CD-Review: Manowar - Gods Of War

Besetzung

Eric Adams – Gesang
Joey DeMaio - Gitarre, Bass, Keyboard
Karl Logan - Gitarre, Keyboard
Scott Columbus – Schlagzeug

Tracklist

01. Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors
02. The Ascension
03. King Of Kings *
04. Army Of The Dead, Part I
05. Sleipnir *
06. Loki God Of Fire *
07. Blood Brothers *
08. Overture To Odin
09. The Blood Of Odin
10. Sons Of Odin *
11. Glory Majesty Unity
12. Gods Of War *
13. Army Of The Dead, Part II
14. Odin *
15. Hymn Of The Immortal Warriors *
16. Die For Metal *

(* richtige Lieder)


Odin, der weise Göttervater der nordischen Mythologie. Der arme alte Mann wird von den ganzen Viking- und Pagan-Metal-Kapellen doch schon so oft zitiert, tut das Not, dass sein Name jetzt auch noch im Heavy Metal verunglimpft wird? Wer sonst als die mächtigen Gotteskrieger MANOWAR wären dafür geschaffen, ein derartiges Thema episch und voll großartig umzusetzen? Genau, niemand, und so liegt nun – ob man es nach gefühlten neunzehn Verschiebungen kaum glauben mag – „Gods Of War“ vor uns. Und was nun tatsächlich vor uns liegt, ist an gnadenloser Innovation kaum zu überbieten: 74 Minuten Material und davon handgezählte 48 Minuten Lieder und geschätzte 20 Minuten Metal. Wow, klingt das nicht voll super?

Ich kann mir kaum vorstellen, dass auch nur ein einziger Hörer enttäuscht sein wird, wenn er ganze neun Minuten lang über zwei Tracks verteilt auf das erste Lied eingestimmt wird. „Herrje, das ist dermaßen episch und ergreifend, mir kommen die Tränen, ich kann nicht mehr!!!“, höre ich in meinem Kopf vor Glück weinende Fans aufschluchzen. Es ist auch einfach wundervoll und unbeschreiblich, wie MANOWAR hier belanglose Kirchenmusik mit „aaaaahaaa“s, „oohoooo“s und den übrig gebliebenen Probeaufnahmen des Playback-Orchesters vom Earthshaker 2005 vermischen. Und, als wäre das Glück nicht schon perfekt, führt „The Ascension“ das mit dem ersten Auftauchen der Erzählstimme noch mehr Dramatik ein – dramatisch, da es schon als alleiniges zweieinhalbminütiges Intro ganz gewaltig auf den Sack geht. Wow!

Acht Minuten und neunundvierzig Sekunden, die wohl längste Einleitung der Geschichte der Metalalben. Aber irgendwann muss alles noch so schöne vorbei sein, traurig aber wahr. Dafür setzt tatsächlich mal – man hätte es ohne Blick auf die Tracklist kaum geglaubt – ein richtiges Lied ein. „King Of Kings“ ist dann auch tatsächlich ein Kracher vor dem obersten aller Asen und inzwischen schon zum Kultknaller avanciert ( TORN OF TANDER!!! :D ). Zwei Tracks später ist mit „Sleipnir“ ein weiteres Lied dran, das dem ersten kaum nachsteht und ebenfalls für Spaß und Freude sorgt. Eric Adams kann singen und er wird von der Instrumentalabteilung und den Orchesterdateien tatkräftig unterstützt. In den ersten zwanzig Minuten bekommt man also gleich zwei insgesamt neunminütige tolle Heavy Metal-Stücke. Wow!

Und mittendrin, im Album, da gibt’s die volle Odin-Packung. Erst das Orchster-Instrumental „Overture To Odin“, dann die Hörspiel-Vorlesung „The Blood Of Odin“ und schließlich ein richtiges Lied namens „Sons Of Odin“. Und letzteres taugt sogar einigermaßen, auch wenn eineinhalb Minuten davon wieder Hörspiel ist. „Gods Of War“ taugt weniger. Ist zwar ein richtiges Lied, aber das kommt nie in Gang und ist aus, bevor es richtig anfängt. Aber immerhin hat es uninspiriertes und sinnloses Instrumentengeschrubbe ans Ende des Tracks geschafft. „Odin“ ist übrigens die pure Langeweile, die Band scheint beim Spielen gerade einzuschlafen. „Hymn To The Immortal Warriors“ ist so ein Ding, dass MANOWAR voraussichtlich gerne als Konzertabschluss vom Band einspielen könnten und „Die For Metal“ ist nur noch peinlich. Wem es gewidmet ist, das dürften wir ja alle wissen. Und fühlt sich bei „Blood Brothers“ noch jemand an „Swords In The Wind“ erinnert? Soviel ist da ja gar nicht um. „Glory Majesty Unity“ (einer der Hörspieltracks) ist ein weiterer Vogelabschuss, es wirkt mehr wie ein Mitschnitt einer Sektenanbetungsstunde als was anderes und verstärkt den Eindruck, dass Kollege DeMaio ein Sack voll Scheiße mit Beinen ist.

