CD-Review: Kreator - Hordes Of Chaos

Besetzung

Mille Petrozza - Gesang, Gitarre
Sami Yli-Sirniö - Gitarre
Christian "Speesy" Giesler - Bass
Jürgen "Ventor" Reil - Schlagzeug

Tracklist

01. Hordes Of Chaos (A Necrologue For The Elite)
02. War Curse
03. Escalation
04. Amok Run
05. Destroy What Destroys You
06. Radical Resistance
07. Absolute Misantropie
08. The The Afterborn
09. Corpse Of Liberty
10. Demon Prince


KREATOR gelten schon seit jeher als nicht nur eine der besten Thrash Metal-Bands die Deutschland und ganz Europa zu bieten hat, sondern mit Sicherheit auch eine der politisch motiviertesten. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen schaffen es Frontmann Mille Petrozza und Co seit 1984 beinahe jedes Mal aufs neue, die Thrash Metal-Landschaft mit einem neuen Feuerwerk an Aggressionen zu bereichern. In Form von „Hordes Of Chaos“ steht nun ihr neuer Langspieler in den Regalen und wird, so viel sei versprochen, für nicht weniger Diskussionsstoff sorgen, als auch schon seine Vorgänger. Von denen unterscheidet sich das mittlerweile 12. Album voller Länge auch in Sachen Produktion – wie schon zu „Pleasure To Kill“-Zeiten wurden die einzelnen Songs jeweils live und analog im Studio eingespielt.

Dementsprechend kraftvoll und intensiv leitet der Titeltrack „Hordes Of Chaos (A Necrologue For The Elite)“ die nächsten 9 Songs mit einer Gesamtlänge von knappen 40 Minuten ein. Eines der lyrischen Leitthemen zeigt sich nicht nur im Titel (eine Anspielung auf das Chaos, in welches die Welt nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 gefallen ist), sondern auch in der Refrain-Zeile „Everyone Against Everyone“ sofort auf – größtenteils fahren die Essener die schon seit jeher eingeschlagene textliche Schiene konsequent und erfolgreich weiter. Musikalisch weniger überraschend sind die, schon bekannten, zweistimmigen Gitarrenläufe der Marke Sami und Mille, sowie das erdige Schlagzeug-Spiel der Drum-Maschine Jürgen „Ventor“ Reil. Dazu kommen hier wie auch auf „Warcruse“ und „Escalation“ Hooklines, die so schnell nicht mehr aus den Gehörgängen verschwinden werden – und hierin besteht zu einem großen Teil auch die Qualität des neuen Outputs. KREATOR schaffen es einmal mehr, die Balance zwischen melodiösen und vor Brutalität nur so strotzenden Parts zu halten, perfektionieren sich selbst auf diesem Gebiet.

Genau so perfekt funktioniert der Stimmungsaufbau, das Erzeugen einer scheinbar ruhigen Atmosphäre, in der Energie getankt, sich warm gewütet wird, bis dann die Leine gekappt und sich hemmungslosen Aggressionen hingegeben wird. Nicht nur „Amok Run“ (eine allgemeine Abhandlung über Amokläufe und die eines Teenagers in Amerika im speziellen) oder „Absolute Misanthropy“ leben von solchen Momenten – diese Trademark zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Scheibe. Zu den ältesten Markenzeichen KREATORS überhaupt, gehören außerdem die Soli. Die deutschen Thrash-Urgesteine haben selten derart wirr machende und Schaum vor den Mund zaubernde Soli abgeliefert, wie auf der „Hordes Of Chaos“ – Sami und Mille übertreffen sich dabei gegenseitig an den Gitarren, ob es nun die angesprochenen Stücke oder stimmig ineinander verwobene Licks sind.

Den absoluten Höhepunkt findet „Hordes Of Chaos“ meiner Meinung nach in „To The Afterborn“, das sich – da bin ich mir fast sicher – im Laufe der Zeit zu einem wahren KREATOR-Klassiker herauskristallisieren wird. Nach einem, abermals, verheißungsvoll ruhigen Interlude, baut sich eine ungeheure Ladung auf, die mit dem Stimmungswechsel zum Refrain (Achtung: Ohrwurm-Risiko!) in reine Gewalt umschlägt und gleichzeitig von maschinengewehrartigen Double Bass-Salven intoniert wird, während die Sechssaiter-Fraktion ein Melodie-Feuerwerk erster Härte (und Güte) abfeuert.

„Hordes Of Chaos“ zeigt KREATOR von ihrer besten Seite, bringt die Stärken von „Pleasure To Kill“ und „Coma Of Souls“ auf einen Rohling mit 38:27 Spieldauer gepresst. Zu kurz wirkt der Silberling dabei zu keiner Sekunde – viel mehr wird kurz und bündig auf den Punkt gebracht, wozu es keine Umschweife braucht. Mille und seine Jungs lagen mit dieser Entscheidung genau so richtig wie mit der, zu Moses Schneider – einem Produzenten, der vorrangig mit normalen Rock-Acts arbeitet – ins Studio zu gehen und die Platte dort so einzuspielen, wie es vor 20 Jahren noch üblich war (und wohin sich heute eine Trendwende entwickelt). Die Aggressivität, die auf „Hordes Of Chaos“ geboten wird, ist keine der stumpfen Art, sondern voller Intensität. Freunde der alten KREATOR werden diesen Hammer genau so zu lieben lernen wie Neueinsteiger. German Thrash Metal at it’s very best.

Bewertung: 9.5 / 10

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