CD-Review: Lascar - Saudade

Besetzung

Gabriel Hugo – Gesang, Instrumente

Tracklist

01. Tender Glow
02. Thin Air
03. Uneven Alignment
04. Bereavement


Auf seinem Debüt „Absence“, das neben vier neuen Songs auch die drei Nummern der „Depths“-Demo enthielt, hat Gabriel Hugo unter dem Projektnamen LASCAR die Geduld der Post-Black-Metal-Hörerschaft auf eine harte Probe gestellt. Die Kompositionen waren endlos monoton und ermüdend, der Sound kraftlos. Schon ein Jahr danach legt der Chilene nun mit „Saudade“ nach, das abermals aus vier Tracks zu insgesamt gut 40 Minuten besteht. Für gewöhnlich ist es bewundernswert, wenn eine Band ein ganzes Full-Length in nur einem Jahr umzusetzen vermag – LASCAR mit Bewunderung zu begegnen, fällt jedoch nach wie vor schwer.

Das Positive zuerst: LASCAR machen auf Album Nummer zwei keine neuen Fehler, sodass die Befürworter des Debüts damit wohl zufrieden sein werden. Der dem gegenüberstehende Nachteil liegt natürlich auf der Hand, wenn man sich den Vorgänger von „Saudade“ ins Gedächtnis ruft. Verbesserungen sind nämlich allenfalls in marginalem Umfang festzustellen. Noch immer ruht sich der chilenische Eigenbrötler auf seinen gedankenbetäubend eintönigen Tremolo-Melodien aus, um die sich in gleichem Maße monotone Drums und von den Instrumenten fast vollends verschluckte, gequälte Screams ranken.

Die sanften Clean-Passagen, denen LASCAR nun gefühlt etwas mehr Platz in den ausschweifenden Songs gewährt, klingen zwar recht schön, sind aber komplett uninteressant arrangiert und einfach wahllos in die Tracks eingestreut, wodurch deren natürlicher Fluss jedes Mal unterbrochen wird. Zwar sehnt man sich bei dem sonst vorherrschenden Müßiggang der einlullenden, hoffnungslosen Gitarrenlinien innerhalb kürzester Zeit nach einer erlösenden Veränderung, doch die unverzerrten Töne wirken hier viel zu uninspiriert, um Abhilfe zu verschaffen.

Das wirklich Tragische an all dem ist, dass die Riffs und Leads tatsächlich durchgehend tiefste Melancholie nachvollziehbar vermitteln und bei genauem Hinhören sogar merklich variiert werden. Nichtsdestotrotz hat man die ganze Zeit über das Gefühl, nicht mehr als fünf verschiedene Töne zu hören, was vermutlich auch an der übertrieben rauschenden, seichten Produktion liegt, die ebenfalls kaum nennenswerte Fortschritte im Vergleich zu „Absence“ aufweist. Dass LASCAR diesen Fauxpas vermeiden hätte können, hört man beispielsweise in „Thin Air“ oder zu Beginn von „Uneven Alignment“, wo die melodischen Gitarren wesentlich besser zur Geltung kommen.

Ein wenig konnte sich LASCAR im Gegensatz zur letzten Platte verbessern. Die vergleichsweise wohltuenden, wenn auch immer noch viel zu unspektakulären Momente der Ruhe bekommen nun wohl ein wenig mehr Spielraum und der Sound erscheint geringfügig definierter. Im Großen und Ganzen schwächelt „Saudade“ jedoch an denselben Stellen wie sein Vorgänger – und derlei Stellen gibt es einige. Die meilenweit entfernten Screams erfüllen praktisch keinen Zweck, die Gitarren und Drums bewegen den Hörer nicht, sondern schläfern ihn so tief ein, dass nicht einmal gelegentliche Blast-Beats ihn noch wecken können. Wer keinen Wert darauf legt, beim Musikhören wach zu bleiben, kann hier ruhig zugreifen, alle anderen sollten den Kauf genau überdenken.

Bewertung: 4.5 / 10

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