CD-Review: Lèche Moi - Sortie 13 (EP)

Besetzung

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Tracklist

01. Lick Me
02. Jennifer (The Birthday Party Cover)
03. Anyway
04. Hotel Mon Desir
05. Lèche Moi
06. Kiss Me Black


LÈCHE MOI – es gibt wohl kaum einen bezeichnenderen Namen für eine französische Punk-Band. Ganz so vorhersehbar ist das, was das Duo auf seiner EP „Sortie 13“ abliefert, dann aber doch nicht. Die zu erwartenden, rotzigen Vocals, fetzigen Gitarrenriffs und Drums findet man darauf nämlich an keiner Stelle. Stattdessen sind die sechs überwiegend recht kurzen Tracks – wie es bereits die skurrile Bildcollage auf dem Artwork nahelegt – vor allem von elektronischer Musik geprägt und nur hintergründig mit Post-Punk-Elementen versehen. LÈCHE MOI kehren damit gewissermaßen die Stilistik, die Bands wie Joy Division gegen Ende der 70er Jahre begründet haben, ins Gegenteil um.

Dass sich LÈCHE MOI hauptsächlich auf wuchtige Electro-Beats stützen und die Rock-typische Instrumentalisierung nur unterstützend in Erscheinung tritt, wirkt erst mal befremdlich. So zehrt die aufdringliche Perkussion im Opener „Lick Me“ vorerst ziemlich an den Nerven, während die Gesangslinie und das Gitarrenspiel die Neugierde auf den Rest der EP aufgrund ihrer banalen Melodieführung auch nicht gerade steigern. Doch zum Glück können LÈCHE MOI auch anders.

Im siebenminütigen „Jennifer“ tritt die Elektronik beispielsweise hinter desolaten, gezupften Saitenklängen und hypnotischem Gesang zurück, was sich trotz kleinerer, spielerischer Ungenauigkeiten als durchaus stimmungsvoll erweist. Während es sich bei dieser Nummer jedoch lediglich um ein Cover handelt, beweisen LÈCHE MOI im anschließenden, leider recht unspektakulären „Anyway“ durch den leicht romantischen Einsatz eines Akkordeons immerhin, dass sie auch anderes auf Lager haben als nur dröhnende Electro-Beats. Letztere funktionieren im verführerischen und zugleich finsteren „Kiss Me Black“ letztendlich jedoch sogar ganz gut.

Zwar ist es ein wenig bedauerlich, dass die Franzosen ihre Post-Punk-Einflüsse so stiefmütterlich behandeln und die Gitarren auf „Sortie 13“ somit nur einen untergeordneten Stellenwert haben, doch der größere Störfaktor ist schlichtweg das bisweilen zu belanglose und penetrante Songwriting. Während LÈCHE MOI es manchmal mit ihren harschen Sounds übertreiben („Lèche Moi“), geht in einigen der ruhigeren Momente die Spannung zu sehr verloren („Anyway“). Dennoch gibt es auch immer wieder Passagen, in denen dem Zweigespann ein passender Mittelweg gelingt.

Alles in allem ist „Sortie 13“ eine äußerst zwiespältige Angelegenheit. Die Wechselwirkung zwischen dem samtenen, sinnlichen Frauengesang und den verkommenen, männlichen Vocals hat gewiss etwas für sich und mit den elektronischen Stilmitteln kann man sich zum Teil nach einer Weile anfreunden. Allerdings sollten LÈCHE MOI ihren Stil noch etwas besser ausbalancieren, damit sie einerseits nicht allzu sehr über die Stränge schlagen und andererseits nicht den Faden und damit die Aufmerksamkeit des Hörers verlieren. Mit ein wenig mehr klassischem Post-Punk-Flair hätten die Franzosen vermutlich mehr aus ihren Tracks herausholen können. Hörenswert ist die EP deshalb leider nur in Teilen.

Keine Wertung

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