CD-Review: Kartikeya - Samudra

Besetzung

Anton Mars – Gesang
Roman Arsafes – Gitarre, Gesang, ethnische Instrumente
Sasha Miro – Bass
Alex Smirnov – Schlagzeug
Dimitriy Drevo – Perkussion
Misha Talanov – Geige

Gastmusiker:
Sai Shankar – Gesang (Track 10)
Aleksandra Radosavljević – Gesang (Track 05)
Karl Sanders (Nile) – Gitarre (Track 10)
Keith Merrow – Gitarre (Track 05)
David Maxim Micic – Gitarre (Track 11)
Shravan Sridhar – Geige (Tracks 06, 08)
Gennadiy Lavrentiev – Geige, Tabla, Konnakol (Track 03)
Arjun Mpn – Bansuri (Track 01)

Tracklist

01. Dharma Pt. I – Into The Sacred Waves
02. Tandava
03. Durga Puja
04. Pranama
05. The Horrors Of Home
06. Mask Of The Blind
07. Samudra
08. The Golden Blades
09. We Shall Never Die
10. Kannada – Munjaaneddu Kumbaaranna
11. Tunnels Of Naraka
12. The Crimson Age
13. Kumari Kandam
14. Dharma Pt. II – Into The Tranquil Skies


„Carnatic Metal“ nennt das russische Sextett mit dem Namen KARTIKEYA seine Musik. Dieser Begriff allein wird vermutlich bei den wenigsten Interessenten für Klarheit sorgen. Wer jedoch weiß, dass es sich bei karnatischer Musik um südindisches, hinduistisches Liedgut handelt, der kann wohl schon erahnen, dass KARTIKEYA in westlichen Ohren einige Parallelen zu Nile und ihrem ägyptisch geprägten Death Metal aufweisen. Und siehe da, auf „Samudra“, dem dritten Album der Groove-/Death-Metaller, das genau zehn Jahre nach dem Debüt „The Battle Begins“ erscheint, hat Tech-Death-Meister Karl Sanders sogar einen Gastauftritt. Doch auch, wenn man die Beiträge der Sessionmusiker ausblendet, hat „Samudra“ eine Menge zu bieten.

Neben der Schar von talentierten Künstlern, die KARTIKEYA bei der Umsetzung ihrer musikalischen Vision unterstützen, erweckt auch das Konzept hinter der über 70 Minuten langen Platte einiges an Neugier. „Samudra“ soll der Auftakt einer insgesamt fünf Alben umspannenden Serie sein, im Zuge derer sich die Russen mit den Elementen des indischen Glaubens auseinandersetzen – angefangen beim Wasser. Wie auch das flüssige Element ist „Samudra“ vor allem eines: wechselhaft. Zwar speist sich der groovige, betont moderne Death Metal im Fall von KARTIKEYA in den meisten Songs aus einem Fluss von kräftigen Growls, technisch anspruchsvollen Riffs und Soli („We Shall Never Die“) und ebenso komplizierten, brachialen Schlagzeugrhythmen.

Doch man stößt immer wieder auf Abschnitte oder sogar ganze Tracks, die sich außerhalb dieses Schemas bewegen. Insbesondere die verspielten, orientalischen Streich- und Zupfinstrumente sind mal um mal für eine Überraschung gut, wie etwa im epischen „Mask Of The Blind“ oder im kämpferischen „Golden Blades“, die beide zu den größten Highlights der Platte zählen. Doch auch Bläser, stimmungsvolle Keyboards, spirituell angehauchte Chöre und verschrobene ethnische Gesangseinlagen („Kannada – Munjaaneddu Kumbaaranna“) finden bei KARTIKEYA ihren Platz.

Wenngleich ebenjene Stilmittel an manchen Stellen etwas zu schrill und irritierend wirken, ist es doch durchwegs spannend, beim Zuhören zu rätseln, welche Schätze im Folgetrack noch darauf warten, entdeckt zu werden. Dass KARTIKEYA beispielsweise im sphärischen Titeltrack ausschließlich auf mysteriöse, ruhige Cleans und trockene, abendländische Gitarrenmelodien setzen oder dass das abschließende „Dharma Pt. 2 – Into The Tranquil Skies“ satte 13 Minuten lang ist und trotzdem durchgehend bei Laune hält, wird wohl kaum jemand im Vorhinein erwarten.

„Samudra“ hat wie die meisten Alben gewiss seine Schwachstellen. Die Produktion ist zum Beispiel zu steril, wie es bei so vielen Modern- und Groove-Metal-Scheiben der Fall ist, und das eine oder andere mal überspannen KARTIKEYA mit ihren indischen Einflüssen den Bogen, was dann schon mal etwas schrullig rüberkommen kann. Nichtsdestotrotz beeindruckt die sechsköpfige Truppe vor allem aufgrund ihrer spielerischen Fähigkeiten und ihres Einfallsreichtums. Obwohl ihre stilistische Bandbreite weit gefächert ist, gehen viele der Nummern schnell ins Ohr und machen trotzdem auch nach mehreren Durchgängen noch Spaß. Wer gewillt ist, beim Musikhören ein wenig über den kontinentalen Tellerrand zu blicken, sollte „Samudra“ also auf jeden Fall eine Chance geben.

Bewertung: 7.5 / 10

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