CD-Review: Mayhem - Grand Declaration Of War (2018)

Besetzung

Maniac – Gesang
Blasphemer – Gitarre
Necrobutcher – Bass
Hellhammer – Schlagzeug

Tracklist

01. A Grand Declaration Of War
02. In The Lies Where Upon You Lay
03. A Time To Die
04. View From Nihil (Part I of II)
05. View From Nihil (Part II of II)
06. A Bloodsword And A Colder Sun (Part I of II)
07. A Bloodsword And A Colder Sun (Part II of II)
08. Crystalized Pain In Deconstruction
09. Completion In Science Of Agony (Part I of II)
10. To Daimonion (Part I of III)
11. To Daimonion (Part II of III)
12. To Daimonion (Part III of III)
13. Completion In Science of Agony (Part II of II)


Ein Remix/Remaster ist immer eine heikle Angelegenheit: Vor allem, wenn es sich um legendäre Alben oder bereits in Originalfassung als Meisterwerk rezipierte Veröffentlichungen handelt – Veröffentlichungen wie etwa MAYHEMs „Grand Declaration Of War“. Doch davon lassen sich MAYHEM nicht abschrecken: 18 Jahre, nachdem die Norweger mit dem Album nicht nur ihre Fans überraschten, sondern einmal mehr ihrem Ruf als Pioniere gerecht wurden und – man kann es kaum anders sagen – das Genre revolutionierten, wagen sich MAYHEM nun noch einmal an das nicht von allen Fans geliebte Werk: Mit einem neuen Artwork, vor allem aber einem von Jaime Gomez Arellano in den Orgone Studios grundlegend überarbeiteten Sound.

„Die beiden zentralen Dinge, die mich gestört haben, waren der Drumsound und der insgesamt knackige und dünne digitale Sound“, erklärt Arellano. Um dem entgegenzusteuern, hat der Tontechniker keine Mühen gescheut: Jeden einzelnen Tom-Schlag auf dem Album hat er in der Folge einzeln nachbearbeitet. Man fragt sich, ob es da nicht weniger Zeit in Anspruch genommen hätte, hätte Hellhammer das Album neu eingespielt.

Aus klanglicher Sicht haben sich die Mühen gelohnt: Die Bass-Drum wie auch die Toms klingen deutlich voluminöser und damit nach einem „echten“ Schlagzeug, der Gesamtsound ist voller und etwas wärmer – und erstmalig ist nun auch der Bass zu vernehmen, der im Original quasi nicht vorhanden zu sein schien. Und doch ist der Remaster alles, nur nicht über jeden Zweifel erhaben.

Weit mehr als bei den meisten anderen Alben spielt der Sound bei diesem Werk eine zentrale Rolle: Der unnatürliche, ja entmenschlichte Klang der ultrapräzisen Drums, die schneidenden, höhenlastigen Gitarren in den Black-Metal-Parts als Kontrast zu den smoothen Triphop-Elementen – all das war seinerzeit gewiss weder Willkür noch Unvermögen, sondern Mittel der Wahl, um eine bis dahin unerreicht kalte, tödliche Atmosphäre zu kreieren. Genau diese Atmosphäre fehlt der neuen Version. Weil der dieser Atmosphäre mit einem auf organisch getrimmten Sound gezielt entgegenwirkt wurde. Aber auch, weil der zentrale Wendepunkt des Albums – die Explosion mit dem suggerierten Tinitus in der postapokalyptischen Stille – nun ebenfalls merklich moderater ausfällt, ja, fast zur einem nebensächlichen Soundeffekt verkommt.

Am Ende ist auch die Neuauflage von „Grand Declaration Of War“ ein zweischneidiges Schwert. Die Intention von Jaime Gomez Arellano, eine lebendigere, natürlichere Version des Albums zu erschaffen, ist klar erkennbar und im Rahmen der Möglichkeiten ohne Frage großartig umgesetzt. Allein, „Grand Declaration Of War“, dieses Musik gewordene Sinnbild steriler Kälte, war nie als warm-weiches Wohlfühl-Black-Metal-Album konzipiert: Schon der gänzlich andere, viel dynamischere Klang der zuvor erschienenen EP „Wolf’s Lair Abyss“ legt nahe, dass der Sound der großen Kriegserklärung wohl alles war, nur kein „Unfall“.

