Das Cover von "Live From The Guild Theatre" von L.A. Guns

Review L.A. Guns – Live From The Guild Theatre (CD+DVD)

  • Label: Cleopatra
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Hard Rock

Das „Guild Theatre“ im kalifornischen Menlo Park scheint sich zunehmend zur idealen Konzert-Location für Rockbands im Herbst ihrer Karriere zu entwickeln: Nachdem LYNCH MOB dort unlängst ihren vermeintlichen Karriereabschluss dokumentierten, haben nun auch L.A. GUNS mit „Live From The Guild Theatre“ in jenem Club ein neues Live-Album in Bild und Ton aufgenommen. Die Ortswahl ergibt durchaus Sinn, denn einen 500-Leute-Club kriegt man als etablierte Band höchstwahrscheinlich voll und sorgt so für die angemessene Kulisse einer ausverkauften Show. Im Falle von L.A. GUNS war diese Veröffentlichung ohnehin überfällig, denn das 2021 erschienene „Cocked And Loaded Live“ war aufgrund der Umstände der Corona-Pandemie ein eher ernüchterndes Erlebnis.

Als erstes lohnt sich bei solcherlei Veröffentlichungen immer ein Blick auf die Setlist und die fällt auf „Live From The Guild Theatre“ gar überraschend positiv aus: Natürlich spielen L.A. GUNS etliche Songs von ihren ersten beiden Alben, allerdings macht das zusammen nur etwa die Hälfte des Sets aus. Anders als die meisten alteingesessenen Bands, deren frühes Material bei Fans besonders beliebt ist, räumen Tracii Guns und seine Mannschaft auch ihren neuen Songs genügend Platz im Set ein. Das zum Zeitpunkt der Aufnahme gerade erschienene Album „Leopard Skin“ ist mit drei Songs vertreten und neben den übrigen nach der Reunion mit dem Gitarristen entstandenen Platten kommen sogar unbekanntere Werke wie „Walking The Dead“ und „Hollywood Vampires“ zu Ehren.

Die Performance der Truppe geht absolut in Ordnung, wobei allen voran Gitarrist Phil Lewis zu begeistern weiß – mag der Mann sich vor allem auf den neueren L.A.-GUNS-Alben oft vornehm zurückhalten, kommt sein enormes Talent im Live-Betrieb voll zur Geltung und macht auch dieses Konzert zu einem intensiven Erlebnis. Auch Sänger Phil Lewis macht einen achtbaren Job, allerdings hat er im „Guild  Theatre“ wohl nicht den besten Abend erwischt, denn in ruhigeren Nummern wie „The Ballad Of Jayne“ muss der Mann an mancher Stelle hörbar kämpfen. Insgesamt ist der Sound von „Live From The Guild Theatre“ angenehm roh und direkt und auch das Publikum kommt Live-typisch zur Geltung, allerdings hätte vor allem der Sound der Band gerne etwas mehr nach „Club“ klingen dürfen – schlecht klingt aber garantiert anders.

Der visuelle Teil von „Live From The Guild Theatre“ erinnert logischerweise stark an das unter ganz ähnlichen Umständen entstandene „The Final Ride Live“ von LYNCH MOB. Auch L.A. GUNS kommen mit recht spartanischem Bühnenbild aus – das ist auch gar nicht schlimm, denn so steht die Performance im Mittelpunkt. Weil das „Guild Theatre“ ein kleiner Club ist (und weil Kameraleute teuer sind) wurde auch für diesen Mitschnitt nur mit statischen Kameras gearbeitet. Der Schnitt macht jedoch das beste aus diesen Gegebenheiten, denn obschon dem Ganzen ein wenig die Bewegung fehlt, werden die verfügbaren Kamerawinkel doch effektiv eingesetzt und fangen die Atmosphäre des Abends angemessen ein. Was fehlt, ist der Blick von der Bühne ins Publikum, aber das war unter den gegebenen Umständen schlicht nicht darstellbar.

Zumindest nach aktuellem Stand kann es gar nicht genug Live-Alben von L.A. GUNS geben. Mit der Rückkehr ihres Ausnahmegitarristen Tracii Guns überzeugen die Glam-Metal-Veteranen live auf Ganzer Linie und „Live From The Guild Theatre“ gelingt es, diese Energie einzufangen. Natürlich würde man sich und auch der Band zum Anlass eines solchen Mitschnitts eine größere Performance mit hochwertigeren Produktionsverhältnissen wünschen, doch die Intimität einer beengten Clubshow steht den Kaliforniern durchaus gut. Obendrein war nach „Cocked And Loaded Live“ sowieso ein „echtes“ Live-Album von dieser Band nötig und um jene blutleere Corona-Show vergessen zu machen taugt „Live From The Guild Theatre“ allemal.

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Wertung: 7.5 / 10

Thomas Meyns

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