CD-Review: Karies - Es geht sich aus

Besetzung

Benjamin Schröter
Max Nosek
Jan Rumpela
Philipp Knoth

Tracklist

01. Es ist ein Fest
02. A
03. Jugend
04. Keine Zeit für Zärtlichkeit
05. Mühlen
06. Ostalb
07. Überlegen
08. Frage Antwort
09. Es geht sich aus
10. Pervers
11. Einheiten


Spätestens seit 2013 ist KARIES nicht mehr nur der dem Lateinischen entstammende Begriff für Zahnfäulnis, sondern auch der Name einer Stuttgarter Post-Punk-Band, die damals ihr erstes Release „Fun ist ein Stahlbad“ veröffentlichte. Drei Jahre später legen die vier jungen Musiker nun mit „Es geht sich aus“ ihr zweites Studioalbum vor. Dabei handelt es sich um einen jener Fälle, in denen das Artwork exakt das wiedergibt, was auch die Musik dahinter ausdrückt. „Es geht sich aus“ ist somit ein steriles, kaltes und monotones Amalgam aus Post-Punk, Cold Wave und ein wenig Noise.

Erfreulicherweise verzetteln sich KARIES jedoch nie zu sehr in gewagten Experimenten, sondern halten ihre Songs sogar relativ leicht zugänglich. Denn trotz der monotonen Herangehensweise, die in erster Linie durch die vergleichsweise spärlich eingesetzten Vocals und die geradlinigen Songstrukturen zu Tage tritt, sind die Tracks im Vergleich zueinander doch so verschieden, dass KARIES den Hörer nahezu durchgehend bei der Stange halten. So schaffen KARIES den Spagat zwischen ruhigen, nachdenklichen Nummern („Jugend“, „Einheiten“) und fetzigeren, aber nicht minder melancholischen Tracks („A“, „Es geht sich aus“).
Dass das Album bezüglich der allgemeinen Atmosphäre dennoch sehr stringent wirkt, ist vor allem den kalten Gitarrenmelodien zu verdanken, die sowohl in den wilderen als auch in den sanfteren Momenten ein Gefühl urbaner Tristesse transportieren. Dies vermitteln auch die auf den ersten Blick sehr vagen, reduzierten Texte, die bei genauerem Hinhören so manche mehrdeutige Spitzfindigkeit offenbaren. Dazu passend ist der Gesang zumeist gezielt eintönig eingesetzt, lediglich im Titeltrack lassen KARIES kurz ungehemmt ihren Frust raus. Ein wenig übertreiben es die Herren manchmal mit der Monotonie, sodass beispielsweise „Ostalb“ ein wenig zu unspektakulär erscheint. Glücklicherweise handelt es sich dabei um eine von nur wenigen Ausnahmen.
Während die Drums eher simpel, aber effektiv insbesondere in den flotteren Passagen der Musik von KARIES einiges an Punch verleihen, zieht der Bass sogar oft als führendes Instrument die Aufmerksamkeit auf sich, allen voran die verdammt coole Bassline in „Keine Zeit für Zärtlichkeit“. Obwohl „Es geht sich aus“ im Großen und Ganzen einfach gestrickt und leicht zu erfassen ist, überraschen KARIES immer wieder mit kleinen Details wie zum Beispiel stimmungsvollen Backing-Gitarren, wodurch die Songs sich doch als vielschichtiger herausstellen, als sie es anfangs zu sein scheinen.

Alles in allem ist „Es geht sich aus“ eine in sich stimmige, atmosphärische Platte geworden, auf der sich viele an sich gegensätzliche Attribute die Waage halten. Zwar können nicht alle Tracks so sehr begeistern wie der schwermütige Opener „Es ist ein Fest“, das energetisch-groovende „Keine Zeit für Zärtlichkeit“ oder der stimmungsvolle Titeltrack, doch insgesamt ist KARIES hiermit eine tolle Dreiviertelstunde unterkühlter Musik gelungen, die nur ganz selten den Spannungsbogen überspannt. Definitiv ein Leckerbissen für Cold-Wave-Fans.

Bewertung: 7 / 10

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