CD-Review: Knorkator - The Schlechtst Of

Besetzung

Alf Ator - Keyboard
Stumpen - Gesang
Buzz Dee – Gitarre
Chrish Chrash - Schlagzeug

Tracklist

01. Absolution
02. Schwanzlich Willkommen
03. Ich geh so was von überhaupt nicht
04. Ich will nur fickn
05. Der Werwurm
06. Konflikt
07. Klartext
08. Kurz und klein
09. Weg nach unten
10. Es kotzt mich an
11. Böse
12. Ding inne Schnauze
13. Mich verfolgt meine eigene Scheiße


Gewöhnliche Bands veröffentlichen nach zehn oder zwanzig Jahren (in gewissen Ausnahmefällen auch schon nach zwei Alben…) eine Best Of-Scheibe. Doch damit schon genug der themenverfehlenden Einleitung, schon ein Blick auf das Frontbild sollte genügen, um alle „Gewöhnlich“-Gedanken wie vom Orkan davongeblasen hinter sich zu lassen. Es liegt das Debütalbum von KNORKATOR vor, selbstbewusst mit „The Schlechtst Of“ betitelt und mit einem außergewöhnlich außergewöhnlichen Artwork verziert.

Anno 1998 brachten der Berliner Dreier also mit „The Schlechtst Of“ eine recht neue Art Humor und Auftreten in die deutsche Musikszene. Das Auftreten dürfte vielen bekannt sein: Der über den wörtlich halben Körper tätowierten und auf der Bühne hyperaktiven Sänger Stumpen, der stets still stehende und mit Riesensonnenbrillen und Zigarette ausgestattete Bassist Buzz Dee und der Bandkopf Alf Ator, der gerne mal Klaviere oder andere Dinge auf der Bühne zerstört, dazu gibt es gerne mal hautenge Strampelanzüge oder bunte Plüschklamotten. Wer jetzt in Verbindung mit einigen der Songtitel gleich denkt „Voll blöd, oder!“ – der hat soweit auch Recht! Das muss man nun mögen, der Spruch ist alt aber trifft hier eben zu – man hasst sie oder liebt sie!

Von beiden Lagern gibt es genug, und das völlig zu Recht. KNORKATOR wollen polarisieren und das schaffen sie auch bravourös. Was viele der Hasser nicht wissen oder nicht wissen wollen: KNORKATOR stehen nicht für niveaulose Gags und musikalische Unterklasse. Musikalisch bekommt man eine Mischung aus Industrial Metal, Dark Wave und ein wenig Alternative Rock, und das auf durchgehend hohem Niveau. Neben fetten Gitarren; mal mit feinem Stakkatoriffing, Headbanger-Takten oder auch einfach nur scharfen Melodien; stehen hier gleichberechtigt fiese Elektro-Beats, düstere Keyboards und teilweise recht abgedrehte Synthieklänge.

Über diesem instrumentalem Gerüst aber liegt thronend der Gesang Stumpens, und er ist ein wahres Stimmwunder. Die Texte des bewundernswerten Wörterschmieds Alf Ator trägt er brüllend, schreiend, sprechend, einfühlsam und kraftvoll singend oder sopranistisch vor. Und diese Texte sind natürlich das Herzstück (bzw. Schwanzstück…) KNORKATORs. Beim eröffnenden „Absolution“ gibt sich der Humor erst auf den zweiten Blick zu erkennen, „Schwanzlich willkommen“ (So ein Schild, auf dem „Schwanz für Kinder“ steht / aus dem Radio kommt laufend „Schwanzilein“ / und man sagt „Schwanz ist Trumpf“ im Skatverein) oder „Mich verfolgt meine eigene Scheiße“ (Als ich am nächsten morgen das nächste mal schiss / wobei auch die Worscht von gestern anwesend war / wurde mir das Ausmaß der Misere bewusst / denn auch dieser Schiss begann sich zu bewegen) wird die Pointe dagegen reichlich offensichtlich präsentiert. Letzteres Beispiel dürfte auch zeigen, dass Freunde des South Park-Humors hier nicht zu wenig Spaß haben werden. Nicht vergessen sollte man hier haarsträubendste Reime wie bei „Der Werwurm“ (Ich bin ein Werwurm und wenn Vollmond ist / mutiere ich zu einem Wurm / ich bin ein Werwurm und vermehre mich / das Ausmaß ist enurm) oder „Klartext“ (Knorkator – Vibrator – Ventilator / Knorkätor – Hackepeter – Versicherungsvertreter) sollen nicht unerwähnt bleiben, an längeren Haaren kann man wohl kaum irgendetwas herbeiziehen.

Mein Höhepunkt der schlechtesten Lieder aller Zeiten sind aber definitiv die drei Hass-Brocken „Kurz und klein“, „Es kotzt mich an“ und „Ding inne Schnauze“. So macht es Spaß, sich aufzuregen, einfach nur absolut geniale Kompositionen mit Texten, die immer wieder zum Schmunzeln und Lachen bringen. Ganz anders geht es aber auch, man höre einen der bekanntesten Bandklassiker „Weg nach unten“, der eine melancholische und traurige Atmosphäre hat und einen (zumindest teils) durchaus bedrückenden Text vorzuweisen hat.

44 Minuten und eine halbe „The Schlechtst Of“ machen einfach Spaß, mehr als viele Comedysendungen. Immer und immer wieder. Zahlreiche Klassiker enthält diese Debütscheibe und sie wird einfach absolut nicht langweilig und hat dazu noch tadellosen Klang. KNORKATOR versammeln einen großen Teil ihrer heutigen Klassiker auf dieser CD, deswegen sollte sie jeder kaufen, hören und mögen. Und natürlich all seinen Freunden sagen, dass die sie sich auch kaufen sollen. Einfach wunderschön und b.geisternd.

Bewertung: 8.5 / 10

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