CD-Review: Martyria - Martyria

  • Veröffentlichung: 2018
  • Label: Hammerheart
  • Spielart: Ambient
Besetzung

George Zafiriadis – Gesang, Instrumente
Lena Merkouri – Gesang, Instrumente

Tracklist

01. Logos
02. Pneuma
03. Nekros
04. Nyx
05. Eschaton


Obwohl man leicht auf die Idee kommen könnte, hat Metal keineswegs ein Monopol auf obskure Musik aus dem Underground. In Sachen Geheimniskrämerei könnten sich viele Black-Metal-Kapellen etwa einiges von dem griechischen Ambient-Projekt MARTYRIA abschauen. Mit seinem selbstbetitelten Debüt erscheint das verschiedengeschlechtliche Duo wie aus dem Nichts auf der weltmusikalischen Bildfläche und regt damit sowohl personell als auch thematisch Assoziationen zu den Prophecy-Wunderkindern Noêta an. Obwohl sich durchaus stilistische Gemeinsamkeiten finden lassen, sollte man die beiden Musikgruppen jedoch auf keinen Fall in einem Topf werfen.

Auch Verehrer von „Beyond Life And Death“ sollten es sich besser zweimal überlegen, ob sie sich ebenfalls das Erstlingswerk von MARTYRIA zulegen. Während nämlich Noêta trotz ihrer atmosphärischen Tiefe vergleichsweise leicht zugängliche, mit einer bekömmlichen Menge Neofolk angereicherte Musik kreieren, gehen MARTYRIA ohne Umwege den Pfad des Ambient. Auf „Martyria“ gibt es dementsprechend keine packenden oder ergreifenden Melodien und schon gar kein Strophe-Refrain-Schema, sondern ausschließlich sphärische Klangflächen und minimalistische Perkussionen, die im Zusammenspiel eine einlullende Wirkung entfalten sollen.

Der Opener „Logos“, auf dem sich MARTYRIA gänzlich auf das geisterhafte Zusammenspiel der männlichen und weiblichen Vocals verlassen und diese nur spärlich mit raschelnden Rhythmen unterlegen, lässt sofort an Noêtas „Beyond Life“ zurückdenken. Völlig anders, aber in ähnlichem Maße einnehmend gestaltet sich das nachfolgende „Pneuma“, das mit einem seltsam kehligen, an ein Didgeridoo erinnernden Dröhnen, dezenten Glocken und einer Maultrommel geradezu hypnotisierend wirkt.

Unglücklicherweise nimmt die Faszination, die man beim Hören von „Martyria“ empfindet, mit der Zeit stetig ab. Der fast schon unheimliche Gesang, der den Eröffnungstrack prägt, kommt immer seltener zum Einsatz und die Klangräume werden zunehmend leerer, sodass einige Abschnitte lediglich aus der immergleichen Perkussion oder einem einzigen langgezogenen Ton bestehen. Selbst routinierten Ambient-Hörern machen es MARTYRIA somit wohl nicht leicht, ihnen ohne gedankliches Abschweifen aufmerksam zuzuhören.

Was MARTYRIA auf ihrem ominösen ersten Album geschaffen haben, hat gewiss einiges an Beachtung verdient. Die bloße Vorstellung, man erkunde zu den finsteren Klängen dieser Platte ein unterirdisches Grabmal, sollte schauderhaft genug sein, um der Hörerschaft einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen. In einem herkömmlicheren Setting tut sich jedoch vor allem im späteren Mittelteil des Albums zu wenig, um die anfangs noch fesselnde Sogkraft der Musik aufrechtzuerhalten. Insbesondere ihre gespenstischen Stimmen sollten die beiden Musiker/innen in Zukunft noch prägnanter einsetzen – dann sollte einem atmosphärischen Opus Magnum nichts mehr im Weg stehen.

Bewertung: 6 / 10

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