Insofern ist die 2018er-Version zwar für alle, die das Original nicht überzeugen konnte, eine Chance zur „Liebe auf den zweiten Blick“ – und auch für Liebhaber des Albums ist der neue Mix eine in vielerlei Hinsicht spannende Angelegenheit (Stichwort: Bassspuren). Den Geist des Werkes aber fängt der Originalsound – wie übrigens auch das Original-Artwork – um Welten besser ein, sodass die Atmosphäre der ursprünglichen Fassung leider (erwartungsgemäß) unerreicht bleibt.

>> Ein ausführliches Review zu „Grand Declaration Of War“ findet ihr hier.

>> Direktvergleich beider Versionen:

Keine Wertung

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6 Kommentare zu “Mayhem – Grand Declaration Of War (2018 Remaster)”

  1. Christoph Emmrich

    Ich seh das auch so. Das Original klingt zwar unheimlich eigen und eigenwillig, aber stimmig und entfaltet eine ganz besondere Stimmung – gerade wegen des sterilen Sounds.
    Auch das neue Artwork – so schick das Bild ist – spiegelt die Stimmung der Scheibe nicht so gut wider, wie das Original. Thanks, but no thanks.

    1. Florian Dammasch

      Das würde ich sogar unstreichen – nach 20 Jahren muss man das aber vielleicht auch einfach als zwei verschiedene Versionen nehmen, die beide ihre Berechtigung haben. Ähnlich wie bei Covenant/The Kovenant „In Times Before The Light“.

      Was ich im Wesentlichen sagen wollte ist: Das Original ist mitnichten so präzise oder gut gemacht, wie man das jetzt etwas idealisiert darstellen möchte. Beim Idealisieren bin ich gerne immer vorne mit dabei, aber da muss man auf dem Teppich bleiben. Gerade das Drumming ist zum Teil Hellhammer-typisch absolut untight…

      1. Moritz Grütz Post Author

        jo, das mit den zwei Versionen kann man wohl so stehen lassen. Wie geschrieben hat ja auch die neue durchaus ihre Vorzüge. Aber es ist halt nicht mehr das Album, das zumindest für mich immer exakt von diesem Sound gelebt hat. Bzw eben nicht gelebt.
        Was die Drums angeht, sehe ich bei Hellhammer (zumindest im Studio) jetzt keine größeren Probleme, wenn man vom Trigger-Overkill mal absieht (was dem Album ja nun nicht geschadet hat).

  2. Simon Bodesheim

    Ich finde die neue Produktion wird dem Material eher gerecht als die alte, die für mich immer danach klang, als hätten Mayhem damals nicht so ganz gewusst, was sie eigentlich genau wollten und das Ergebnis war ein ziemlich furchtbarer, dünner, kraftloser Sound, in dem auch viele Details untergingen. Was ich immer schade fand, weil songwritingtechnisch ist GDoW für mich die mit Abstand beste Mayhem-Platte. Insofern freue ich mich über diesen Remaster. Auch wenn er etwas „wärmer“ klingt.
    Ob die Originalproduktion genau die Vision der Band widerspiegelt, würde ich mal stark in Frage stellen. Interessant wäre auch zu wissen, von wem der Remaster in Auftrag gegeben wurde. Wenn es nämlich die Band selbst war, würde das ja schon darauf hindeuten, dass der Originalsound eben nicht genau so gewollt war., sondern einfach nur damals nicht besser gekonnt.

    Wo ich allerdings zustimmen muss, ist beim Cover. Das alte war deutlich besser. Werde mir wahrscheinlich früher oder später die neue Version noch zulegen.

    1. Moritz Grütz Post Author

      Wie schon an anderer Stelle geschrieben, würde ich selbst ein Remaster auf Wunsch der Band heute nicht als Beweis gelten lassen, dass das damals ein Unfall war. Am Ende ist es ja doch so, dass da jetzt einige Zeit verstrichen ist. Vllt wars ja trotzdem damals, was sie sich vorgestellt haben, aber sie heben halt gemerkt, dass das Album damals nicht angekommen ist, und dann eben jetzt einen gefälligeren Sound ausprobieren wollten. Siehe Hypocrisy/Catch22. Oder es war damals mit den zur Verfügung stehenden Mitteln halt nicht anders machbar. Oder oder oder. Ich finde das schwierig bis unmöglich, zu beurteilen, würde aber nie so weit gehen, zu behaupten, die Band wäre einfach zu blöd gewesen, da gleich den richtigen Sound zu produzieren. Genug Erfahrung und vermutlich auch ein gewisses Budget waren damals ja vermutlich schon da.

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