Man kann über die italienische Plattenfirma Frontiers Music sicherlich allerhand Abwertendes sagen, fest steht aber auch, dass sie sich oftmals als mächtiger Alliierter für etablierte Bands im Herbst ihrer Karriere erweist. Im Jahr 2016 half sie auch den eigentlich unter ferner liefen rangierenden L.A. GUNS dabei, sich mit Ur-Gitarrist Tracii Guns zu vertragen und sich ihre Relevanz zurückzuholen. Frontiers haben die Kalifornier inzwischen zwar hinter sich gelassen, motiviert sind sie aber offenbar immer noch, denn mit „Leopard Skin“ erscheint zwei Jahre nach ihrem letzten Output ein neues Album der einstigen Sunset-Strip-Helden.
In den letzten Jahren haben sich L.A. GUNS – wie viele einstige Glam-Metal-Bands – immer mehr von ihren metallischen Wurzeln losgesagt. Wie schon auf „Black Diamonds“ fühlt sich die Truppe auch auf „Leopard Skin“ mittlerweile weitaus mehr im Classic Rock als im Hairspray-Sound der späten 80er zuhause. Schon „Taste It“ eröffnet die Platte mit klarem Hang zu den späten 70ern, wobei die angezerrten Gitarren und der Gesang von Phil Lewis die Nummer irgendwo zwischen AC/DC und den ROLLING STONES verorten. Ganz ähnlich verhält es sich im folgenden „Lucky Motherfucker“, und „The Grinder“ sowie „Don’t Gimme Away“ erinnern auf angenehme Art an die Anfangstage von ALICE COOPER.
Seinen ersten Höhepunkt erlebt „Leopard Skin“ mit dem coolen und etwas ruhigeren „Hit And Run“, das mit seiner dichten Atmosphäre für permanente Gänsehaut sorgt. Und mindestens eine echte Überraschung haben L.A. GUNS auf ihre neuesten Platte auch auf Lager, denn in „Runaway Train“ macht die Truppe einen überaus erfolgreichen Ausflug in den Honky Tonk – das hat man von dieser Band zuvor noch nie gehört. Mit den Songs auf „Leopard Skin“ stehen die Kalifornier also knietief in den 70ern und man muss zugeben, dass ihnen das ausgesprochen gut bekommt.
Insgesamt zeigen sich L.A. GUNS auf „Leopard Skin“ von einer gänzlich anderen Seite als auf dem Vorgänger. Im Vergleich zu „Black Diamonds“ ist die Platte weit weniger düster und voll von gut gelaunter Rock-’n‘-Roll-Attitüde – manch einer mag sich von der Truppe vielleicht ein wenig mehr Metal wünschen, aber schlecht ist das Dargebotene wahrhaftig nicht. Die Songs kommen allesamt absolut authentisch rüber, bieten ein enorm hohes Maß an Abwechslung und fallen in ihren besten Momenten wirklich obercool aus, wie sich vor allem am groovenden „I’m Your Candy Man“ offenbart.
Es gibt viele Bands, die in ihrem zweiten (oder dritten?) Frühling nochmal richtig aufdrehen und ein Album nach dem anderen veröffentlichen, aber nicht alle sind dabei so glaubwürdig wie L.A. GUNS. Seit sie mit „The Missing Piece“ zurück ins Rampenlicht fanden, hat sich die Truppe kontinuierlich und auf die denkbar glaubwürdigste Art und Weise weiterentwickelt. „Leopard Skin“ mag nicht allen Fans der ersten beiden Platten der Kalifornier auf Anhieb gefallen, aber es ist der nächste logische Schritt auf dem Weg einer überraschend würdevoll alternden Rock-’n‘-Roll-Band.
Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 7.5 / 10


