Review Keep Of Kalessin – Reptilian (Re-Issue)

Also, was hätten wir heute gern? Etwas rabiaten Black Metal? Einen Hauch von stilechtem Thrash und Heavy Metal? Ansonsten hätten wir auch noch ein bisschen Death und Epic Metal anzubieten. „Alles zusammen!“, ist leider nicht möglich – schließlich geht’s hier ja nicht um All-you-can-eat für die Ohren. Oder etwa doch?

Was erst mal wie ein echt irres Wagnis klingen mag, haben KEEP OF KALESSIN am 10. Mai 2010 mit ihrem Album „Reptilian“ treffsicher ins Werk gesetzt. Am 21.03.2025 – und damit knapp 15 Jahre nach dem Original-Release – hat das französische Label Season of Mist ein Re-Issue dieser Platte herausgebracht. Grund genug für uns, nicht nur unsere KOK-Besprechungen fortzuführen, sondern auch die Gelegenheit zu nutzen, einmal zurückzublicken.

„Reptilian“ stellte vor 15 Jahren das fünfte Album der vielschichtigen Norweger dar. Damals wie heute steht die Band für facettenreichen Extreme Metal. Ohne große Umwege klärt das schon ein Song wie „Dragon Iconography“. Anleihen von Black und Thrash Metal fließen in konsequenter Raserei zusammen und werden hin und wieder von epischen Chören unterfüttert. Dass KEEP OF KALESSIN über weite Strecken auch amtlich grooven können, beweisen sie auf „The Awakening“. Epische, chorale One-Liner schrauben nicht nur die Wucht hoch, sondern erweitern auch das ohnehin schon locker sitzende Korsett.

Zwei „Reptilian“-Highlights, die es ebenfalls zu benennen gilt, sind „The Dragontower“ und der überlange Albumcloser „Reptilian Majesty“. Ersterer zeichnet sich – in gewisser Weise konträr zum Schlusstrack – durch seine konsequente Eingängigkeit aus. Selbstverständlich: Jedem Black-Metal-Puristen dürfte es bei dem schmissigen Riffing und einem Beinahe-Schunkel-Refrain schwindlig werden – aber hey, es funktioniert. Die Instrumentalisten grooven sich mit fast stoischer Gelassenheit durch die Nummer, während sie die griffigen Melodien über den nicht minder eingängigen Gesang von Ex-Sänger Thebon komplettieren. Kein Wunder, dass KEEP OF KALESSIN es mit dieser Nummer zum Eurovision Song Contest geschafft haben.

„Reptilian Majesty“ beschließt „Reptilian“ dann in Form eines fast 15-minütigen Übersongs, den KEEP OF KALESSIN tatsächlich sinnstiftend zu füllen wissen. Beginnend mit hochmelodischer Rasanz und aggressiven Screams werden die Black-Metal-Fans ohne Umwege eingesackt, während der Song durch einen Twist mit ausgedehnten Keyboardflächen dem einen oder anderen Avantgardisten sanft zuzwinkert – und über sehnsuchtsvolle Soli auch so manchen frühen Heavy-Metal-Freigeist abholt. In jedem Fall aber steht „Reptilian Majesty“ exakt für das, was KEEP OF KALESSIN damals sein wollten: abwechslungsreich, frei, ausladend.

Am Ende ist „Reptilian“ in allen Belangen das, was Metal fühlbar macht: Epik, Emotion, Wut. Es ist dabei vollkommen gleichgültig, ob einen der große Refrain von „Dark As Moonless Night“ für sich einnimmt oder ob man sich während der mächtigen Chöre von „The Divine Land“ ins Heilige Land führen lässt. Der Grund, warum „Reptilian“ von Season of Mist neu aufgelegt wurde, sind eben kein Remaster, keine unveröffentlichten Tracks oder Linernotes. Es geht um die Musik selbst – und die atmet damals wie heute eine seltene Zeitlosigkeit.

Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wertung: 9 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

2 Kommentare zu “Keep Of Kalessin – Reptilian (Re-Issue)

  1. „am 10. Mai 2010 mit ihrem Album „Reptilian“ […] Am 21.03.2025 – und damit knapp zehn Jahre nach dem Original-Release“

    Ganz schön knapp :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert