Knorkator Weltherrschaft für alle Coverartwork

Review Knorkator – Weltherrschaft für Alle

30 Jahre KNORKATOR! Ein Fest, das gebührend gefeiert werden will. Deutschlands meiste Band der Welt geht dazu nicht nur auf eine ausgedehnte Jubiläumstour, sondern veröffentlicht mit „Weltherrschaft für Alle“ zum Jubiläum ihr elftes Studioalbum. Nachdem „Sieg der Vernunft“ ungewöhnlich politisch war, werden KNORKATOR jetzt wieder etwas persönlicher, legen den Finger mit gesellschafts- und businesskritischen Texten aber weiterhin direkt in die Wunde.

Mit dem eröffnenden Dreierpack zeigen KNORKATOR zugleich, wo sie aktuell stehen und wo sie herkommen. Das harte „Ismus“ mit seinen zahlreichen Aufzählreimen ist in bester Art und Weise Oldschool-KNORKATOR-Quatsch (wer hätte gedacht, dass es so viele „Ismen“ gibt?). Das düstere „Unkraut“ greift mit einem Gartengleichnis gesellschaftskritische Themen wie die Migrationspolitik auf. „Das Unheil“ dagegen erzeugt mit bedrohlichen Klängen, düsterem Keyboardspiel und den eindringlichen Gesängen von Stumpen eine ganz eigene, mysteriöse Atmosphäre. Neben Ally Storch an der Geige hat RAMMSTEIN-Keyboarder Flake einen Gastauftritt, der sich im Video Stumpens Haut überzieht.

Dass KNORKATOR weder aus ihrer Haut können noch wollen (und auch nicht sollen), zeigen die Köpenicker mit fünf Neuaufnahmen ausgewählter Klassiker, die nun mehr nach dem aktuellen Soundbild und den spielerischen Fähigkeiten der aktuellen Bandepoche klingen. Im Kern bleiben der ESC-Skandal-Klassiker „Ick wer zun Schwein“ oder die schöne Ballade „Liebeslied“ unverändert, nur „Ich verachte Jugendliche“ bekommt im wahrsten Sinne des Wortes ein Facelift: Bei der neuen Version singen Alf Ators Sohn Tim Tom und Stumpens Tochter Agnetha. Dass nun die KNORKATOR-Jugend ihrerseits Jugendliche verachtet, ist ein grandioser Schachzug und gibt der neu gedachten Version des Songs eindeutig ihre Daseinsberechtigung. Beide sind sowieso gute Sänger*innen, was sie über die Jahre bereits bei mehreren KNORKATOR-Konzerten und jetzt auch hier auf Platte beweisen dürfen. Die anderen vier Tracks sind nett gelungen, hätte in der 2025-Version aber vermutlich auch kein Fan vermisst.

Auch wenn die Neuaufnahmen keinesfalls stören oder wehtun, ist es schade, dass abseits davon nur sieben neue Tracks mit insgesamt 26:30 Minuten Laufzeit auf „Weltherrschaft für Alle“ zu finden sind – ausgenommen das siebensekündige Intermezzo „ACDC“. Ist es damit schon mehr eine längere EP mit Bonustracks oder geht es doch noch als vollwertiges Album durch? Sei’s wie’s wolle, die sieben neuen Tracks sind allesamt gut. Als Highlights entpuppen sich neben „Ismus“ das musikbusiness-kritische „Evolution“ und „DMT“ mit der KNORKATOR-typischen Mischung aus harten Riffs, ruhigen Momenten und einem unerwarteten lyrischen Thema mit witziger Aufbereitung.

KNORKATOR-typisch gerät albumweit auch wieder die Mischung aus den knurrigen Gesängen von Alf Ator und Stumpens überwältigender Range von zart und melodisch über Sprechgesang bis hin zu anspruchsvoll hoch und aggressiv. Ja, grundsätzlich ist auf „Weltherrschaft für Alle“ alles typisch für die „modernen“ KNORKATOR. Die pubertären Witzeleien sind längst passé, die Texte sind mit ihren Anspielungen zumeist tiefgehend zu verstehen und machen in ihren quatschigen Momenten Spaß wie eh und je. Musikalisch ist die gesamte Band eh über alle Zweifel erhaben, vom Songwriting bis zur instrumentalen Umsetzung ist alles auf dem gewohnt hohen Niveau, auch wenn nicht jeder neue Song ein Klassiker werden wird. Schade ist einzig, dass – abgesehen von den Neuaufnahmen – nicht mal eine halbe Stunde an originärem Material zusammengekommen ist. Zum runden Jubiläum ist „Weltherrschaft für Alle“ dennoch ein schönes Paket ohne wirkliche musikalische Schwächen für alle Fans geworden.

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Wertung: 7.5 / 10

Stefan Popp

Publiziert am von

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