CD-Review: Lucifer's Child - The Order

Besetzung

Marios Dupont – Gesang
George Emmanuel – Gitarre
Stathis Ridis – Bass
Nick Vell – Schlagzeug

Tracklist

01. Viva Morte
02. The Order
03. Fall Of The Rebel Angels
04. Through Fire We Burn
05. El Dragón
06. Black Heart
07. Haraya
08. Siste Farvel


Zwei Jahre ist „Rituals“, das Meisterwerk von Rotting Christ alt. Ein neues Album ist derzeit nicht in Sicht – dennoch steht nun eine Veröffentlichung ins Haus, nach der sich Rotting-Christ-Fans eigentlich alle zehn Finger lecken sollten. Ähnlich wie bei „Hekatomb“, das nur einen Bruchteil der Marduk-Fans erreicht haben dürfte, obwohl es sich bei Funeral Mist um das Soloprojekt von Marduk-Fronter Mortuus handelt, werden aber wohl nur die wenigsten Rotting-Christ-Fans Notiz von „The Order“ nehmen, dem zweiten Album von LUCIFER’S CHILD, der Band des Rotting-Christ-Gitarristen George Emmanuel.

Das ist insofern schade, als „The Order“ um die Aufmerksamkeit der Fans der griechischen Black-/Dark-Metal-Instanz geradezu bettelt. Von der ersten bis zur letzten Note ist unüberhörbar, wie die Gebrüder Tolis mit ihrem Schaffen LUCIFER’S CHILD indirekt geprägt haben. Schon der Opener, „Viva Morte“ prügelt in bester Rotting-Christ-Manier los. Spätestens beim Sprechgesang im folgenden Titeltrack „The Order“ fragt man sich, ob hier nicht doch Rotting Christ unter falschem Namen Marktforschung betreiben, um herauszufinden, ob es sich lohnen könnte, wieder etwas schneller und härter zu Werke zu gehen.

Genau darin liegt nämlich der zentrale Unterschied zwischen LUCIFER’S CHILD und Rotting Christ: Während letztere eher auf Wucht und Groove setzen, setzen erstere eher auf Wut und Geschwindigkeit: So kommt es, dass „The Order“ rabiater und hasserfüllter klingt als etwa „Rituals“, ja, in den schnellen Songs – wie etwa „Fall Of The Rebel Angels“ oder „El Dragó“ – sogar an die bitterbösen Watain denken lässt. Diese Kombination zündet: Garniert mit furiosen Soli, weiß die Mischung aus düsterer Atmosphäre und wilder Raserei ohne Frage zu begeistern.

Ob LUCIFER’S CHILD klingen, wie sie klingen, weil Emmanuel den echten, unverfälschten Rotting-Christ-Spirit atmen kann, oder ob er sich bei Rotting Christ wohlfühlt, weil deren Musik seiner eigenen Vision so nahe kommt, ist nicht festzustellen. Fakt ist: LUCIFER’S CHILD klingen auf „The Order“ nicht einen Deut weniger authentisch, weniger aufrichtig oder weniger beseelt klingen als Rotting Christ – von einem seelenlosen Abklatsch ist man damit meilenweit entfernt.

Trotzdem lässt sich natürlich nur spekulieren, ob LUCIFER’S CHILD, gäbe es Rotting Christ nicht, eine ganz andere Band wären – oder aber die große Hoffnung des griechischen Black Metal, die Rotting Christ heute sind. Zum Glück werden wir das nie herausfinden. Und stattdessen einfach die Wartezeit bis zum nächsten Rotting-Christ-Album mit „The Order“ überbrücken.

Bewertung: 8.5 / 10

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