CD-Review: Last Call At Nightowls - Ask The Dust

Besetzung

Terry Vainoras – Stimme, Saxophon, Gitarre, Keyboard, Samples
Maria Ruvalcaba – Saxophon
Giovanni Leonardi – Bass
Adriano Vincenti – Synthesizer, Samples, Drumcomputer

Tracklist

01. Húmeda
02. My Distant Dream
03. La Llorona
04. Ask The Dust
05. Sperm And Tears
06. Látigo
07. Cold In My Veins


Das Quasi-Genre Dark Jazz mag in der Metal-Welt durch White Wards Debüt „Futility Report“ einen ordentlichen Bekanntheitsschub erfahren haben, begründet wurde es jedoch schon lange vorher von Bands wie Bohren & Der Club Of Gore, The Mount Fuji Doomjazz Corporation und dessen Pendant-Projekt The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble. Seitdem hat sich bereits so manch neue Musikgruppe daran gemacht, die verspielte Saxophonmusik von ihrer finstersten Seite abzubilden – so auch das von Musikern aus Italien, Mexiko und Australien gebildete Quartett mit dem lässigen Namen LAST CALL AT NIGHTOWLS. Dieses legt mit „Ask The Dust“ sein Debüt und damit zugleich den Soundtrack zu einem verrauchten, mit zwielichtigen Gestalten gefüllten Nachtklub vor.

Ganz dem Beispiel der eingangs erwähnten Referenzbands folgend halten LAST CALL AT NIGHTOWLS ihre Songs (weitgehend) frei von Gesang und lassen sie um das genretypisch geschmeidige, nur vereinzelt schrill aufschreiende Saxophon zirkulieren. Dabei bringt die vierköpfige Band nicht nur so manch schöne Melodie zustande („My Distant Dream“), sondern zeigt auch im Drumherum einiges an Einfallsreichtum. In einem Stück sind es unheimliche, lange Doom-Gitarrenleads („La Llorona“) oder trockenes, desolates und doch irgendwie cooles Saitengezupfe („Cold In My Veins“), in anderen tragen hingegen zarte Glockenspielklänge, gechillte Keyboards und zurückgelehnte Drums zur wahlweise entspannten oder sogar bedrohlichen Atmosphäre bei.

Besonders beunruhigend sind jedoch die künstlich verzerrten, krächzenden und hauchenden Stimmen, die dem Hörer im Zuge des Albums oft alles andere als sanft ins Ohr flüstern. Das in ihrem Bandnamen genannte Zielpublikum vermögen LAST CALL AT NIGHTOWLS demnach durchaus treffend anzusprechen, vertont das Dark-Jazz-Kollektiv die gefährliche Verlockung eines nächtlichen Abstechers in eine Gangster-Spelunke schließlich nur allzu bildhaft.

Allerdings hat das Album leider nicht nur gewollte Schattenseiten. So schlagen etwa die an sich kreativen Kompositionen viel zu oft in zielloses Chaos um und einige der misstönenden Noise-Sounds sind nicht so verstörend, wie sie von LAST CALL AT NIGHTOWLS wohl gedacht waren, sondern schlichtweg nervtötend – insbesondere der ohrenbetäubende Piepton am Ende von „Látigo“. Auch den tonlosen Gesang auf „La Llorona“, der praktisch keinerlei Melodie erkennen lässt und zu dem Song folglich nichts Wertvolles beiträgt, hätten LAST CALL AT NIGHTOWLS lieber aussparen sollen.

Hinter „Ask The Dust“ stecken gewiss fähige Musiker. Das Album vermittelt über die vollen 40 Minuten seiner Laufzeit hinweg eine eigentümliche, düstere und verführerische Stimmung und jeder einzelne Track beinhaltet eine Vielzahl markanter Eigenheiten – Eintönigkeit muss man hier also nicht befürchten. Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, LAST CALL AT NIGHTOWLS hätten sich ein wenig mehr Gedanken über die Struktur ihrer Stücke und die Sinnhaftigkeit einzelner von ihnen eingesetzter Stilmittel gemacht. So ist das Debütalbum der Doom-Jazzer paradoxerweise zugleich ein atmosphärisch konsistentes und ein kompositorisch beliebig zusammengewürfeltes Album, das sich durchaus hören lassen, mit den Vorzeigewerken des Genres jedoch nicht ganz mithalten kann.

Bewertung: 6.5 / 10

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