Review Keep Of Kalessin – Kolossus (Re-Issue)

Wie heißt es so schön: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Oder im Falle dieser Besprechung: „Wer „Reptilian“ sagt, muss auch „Kolossus“ sagen.“ Denn auch dieses Album von KEEP OF KALESSIN wurde über Season Of Mist wiederveröffentlicht – genauer am 14.02.25. Da ist es natürlich nur konsequent, sich auch diese Platte noch einmal etwas genauer anzuschauen.

Was im Vergleich zu „Reptilian“ bei „Kolossus“ sofort auffällt, ist die wesentlich „aufgehellte“ Stimmung. Das meint nicht das Fehlen „böser“ Melodien per se – davon hat beispielsweise der Song „Against The Gods“ schon genug. Viel eher ist es so, dass dem gegenüber mit Songs wie „A New Empire’s Birth“ und „Ascendant“ Stücke geboten werden, die den Begriff der träumerischen Riff-Epik weit ernster nehmen, als es später bei „Reptilian“ der Fall war. Auf ersterem Song wird die Double-Bass gewohnt und unermüdlich durchgetreten, während die Riffs zwar nach Keep-Of-Kalessin-Art frickelig, jedoch weicher über das Rhythmussegment fliegen. Sänger Thebon fährt von Beginn an die ganze Palette seines Könnens auf.

Tracks wie das vehemente „Against The Gods“ oder das walzende „The Rising Sign“ hätten so auch ohne Weiteres auf „Reptilian“ stattfinden können –  zweiterer kann nach der wilden Raserei seiner ersten Minuten dann sogar einen sehr stimmungsvollen akustischen Part aufbieten, bei dem sich Tastenarrangements und Akustikgitarren gegenseitig umschmeicheln.

Zwischen all der Raserei und gegensätzlichen Träumerei platziert sich die rockige Attitüde eines „Warmonger“ recht angenehm, weil neben dem Drummer auch der Hörer mal ein wenig zu Atem kommt – zumindest streckenweise. Allerdings kann man das Gefühl haben, dass speziell dieser Song eher ein B-Seiten-Kandidat war. Denn – so offen muss der Schreiber sein – spätestens hier wird der Gebrauch von Double-Bass und Blastbeats inflationär und zudem ärgerlich eintönig. Natürlich schmälert das nicht die hohe instrumentale Kunst, die beispielsweise „Escape The Union“ mit seiner Vielzahl an Melodielinien und Tempowechseln anzubieten hat, oder die Wucht, mit der die Gitarrenwälle eines „The Mark Of Power“ über den Zuhörer hinwegfegen.

Das Problem von „Kolossus“ ist eher, dass es nicht selten Längen fährt, die durch kompaktere Songs hätten ausgebügelt werden können. Der Umstand dass auf dem Album nicht ein Song ohne überlange Blast-Passagen auskommt, ist das eine. Andererseits fehlt bei allem aber einfach auch so ein richtiges Highlight der Marke „The Awakening“ oder „The Reptilian Dynasty“ – und so erklärt sich, dass von den Songs auf „Kolossus“ nur wenig im Gedächtnis verbleibt. Da ist es ein echter Trost zu wissen, dass „Reptilian“ die Stolpersteine von „Kolossus“ sauber wettmachen konnte.

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Wertung: 6.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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