Man man, Leute, es ist nun einfach so: MANOWAR sind am Tiefpunkt angelangt. „Gods Of War“ ist eine Frechheit, und nichts weiter. Von wegen episch, erfreifend oder was weiß ich. Das ist die vertonte Langeweile, Belanglosigkeit wohin das Ohr nur reicht. MANOWAR trauen sich anscheinend zu, auf den Spuren von Richard Wagner zu wandeln. Das merkte man ja schon beim Earthshaker, und nun wird das ganze erst recht auf die Spitze getrieben. Ich hätte ja nie für möglich gehalten, dass die gesamte Peinlichkeit und der Nerv-Faktor von der Bühne direkt auf CD gepresst werden kann, aber das ist tatsächlich der Fall. Eine Eselei, wie der Kollege Käseberg nun wohl sagen würde. Gut nur, dass man hier spulen und skippen kann was das Zeug hält. Nur leider bringt das nicht viel, denn bis auf „King Of Kings“ und „Sleipnir“ ist nur absolut langweiliges Liedgut vorhanden, welches nie auf den Punkt kommt. Zwischen Hörspiel und Kirchenmusik sollte man eigentlich erst recht hochklassiges Material erwarten können, damit das ganze Wirkung zeigt und Sinn macht. Blind Guardian haben mit der „Nightfall“ gezeigt, wie es richtig geht mit den Konzeptalben: Fünf Minuten Lied, fünfzehn Sekunden Zwischenteil. Hier wirkt es gefühlt umgekehrt, nicht nur was die Aufteilung der Parts angeht, sondern auch die Qualität.

„King Of Kings“ und „Sleipnir“ heissen die frühen und einzigen Höhepunkte des Tiefpunktes. Da mag sich gar mancher Fan die glorreichen „Warriors Of The World“-Zeiten zurück wünschen. Jaja, auch das war schon grottenschlecht, aber immer noch eine Offenbarung gegenüber dem hier. „Manowar! Ich verfluche dich!! Du hast das Angesicht deines Vaters vergessen!!!” dürfte sich gar mancher Die-Hard-Fan denken und sich abwenden. Viele taten das bereits beim Earthshaker, ich kenne sie persönlich und sauge mir das nicht aus den Fingern. Und das Earthshaker muss ich hier leider immer wieder erwähnen, denn es wirkt mit „Gods Of War“ irgendwie unfassbar verbunden.

Und nun zur Abrechnung: Ein Punkt für „King Of Kings“, ein halber für „Sleipnir“ und noch ein halber für die unerbitterliche Trueness. Man schaue nur das Coverartwork und blättere dann im Booklet: Alles voller Runen, Titten und Schwerter. Was will man mehr? Nun, gute Musik, aber das steht ja auf einem anderen Blatt Papier geschrieben, welches anscheinend dem Feuertod zum Opfer fiel. Eventuelle weitere Pluspunkte werden durch zahlreiche Abzüge wieder wettgemacht. Der alte Odin würde gewisslich wahr auch sein zweites Auge geben, wenn er das dafür nicht ertragen müsste.
Achja, übrigens: „Gods Of War“ macht müde, verdammt müde sogar. Und nicht nur mich, ich kenne weitere persönlich, denen es ebenso erging. Nun denn, flux ins Bett gehüpft und von besserer Musik geträumt. Lange Tage und angenehme Nächte.

PS: Falls jemand das Niveau der Rezension auf einem zu niedrigen Level einstuft oder meine Wortwahl an dieser oder jener Stelle etwas unpassend und unangemessen findet, dann muss ich mich bei diesem Leser höflichst entschuldigen. Das Album lies mir keine andere Schreibform möglich erscheinen. In gewisser Weise muss sich der Rezensent der vorliegenden Musik anpassen, und das habe ich hier bestmöglich versucht. Kurz auf den Punkt gebracht: „Gods Of War“ ist einfach langweilig, egal wie man es umschreibt. Seht es einfach ein.

Bewertung: 2 / 10

Geschrieben am

2 Kommentare zu “Manowar – Gods Of War”

  1. Rino Winklerr

    In 2 punkten stimm ich dir zu king of kings und sleipnir sind einfach nur geil und die Einleitung ist etwas zu langatmig, aber ich persönlich mag das Album trotzdem, lustiger weise war es mein einstiegsalbum in die manowar scene und somit auch in die metalscene. Man kann es sehen wie man es will aber ich finde keinen Song unnötig, die Songs an sich finde ich sogar sehr gelungen. Auch einige der zwischenstücke sind durchaus interessant und ich komm nicht drumherum den begriff zu verwenden.
    Auf die Gefahr hin mich jetz zu outen (falls ich das jetz nicht schon getan habe) sage abschließend, ich finds geil und hör es immer wieder gerne.

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