CD-Review: Lychgate - Also sprach Futura (EP)

Besetzung

Greg Chandler – Gesang
J. C. „Vortigern“ Young – Gitarre, Orgel, Mellotron, Gesang
S. D. Lindsley – Gitarre
A. K. Webb – Bass
T. J. F. Vallely – Schlagzeug

Tracklist

01. Incarnate
02. Progeny Of The Singularity
03. Simulacrum
04. Vanity Ablaze


(Black / Doom / Technical Death Metal) Während sich die Hörgewohnheiten im Musikmainstream immer mehr in Richtung des Streamens einzelner Tracks bewegen, gehört es im eher konservativ eingestellten Metal immer noch zum guten Ton, Alben am Stück zu hören. EPs werden jedoch selbst von den Fans „guter, alter, handgemachter Musik“ äußerst selten als integrale Bestandteile der Diskographie einer Band, sondern vielfach bloß als verzichtbare Sammlerstücke angesehen. Dabei müssen Kurzalben keineswegs immer nur aus einer Handvoll halbherzig zusammengewürfelter Songs zweiter Wahl bestehen. Manch eine Musikgruppe nutzt das kleine Release-Format sogar, um damit interessante Themenkomplexe aufzugreifen – so zum Beispiel LYCHGATE, die mit „Also sprach Futura“ nach drei LPs ihre erste Mini-Platte veröffentlichen.

In der Filmgeschichte und Philosophie bewanderte Hörer sollten anhand des Titels schon erahnen können, welches Konzept die Briten auf der vier Tracks umfassenden Veröffentlichung verfolgen. Dass sich jener einerseits aus Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ und andererseits aus dem Namen des Maschinenmenschen aus Fritz Langs futuristischem Monumentalfilm „Metropolis“ zusammensetzt, verrät dem Kenner bereits vorweg, dass sich LYCHGATE hier unter anderem mit Transhumanismus und Simulacra auseinandersetzen – oder vereinfacht gesagt: mit der Idee eines menschengemachten und -gleichen, künstlichen Wesens, das seine Schöpfer intellektuell überflügelt.

Diesem Konzept entsprechend beängstigend klingt auch die Musik auf „Also sprach Futura“. Der markante Stil der Band, der im Wesentlichen auf sinistrem, gutturalem Gesang, schaurigen Gitarrenmelodien, vertracktem Drumming und nahezu omnipräsentem, ominösem Orgelspiel basiert, eignet sich perfekt zur Vertonung des in den Texten beschriebenen technologischen Albtraums. Dies gilt insofern sogar noch mehr als zuvor, als LYCHGATE nach dem eher doomig-getragenen, subtil finsteren „The Contagion In Nine Steps“ wieder deutlich mehr von dem irrwitzigen Chaos von „An Antidote For The Glass Pill“ in ihren Sound zurückgeholt haben.

So setzen die Blackened-Doom-Metaller auf der EP mehr treibende Rhythmen, Blast-Beats sowie technischeres Riffing ein und an der Orgel tobt sich Mastermind Vortigern ohne jede Zurückhaltung aus. Mit gespenstischen, chorartigen Klargesängen („Progeny Of The Singularity“) und mitunter fast schon lieblichen Clean-Gitarren („Simulacrum“) bereichern LYCHGATE das Gesamtbild schließlich noch um ein paar zusätzliche Kontraste, die die vielen Facetten der vertonten Dystopie noch lebendiger abbilden.

Quantitativ kann „Also sprach Futura“ naturgemäß nicht mit den bisherigen Veröffentlichungen der Band, welche ausschließlich LPs waren, mithalten. In seiner lyrischen und kompositorischen Ambition sowie seiner technischen Umsetzung unterliegt das Kurzalbum selbst der hervorragenden Vorgängerplatte jedoch nicht im Geringsten, sodass sich LYCHGATE hiermit einmal mehr als belesene und spielerisch versierte Vordenker des Metal-Undergrounds bewährt haben. Selbst jene, die EPs sonst bloß als überflüssiges Beiwerk betrachten, sollten diese beeindruckende musikalische Darstellung eines mechanischen Übermenschen auf gar keinen Fall ungehört lassen.

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