte stören.

„I“ ist ein klassisches Debütalbum – mit ein paar herausragenden Songs, die die Qualitäten der Band hervorheben (allen voran: „Kaventsmann“), aber eben auch eher experimentelleren Stücken, die der Albumatmosphäre nicht grade zuträglich sind („Erst die Schlacht, dann das Sterben“). Was „I“, neben einem zur Atmosphäre der Musik passenden Albumtitel, fehlt, ist der Flow, der einen vom ersten bis zum letzten Ton mitreißt. Das ist bei der gebotenen Qualität Jammern auf hohem Niveau, vor allem aber in der Findungsphase einer Band vollkommen normal – fällt aber bei einer reinen Vinyl-Veröffentlichung, bei der man nur schwerlich skippen kann, leider etwas stärker ins Gewicht.

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Wertung: 7 / 10

Moritz Grütz

Publiziert am von

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