CD-Review: Lamb Of God - Live In Richmond, VA

Besetzung

Randall Blythe - Gesang
Mark Morton - Gitarre
Willie Adler - Gitarre
John Campbell - Bass
Art Cruz - Schlagzeug

Tracklist

01. Memento Mori
02. Checkmate
03. Gears
04. Reality Bath
05. New Colossal Hate
06. Resurrection Man
07. Poison Dream
08. Routes
09. Bloodshot Eyes
10. On The Hook
11. Contractor
12. Ruin
13. The Death Of Us
14. 512
15. Ghost Shaped People (Studio-Version)
16. Hyperthermic/Accelerate (Studio-Version)


Seit rund einem Jahr gibt es keine Live-Konzerte mehr. Das ist ein der Pandemie geschuldeter Fakt, der sich auch nicht damit relativieren lässt, dass viele Bands unterdessen das Format der Streamshow für sich entdeckt haben. Um direkt Missverständnissen vorzubeugen: Es gibt viele gute Argumente für Streamshows, die als eigene Darbietungsform sogar durchaus eine Daseinsberechtigung haben. Es gibt hingegen wenig Argumente für „Live-Alben“ als Zweitverwertung solcher Streamshows. Denn während die Streamshow je nach Setting und Umsetzung durchaus etwas Besonderes sein kann, ist ein Audiomitschnitt einer solchen Show ohne Publikum und Atmosphäre am Ende eben nicht mehr als ein Haufen mittelmäßig produzierter, live eingespielter Versionen der Studioalben. Und das braucht – mit Verlaub – nun wirklich niemand.

Nachdem das schon Katatonia mit dem komplett verzichtbaren Live-aus-dem-Studio-Album „Dead Air“ (2020) eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatten, legen nun auch LAMB OF GOD ein ähnliches Trauerspiel vor: „Live In Richmond, VA“ heißt die Veröffentlichung so unkreativ wie irreführend. Argumente, sich diesen Output außer zu Rezensionszwecken zu Gemüte zu führen (oder gar zu kaufen), gibt es leider keine. Einzige Einschränkung: Vielleicht funktioniert das Ganze mit Bild etwas besser, das Videomaterial wurde der Presse allerdings nicht verfügbar gemacht.

Zu hören gibt es ein extrem mageres Produkt: Hinter dem nur farblich geringfügig abgeänderten Cover des selbstbetitelten Albums „Lamb Of God“ (2020) steckt eine Proberaum-Performance des besagten Werks in voller Länge, ergänzt um vier weitere Live-Tracks („Contractor“, „Ruin“, „The Death Of Us“ und „512“) sowie die beiden Bonustracks, die es in Amerika auf der Album-CD dazugibt. Dort nämlich erscheint das Material im Rahmen einer Deluxe-Edition von „Lamb Of God“, die deutlich mehr Sinn ergibt: Als quasi gratis beigelegtes Bonusmaterial zum um zwei Songs erweiterten Album mag dieser „Livemitschnitt“ noch angehen. Als separate Veröffentlichung für stolze 18,99 € (im Label-Shop) ist er eine glatte Unverschämtheit.

Die Songs sind sauber runtergespielt, der Sound geht für diese absurde Form der Live-CD schon irgendwie in Ordnung und immerhin erblöden sich LAMB OF GOD nicht, ständig dümmliche Ansagen an ein imaginäres Publikum einzustreuen. Damit ist über den Mitschnitt aber auch alles gesagt – denn mehr passiert auf diesem Machwerk eben auch nicht: Ohne irgendeine Form von Atmosphäre oder Überraschung und damit ohne jeden Mehrwert gegenüber dem Studioalbum gibt es hier die gleichen Songs nochmal, nur eben in Bootlegqualität. Warum man sich das anhören sollte, wo sich die gleiche Band doch die Mühe gemacht hat, das gleiche Material auch aufwendig produziert als vollwertiges Album zu veröffentlichen, bleibt vollkommen unklar.

Selbst für eingefleischte Fans sind allenfalls die beiden „neuen“ Studiotracks interessant – oder wären es gewesen: als EP etwa oder eben als Bonustracks auf einer Deluxe-Edition, wie in Amerika. Beide Tracks sind typisches LAMB-OF-GOD-Material. Von zwei Songs, die es nicht mal auf das ohnehin nicht restlos überzeugende Album geschafft haben, sollte man aber auch keine Wunder erwarten. So gefühl- wie hirnlos angeflanscht an 14 absolut verzichtbare Proberaum-Aufnahmen hätte es aber auch zweier Jahrhunderthits bedurft, um diesen Karren noch aus dem Dreck zu ziehen.

Dass das Material live eingespielt wurde, macht ein Aufnahme noch lange nicht zu einem Live-Album. Diese Tatsache untermauert „Live In Richmond, VA“ eindrucksvoll: Waren Live-CDs früher meist Garant für Gänsehautmomente, die vornehmlich aus der Interaktion zwischen Band und Fans (und vor dem exzessiven Einsatz von Clicktrack und Samples aus einem Plus an lebendiger Dynamik) resultierten, bleiben die Corona-bedingten Proberaummitschnitte leider bislang ausnahmslos so spröde wie dieser eigentlich viel treffendere Gattungsname. Eine CD mit dem Titel LAMB OF GOD – „Doing Some Corona-Caused Rehearsal Room Recordings“ würde nur eben niemand kaufen. Und das völlig zu Recht. Je ein Punkt für die beiden Studiotracks und einer für die Band, die ihre Songs recht ordentlich vorgetragen haben. Mehr ist für diese so lieb- wie sinnlose Veröffentlichung wirklich nicht drin.

Bewertung: 3 / 10

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